Streit um den Wolf

28.08.2015

© Jüttner

Wolfswelpen in der Ueckermünder Heide.

Fotos von Wolfswelpen haben die politische Diskussion um den Umgang mit Isegrim neu entfacht. Wie Bilder aus Wildkameras der Umweltschutzorganisation WWF belegen, haben sich die beiden Wolfspaare im Land erneut vermehrt: Auf Fotos aus der Ueckermünder Heide sind mindestens fünf Welpen zu sehen, im Rudel in der Lübtheener Heide wurden sechs neue Mitglieder nachgewiesen.


„Vor diesem Hintergrund wird es immer dringender, offene Fragen der Koexistenz von Mensch und Wolf zu beantworten“, gab Beate Schlupp, Agrarpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, zu bedenken. Ungeklärt sei nach wie vor, wie es bei steigender Wolfspopulation mit der Weidehaltung weitergehen solle. Nachdem die ersten Wolfsrisse bei Rindern und Pferden dokumentiert seien, sei zu fragen, ob die Halter auch diese Tiere wolfssicher einzäunen müssten, um im Schadensfall entschädigt zu werden. Offen sei auch, wer haftet, wenn durch eine von Wölfen aufgescheuchte Herde Menschen, zum Beispiel bei einem Verkehrsunfall, zu Schaden kommen. Namens der CDU-Fraktion sprach sich Schlupp für eine Bestandsobergrenze und die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht aus. Dabei sei sicherzustellen, dass die Jäger nicht zum Wildschadensaugleich herangezogen werden.  


Agrar- und Umweltminister Dr. Till Backhaus lehnte dies ab.  Der Wolf sei international streng geschützt. „Das heißt, nur auf internationaler Ebene kann sich der rechtliche Schutzstatus ändern.“ In MV gäbe es keinen bestätigten Fall, dass ein Rind oder Pferd von einem Wolf angefallen wurde. „Bei einem sogenannten Problemwolf würde schon heute das Sicherheits- und Ordnungsgesetz greifen.“ Allerdings wurden seit 2007 durch Wölfe 47 Nutztiere verletzt und 154 getötet. Das Land stellte 35 500 € für Schadensersatz und seit 2013 rund 103 000 € für Präventionsmaßnahmen bereit.  


„Würde der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen, unterstünde er der Hege und Pflege der Jägerschaft und würde aufgrund seiner Schutzbedürfnisse eine ganzjährige Schonzeit erhalten“, so der Minister. Hinzu kämen das Monitoring der Population, die Aufnahme verletzter Tiere und die Seuchenbekämpfung. Außerdem müssten von den Jägern gegebenenfalls Finanzquellen zum Schutz der Wölfe, für Forschungsprojekte, Ausgleichszahlungen für Schäden und die Information der Öffentlichkeit erschlossen werden.


Der Landesjagdverband teilt Backhaus’ Position. Geschäftsführerin Kati Ebel sagte, die Jäger strebten derzeit nicht an, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. Allerdings bleibe die Frage, wie man bei einer weiter wachsenden Wolfspopulation  Konflikte mit Menschen und landwirtschaftlichen Nutztieren vermeiden könne. Außer den Rudeln in der Ueckermünder und Lübtheener Heide sind in MV zwei Einzelwölfe nachgewiesen.   

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