Thünenmuseum in Tellow

25.05.2012

© www.thuenen-museum-tellow@m-vp.de

Der Kreistag des Landkreises Rostock hat auf seiner jüngsten Sitzung die drohende Insolvenz der Thünengut Tellow gGmbH und die damit verbundende Schließung des Thünenmuseums abgewendet. Der Kreistag stimmte zu, trotz des noch nicht beschlossenen Haushaltes und vorläufiger Haushaltsführung der Thünengut Tellow gGmbH die Hälfte der jährlichen Fördermittel, 33 500 s, auszuzahlen. Grundlage war ein Dringlichkeitsantrag der Fraktion Die Linke. Mit der Überweisung ist die akute Insolvenzgefahr gebannt, wegen knapper ­finanzieller Mittel bleibt die ­Zukunft des Thünenmuseums aber gefährdet.


Weltweit bekannt


Erst Ende April hatten Freunde, Förderer und  Mitarbeiter  in Tellow das 40-jährige Bestehen des Museums mit einer Festveranstaltung begangen. Johann Heinrich von Thünen (1783 bis 1850) gilt als herausragender Nationalökonom, Sozialreformer und Landwirt seiner Zeit. Sein wissenschaftliches Werk – der „Isolierte Staat“, in dem er sich mit den Beziehungen zwischen landwirtschaftlicher Produktion und Absatzmärkten sowie dem „natürlichen Arbeitslohn“ befasst – genießt noch heute hohe internationale Anerkennung. Seit seiner Gründung hat sich das Museum in Tellow als Stätte der Pflege der Thünen’schen Werke profiliert und trägt zum Ansehen des Landes   über seine Grenzen hinaus bei. Der Vorsitzende der Thünengesellschaft, Prof. Dr. Fritz Tack,  würdigte das Wirken des langjährigen Museumsdirektors Rolf Peter Bartz, dessen Tätigkeit  höchste Anerkennung gefunden hat. Unter Verweis auf die „Höhen und Tiefen“, die das Museum seit 1990 in finanzieller Hinsicht durchlaufen hat, brachte Tack die Hoffnung zum Ausdruck, diesen geschichtsträchtigen Ort zu erhalten und auszubauen. Kommune, Land und Bund seien gleichermaßen in der Pflicht.


Der Bundestagsabgeordnete Eckardt Rehberg (CDU) stellte  die hypothetische Frage, wie Johann Heinrich von Thünen heute als Politiker, Unternehmer und um sozialen Ausgleich bemühter Mensch den ländlichen Raum sehen würde. Insbesondere die demografische Entwicklung – die Abnahme und Alterung der Bevölkerung – sei getreu einer Maxime von Thünen als Herausforderung und Chance zu begreifen. Diesem Gegenstand widme sich das Institut für ländliche Räume der ehemaligen Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft Braunschweig, die heute den Namen von-Thünen-Institut trägt.  Zu dem Respekt, dem die Nachwelt dieser Persönlichkeit schuldig sei, gehöre auch, den Erhalt des Thünenmuseums als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu begreifen. Tellow müsse eine Zukunft haben, betonte Rehberg.


Breiter aufstellen


Der Landkreis Rostock werde alles in seiner Macht Stehende für den Erhalt von Tellow tun, versicherte Landrat Thomas Leuchert. Gleichwohl sei zu berücksichtigen, dass es sich um eine freiwillige Aufgabe handle, die mit anderen um die knappen finanziellen Ressourcen konkurriere. Da Thünens Erbe nicht nur regional, sondern auch national und international von Bedeutung sei, müssten sich das Land und der Bund beteiligen.


Abteilungsleiter Dr. Jürgen Buchwald legte dar, dass das Agrarministerium   über die Dorferneuerung – ebenfalls als freiwillige Leistung – finanzielle Mittel bereitgestellt und zudem gegen Widerstände in der Region 350 ha LF an das gemeinnützige Thünen-Gut langfristig verpachtet habe. Die Gewinne aus der Bewirtschaftung würden helfen, die Kosten zu decken. Hoffnungen, weitere Flächen beizusteuern, könne er jedoch nicht machen. Gleichwohl werde Minister Backhaus weiter Unterstützung leisten.


Dr. Martin Piehl, Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes, sprach sich dafür aus, den Standort Tellow „breiter aufzustellen“, um die Brücke zwischen der „Moderne“ (der landwirtschaftlichen Praxis) zur Geschichte (der Thünen’schen Theorie) herzustellen. Piehl bedauerte, dass der Bildungscharakter des Museums, der weit über die Landwirtschaft hinausgehe, sich bisher nicht in einem entsprechenden Engagement des Bildungsministeriums niedergeschlagen habe. PI/BZ

 

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