Tierhalter geschockt

07.11.2018

© Sabine Rübensaat

Nachdem es in der Nacht zum 31. Oktober im Landkreis Ludwigslust-Parchim im Bereich der Rögnitz erneut zu einem Wolfsübergriff mit 34 getöteten und mindestens 11 verletzten Schafen kam, fordern der Bauernverband Ludwigslust, Landesbauernverband sowie Landesschaf- und Ziegenzuchtverband MV Konsequenzen. 

 

Einzeln oder im Rudel?

 

Der Wolfsangriff im Landkreis Ludwigslust-Parchim sowie die bisherige Zahl der nachgewiesenen oder vermuteten Übergriffe und die hohe Zahl der getöteten, verletzten und oder in Panik geflüchteten Tiere legt die Vermutung nahe, dass es sich nicht mehr nur um Übergriffe einzelner durchziehender Wölfe handelt. Vertreter von Bauernverband und Schafzuchtverband gehen davon aus, dass es sich um inzwischen im Land etablierte Rudel handelt. 

 

„Uns geht es nicht nur um den finanziellen Schaden. Es ist immer wieder ein Schock für die Tierhalter, wenn sie morgens auf der Weide die toten Tiere oder schwer verletzte Tiere finden, die dann getötet werden müssen“, betonte Jürgen Lückhoff, Vorsitzender des Landesschaf- und Ziegenzuchtverbandes. Wie viele der Schafe nach einer Wolfsattacke später verlammen, sei meist nicht absehbar. „Da gibt es schon Tierhalter, die resigniert fragen: Macht das Ganze noch Sinn, wie oft sollen wir täglich und nachts die Herden an den verschiedensten Standorten kon­trollieren?“, so Lückhoff.

 

Der Vorfall in Ludwigslust-Parchim und die Ereignisse der letzten Jahre zeigten, dass eine Gesetzesänderung nötig ist. „Der Schutzstatus des Wolfes muss von ‚streng geschützt‘ auf ‚geschützt‘ zurückgeführt werden“, betonte Landwirt Dr. Manfred Leberecht, Vizepräsident des Bauernverbandes MV. Nur so sei ein wirkungsvolles Wolfsmanagement möglich.

 

Das Land entschädigt die Tierhalter nach einem Wolfsriss nur, wenn sie die geforderten Maßnahmen zum Grundschutz ihrer Tiere vorgenommen haben. Diese Maßnahmen werden mit bis zu 75 % vom Land gefördert, allerdings mit einer Obergrenze in einem bestimmten Zeitraum. Für viele Tierhalter ist aber weder der eigene finanzielle Beitrag leistbar, noch sind die örtlichen Voraussetzungen immer so, dass die geforderten Maßnahmen umsetzbar sind. Die Verbände hoffen, dass die Unterstützung des Landes mit der Novellierung der Förderrichtlinie Wolf ab 2019 verbessert wird. Die erhebliche zusätzliche Arbeit wird den Schafhaltern nicht erstattet. Allein der Unterhalt für einen Herdenschutzhund wird im Jahr mit 1.500 bis 2.500 € angegeben. 

 

Nach Einschätzung der Verbände komme die Bundesregierung ihren Verpflichtungen, z. B. aus der Koalitionsvereinbarung, bisher nicht ausreichend nach. Auffällige Wölfe müssten unverzüglich und nach einer einheitlichen Rechtsgrundlage entnommen werden. Und zwar nicht erst, wenn sie wiederholt Schaden angerichtet und ihre Jungtiere angelernt haben. 

 

Wirksam regulieren

 

Für den Erhaltungszustand der Wolfspopulation in Deutschland sei es erforderlich, Bestandszahlen festzulegen. Bei Überschreitung seien wirksame Instrumente zur Regulierung vorzusehen. Rechtvorschriften müssten überprüft und angepasst werden. Die Bundesregierung solle einen Antrag der Schweiz unterstützen, mit dem der Schutzstatus des Wolfes in der Berner Konvention von „streng geschützt“ in „geschützt“ umgestuft wird. Das Bundesnaturschutzgesetz müsse an die Möglichkeiten der FFH-Richtlinie angepasst werden. Außerdem sei die Übernahme des Wolfes ins Jagdrecht zu prüfen und die Jägerschaft aktiv miteinzubeziehen. 

 

Manfred Leberecht, der selbst Mutterkühe im Landkreis Ludwigslust-Parchim hält, stellt klar, dass ein „Schutzstatus“ für Weidetiere und Menschen wichtiger sein muss als die ungehinderte Ausbreitung des Wolfes: „Wir fordern, dass das Zusammenleben zwischen Anwohnern, Nutztieren und Wolf besser und sicherer geregelt wird.“ Dazu brauche es wirkungsvolle Instrumente für die Vergrämung der Wölfe aus Wohn- und Weidegebieten und die Möglichkeit zum Abschuss, wenn Wölfe wiederholt ihre Grenzen überschreiten (siehe auch Bauernzeitung nächstes Heft 45/2018, Seite 18, Kasten unten).

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