Sehnsucht nach dem Norden

23.01.2014

Grüne Woche 2014 Mecklenburghalle

© Gerd Rinas

Blick in die neugestaltete Mecklenburg-Vorpommern-Halle: Sechs großformatige Foto-Installationen mit „Sehnsuchtsmotiven“ wie dem Strand von Usedom verbreiten Lust auf Urlaub an der Küste.

Für Edeltraut und André Wolf ist es ein Ritual: Seit vielen Jahren kommen sie zur Grünen Woche. Immer am Eröffnungstag. Und immer beginnen sie ihren Rundgang in der Mecklenburg-Vorpommern-Halle 5.2b. „Also, hier bekommt man immer was Vernünftiges zu essen“, sagt Edeltraut Wolf und beißt in ihr Fischbrötchen. „Mir gefällt das Bühnenprogramm und das maritime Flair in der Halle“, meint Sohn André, der sich gerade das erste halbe Mettbrötchen gönnt.

Den beiden ist aufgefallen, dass in diesem Jahr in der MV-Halle einiges anders ist: „Die gemalten Ansichten von den Rügener Kreidefelsen, dem Stralsunder Rathaus und anderen Motiven an den Wänden fehlen. Dafür fallen die großen Fotos auf, schöne Motive von Meer, Strand und Binnenland“, sagt Edeltraut Wolf. „Die Halle wirkt luftiger, die Leute haben mehr Platz zwischen den Ständen. Das ist gut so, da gibt es weniger Gedränge“, sagt André Wolf, bevor er sich mit seiner Mutter auf den Weg in die Tierhalle macht.

Dr. Elke Halm ist nach einem ersten Rundgang zufrieden. „Wir wollten mit der Hallengestaltung deutlich machen, dass Ernährung und Tourismus eine Einheit bilden, beides sind wichtige Wirtschaftszweige und Aushängeschilder, beides steht für unser Land und kann sich wunderbar ergänzen“, so die Mitarbeiterin vom Landesmarketing MV. Tatsächlich dürften die großformatigen, kreisrund angeordneten Foto-Installationen vom Usedomer Strand, aus dem Peenetal oder vom Stettiner Haff bei Besuchern Sehnsucht nach dem Norden wecken. Mecklenburg-Vorpommern präsentiert sich als Urlaubsparadies mit vielen neuen kulinarischen Spezialitäten. Aus der Allianz von Tourismus- und Ernährungswirtschaft ziehen Unternehmen beider Sparten Nutzen.

Konditormeister Peter Komander präsentiert erstmals seinen „Ivenacker Baumkuchen“. „Baumkuchen wird bundesweit viel gebacken. Wir haben die passenden Bäume dazu“, sagt Mirjam Komander in Anspielung auf die 1 000-jährigen Ivenacker Eichen. Vor sieben Jahren gründete Komander in Grammentin bei Ivenack seine Baumkuchenmanufaktur und ließ sich den Namen seines Produkts schützen. „Seitdem ist viel passiert“, berichtet Mirjam Komander. Die Familienmanufaktur produziert das ganze Jahr über Baumkuchen für bekannte Konditoreien in Berlin und Lübeck. In einer Holländermühle in Grammentin haben Komanders ein Café eingerichtet. Ivenacker Baumkuchen gibt es auch im Café am Schloss in Stavenhagen und im Tiergarten in Ivenack. „Wenn die Touristen dort aus dem Café schauen, blicken sie auf die 1 000-jährigen Eichen“, sagt Mirjam Komander.  Zum 200. Geburtstag von Fritz Reuter haben Komanders eine Fritz-Reuter-Torte kreiert. „Seitdem gibt es eine enge Kooperation mit der Stadt und dem Fritz-Reuter-Literaturmuseum“, so Mirjam Komander. Die „Reuterkiste“ mit Baumkuchen und Eierlikör gilt als Konditor-Spezialität aus Mecklenburg. Für den Kuchen in unterschiedlichen Größen, mit verschiedensten Kuvertüren (Überzügen), ohne Konservierungsstoffe und chemische Zusätze werden nur beste Zutaten wie echte Vanille sowie Mehl und Eier aus der Region verwendet. Komanders kreative Torten stehen nicht nur zu Weihnachten, sondern auch zu Hochzeiten, Firmenjubiläen und am Valentinstag hoch im Kurs.

Zu einem der neuen „Sehnsuchtsmotive“ in der Länderhalle hat Gisela Schadwinkel, Chefin der Wismarer „Seeperle“ eine besondere Beziehung: „Die Aufnahme zeigt den Wismarer Hafen. „Dort gibt es an sechs Tagen in der Woche frische Produkte aus unserer Fischräucherei.“ Zu den Kunden zählen neben Wismarern und Leuten aus der Region auch viele Touristen. Die Auslagen des „Seeperle“-Verkaufsstandes in der MV-Halle sind an diesem Freitagvormittag dicht gefüllt: Geräucherter Saibling, Lachspralinen, Backfisch, heiße Räucherfisch-Soljanka und natürlich Matjes- und Bismarckheringbrötchen. „Eh, das sind doch die vom Kutter im Wismarer Hafen!“, stösst ein Besucher seinen Begleiter an, als die beiden vor dem Seeperlenstand stehen. „Käpt’n, ein Fischbrötchen hätt ich gern.“ Trotz der ausgefallenen Räucherspezialitäten am Stand – Fischbrötchen scheinen wieder der Renner zu werden.

Schon zum neunten Mal ist Straußenzüchter Harald Pfeiffer aus Canzow bei Woldegk als Aussteller in der MV-Halle dabei. Der Stand sieht prächtig aus: Produkte aus Straußenfedern, -eiern, Kosmetik, eine neue Taschenkollektion aus Straußenleder, dazu Filet, Steak und Braten vom Straußenfleisch, Leber-, Blut- und Mettwurst sowie Pfefferbeißer – Harald und Cornelia Pfeiffer haben ihr gesamtes Produktionssortiment mit nach Berlin gebracht.

„Mit Straußenfleisch lässt sich gutes Geld verdienen. Die Haltung rechnet sich langfristig aber nur, wenn auch Federn und Eier als kunsthandwerkliche Produkte vermarktet werden“, so Pfeiffer, den dieses Mal einige Sorgen plagen. Nicht nur, weil wegen Krankheiten in südafrikanischen Straußenbeständen in den vergangenen zwei Jahren über den Großhandel praktisch keine Küken zu beziehen waren.

Mindestens ebenso ärgert den Züchter, dass er von Amts wegen nicht als Landwirt gilt, weil Strauße, obwohl mittlerweile auch hierzulande verbreitet, nicht als landwirtschaftliche Haustierrasse anerkannt sind. Aus diesem Grund erhält Pfeiffer weder Direktzahlungen noch Förderung. Zumindest bei einem weiteren Problem zeichnet sich nun Besserung ab: Ein befreundeter Landwirt in der Region will dem Züchter zu zusätzlichen Flächen für die Straußenhaltung verhelfen. „Für uns ist der Auftritt hier wichtig, weil wir nirgendwo besser für unsere Produkte werben können“, sagt Harald Pfeiffer.
Das sehen Uwe Baumgartner und Stefan Kruse genauso. Die beiden jungen Männer sind vor einigen Jahren aus der Stadt nach Friedrichshof bei Kublank, Mecklenburgische Seenplatte gezogen. Dort kauften die passionierten Naturfreunde den alten Gutsgarten, legten zwei Hektar Streuobstwiesen neu an und begannen, Äpfel, Birnen, Pflaumen und Kirschen zu sortenreinen Säften und Likören zu verwerten. Aus Holunder, Quitten, Himbeeren und anderen Früchten kreierten sie köstliche Gaumenfreuden wie Sirups und geleeähnliche Produkte. Ihre neueste Vermarktungsidee: Zusammen mit fünf Firmen aus MV wollen sie ihre Produkte auf dem chinesischen Markt anbieten. Dazu hat Uwe Baumgartner schon eine eigene Firma „Business Bridge to China“ gegründet. „Die Grüne Woche ist für unser Vorhaben genau das richtige Sprungbrett“, meint der junge Unternehmer selbstbewusst.

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