Start der Heidelbeerernte

30.07.2015

© Claudia Schalla

Der polnische Student Martin (links) pflückt den dritten Sommer Heidelbeeren in Rottmannshagen.

Auf Mecklenburg-Vorpommerns größter Heidelbeerplantage in Rottmannshagen hat die Ernte begonnen. Aufgrund des kalten Frühjahrs etwas später als üblich. An den Sträuchern reifen nun nach und nach die blauschwarzen, süßen Früchte heran. Geschickt sammeln die Erntehelfer die Heidelbeeren in die Eimer. Martin aus Südpolen ist den dritten Sommer dabei. Der 23-Jährige nutzt die Semesterferien, um Geld für sein Stu­dium in Krakau zu verdienen. „Fünf bis sechs Wochen arbeite ich hier, weil ich hier besser verdienen kann als in Polen“, sagt er. Bis zu 60 Pflücker sind auf der 21-Hektar-Plantage beschäftigt. Sie bekommen 7,20 € pro Stunde, den tariflichen Mindestlohn für die Branche. Gute Pflücker verdienen mehr. „Es ist immer schwieriger, Personal zu finden“, sagt Geschäftsführer Toni Jaschinski. Die Plantage gehört seit drei Jahren der Chemnitzer Agrargesellschaft. Mit seiner Sonderkultur gehört der Landwirtschaftsbetrieb zu den Exoten im Land. Dabei lohnt das Geschäft mit den süßen, gesunden Früchten. Jaschinski erntet 60 bis 100 t pro Jahr und erzielt einen Erlös von 400 000 bis 700 000 €. „Wir haben hier gegenüber dem Ackerbau eine höhere Wertschöpfung.“


Vorteile sieht Jaschinski aber nicht nur darin. „Die Heidelbeeren sind ein gutes Instrument für mehr Öffentlichkeitsarbeit“, erklärt das Vorstandsmitglied des Bauernverbandes Mecklenburg-Strelitz. Jaschinski weiß, dass Öffentlichkeitsarbeit ein großes Anliegen seines Verbandes ist. „Für die Menschen hier sind die Agrarbetriebe anonym.“ Mit der Heidelbeerplantage hat sich das Blatt in seinem Fall gewandelt. Die Menschen kommen nach Rottmannshagen, um Heidelbeeren zu pflücken oder zu kaufen. „Wir werden mehr wahrgenommen und besser akzeptiert“, beobachtet Jaschinski. Auch die idyllische Lage des Gutes, umgeben von Wald, Wiesen und Feldern, gefällt den Besuchern. Rund um die Plantage blühen dieses Jahr Phacelia, Sonnenblumen, Gelbsenf und andere Pflanzen – Jaschinskis Beitrag zur Anbaudiversifizierung. Dass die Plantage bekannter und beliebter wird, zeigt sich im Hofumsatz: Der hat sich in den vergangenen drei Jahren fast vervierfacht.


Den Schritt, etwas Neues zu wagen, hat Toni Jaschinski nicht bereut. „Der Trend zu regional erzeugten Produkten ist da.“ Deshalb sei es sinnvoll, über ­Alternativen nachzudenken. In seinem Fall öffnen sich immer neue Türen. Außer dem Hauptabnehmer Netto in Stavenhagen will jetzt auch die Satower Mosterei 15 t seiner Früchte zur Herstellung von Direktsaft haben. Nebenbei schätzen Neubrandenburger Restaurants und Cafés seine Früchte. Sie nehmen zwar keine Masse ab, tragen aber mit dem Hinweis auf die regional erzeugten Heidelbeeren auf der Speisekarte zum positiven Image des Landwirtschaftsbetriebes bei.

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