Schweinehaltung

26.07.2013

Etwa 45 Einwohner nahmen das Angebot des Landwirts an und informierten sich über das Stallbauprojekt bei Gnevezow.  

 

 

Freunde hatten ihn gewarnt. Es bringe nichts, das Projekt öffentlich vorzustellen. „Gegen vorgefasste Meinungen kommst du mit sachlichen Argumenten nicht an. Hinter den Bedenken stecken Emotionen.“ Doch Landwirt Peter Rabe hielt an seiner Absicht fest. „Etwas zu verheimlichen oder zu vertuschen liegt mir fern. Ich will die Gemeinde nicht schädigen und mich plagt auch keine Landgier“, versicherte der Landwirt.

 

 

Standen Rede und Antwort: Landwirt Peter Rabe und Planerin Christiane

Zimmermann. Fotos: Gerd Rinas

 

 

Schweine vor Ort statt Hühnerkot aus Holland


Sein Versuch, den Sprecherrat der Bürgerinitiative gegen seine geplante Schweinehaltung bei Gnevezow zu seiner Informationsveranstaltung persönlich einzuladen, misslingt. Auch bei den rund 45 Bürgern, die in den Borrentiner „Sandkrug“ gekommen sind, hat Rabe einen schweren Stand. Der Landwirt bewirtschaftet im benachbarten Schwichtenberg seit über 20 Jahren einen Marktfruchtbetrieb. Rabes Problem:  Um den Boden fruchtbar zu halten, muss er ihm Humus zuführen. In den 1990er Jahren bringt er deshalb Klärschlamm aus der Region aus. Später ersetzt thermisch vorbehandelter Hühnertrockenkot aus Holland den Klärschlamm. „Ein Irrsinn“, findet der Landwirt mit Blick auf die Transportentfernung und die verlorene Wertschöpfung in der Region. Für den Bau einer Schweinehaltung spricht ein weiterer Grund: Der Landwirt hat Landesflächen gepachtet. Deren Pachtung ist nach einem Landtagsbeschluss wegen der erwünschten höheren Wertschöpfung und Arbeitskräftebindung an eine Tierhaltung oder den Anbau arbeitsintensiver Feldkulturen gebunden. Weil Rabe zunächst nicht selbst Schweine halten will, gewinnt er 2008 einen dänischen Landwirt als Partner.

Dessen Plan, bei Gnevezow einen Stall zu errichten, findet in der Gemeindevertretung zwar eine Mehrheit, dennoch wird das Projekt nicht umgesetzt. Die Gemeinde erarbeitet einen Teilflächennutzungsplan, in der Flächen für gewerbliche Tierhalter ausgewiesen sind. Die Fläche in Gnevezow ist nicht dabei.

Als Landwirt ist Peter Rabe privilegiert, im Außenbereich zu bauen. Nun tritt er selbst als Bauantragsteller am Gnevezower Standort auf, will die Fläche von dem Dänen pachten oder zurückkaufen und eine Schweinehaltung mit zweimal 2.400 Endmast- und 2.700 Aufzuchtplätzen für Babyferkel errichten. Im Publikum stößt das Vorhaben auf Widerspruch. „500 Meter vom Dorf entfernt, in der Hauptwindrichtung, direkt neben dem FFH-Gebiet wollen wir keine Schweine“, sagt Achim Franz, stellvertretender Bürgermeister in Gnevezow und ebenfalls Landwirt. Kurt Höppner aus Borrentin hat früher 30.000er Schweinemast- und 22.000er Rindermastanlagen gebaut. „Kein Mensch ist gegen Schweineanlagen. Aber dass Sie so vermessen sind, an diesem Standort zu bauen. Wollen Sie uns etwa erstinken?“, fragt der Bauingenieur aufgebracht?

Rentner Hans-Joachim Mattulat hat viele Jahre für den Deutschen Wetterdienst die Windrichtung gemessen. „Der Wind weht an acht von zehn Tagen aus Richtung Anlage ins Dorf. Gnevezow kriegt die volle Dusche ab“, befürchtet er.

„Eine Schweinehaltung ist keine Parfümfabrik“, hatte Peter Rabe schon vorher eingeräumt. Den Bauplatz habe er sich aber nicht aus den Fingern gesogen. „Ich kann nur dort bauen, wo ich Bodeneigentümer oder Pächter bin. „Der zusammen mit der Gemeinde ausgewählte Standort macht den kleinsten Schaden“, versichert der Landwirt. Jemanden „vollzustinken“ liege ihm fern. Planerin Chris­tiane Zimmermann sagt, dass die Geruchs­emissionsprognose Südwest als Hauptwindrichtung bestätigt habe, der Wind aber auch aus West wehe. Die zulässige Höchstgrenze für Emmissionen in Wohngebieten ­würde außerdem „deutlich unterschritten“. Bei den Zuhörern hinterlässt das wenig Eindruck.

Susanne Wilken, die Tierproduktion studierte, hat „kein Problem mit Tieren und Güllegeruch. Aber wir brauchen keine Schweineproduktion mehr. Wir haben genügend Fleisch. Wir sind alle satt und werden immer fetter“. Ähnlich sieht es Kerstin Lenz.  „Es wird 120 % Schweinefleisch in Mecklenburg-Vorpommern produziert. 20 % mehr als nötig. Wir machen Märkte in anderen Ländern kaputt, indem wir hier immer mehr produzieren“, meinte die Vorsitzende des Tierschutzbundes in MV, ebenfalls eine studierte Landwirtin.


 

Warum kein „Borrentiner Ökoschwein“?


Mathias Gall aus Wolkwitz, der bis 1990 Tierproduktion studierte, mittlerweile aber kein Schweinefleisch mehr isst, befürchtet, dass die Anlage, wenn sie erst mal gebaut wurde, erweitert wird. Dem widerspricht Planerin Zimmermann. Der Standort gebe keine Erweiterung her. Ein anderer Einwohner will von Rabe wissen, warum er kein „Borrentiner Ökoschwein“ auf den Markt bringen wolle. Rabe erklärt, dass er geheilt sei von dem Glauben, dass Leute ein Produkt kaufen, bei dem 30 bis 40 % mehr Vorwegkosten anfielen.

Verständnis oder gar Ermutigung für sein Stallbauprojekt fand Rabe an diesem Abend nicht. Trotzdem hält er an seinem Vorhaben fest. „Der öffentliche Erörterungstermin steht noch aus. Das Genehmigungsverfahren wird nach den geltenden strengen BImSchG-Auflagen durchgeführt“, versichert der Landwirt, der noch auf einen öffentlichen Meinungsumschwung hofft.

 

Gerd Rinas, BauernZeitung

 

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