Schlag ins Kontor

16.08.2018

© Sabine Rübensaat

Die durch die anhaltende Trockenheit verursachten Schäden in der Landwirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns werden sich nach aktuellen Hochrechnungen auf etwa 531 Mio. € belaufen. Das gab Agrarminister Till Backhaus am Dienstag in Schwerin bekannt.

 

Bereits konkret zu benennen seien die Einnahmeverluste aus den Mindererträgen bei Mähdruschfrüchten. Sie betragen fast 280 Mio. €. Das entspricht Ein­nahmeverlusten von rund 360 €/ha Mähdruschfläche im Vergleich zu den Durchschnittseinnahmen je Hektar in drei der fünf zurückliegenden Jahre.

 

Futtermehrkosten

 

Derzeit noch schwer kalkulierbar sind die Mehraufwendungen durch Futterzukäufe, die den Tierhaltern durch die dürrebedingten Ausfälle im Futterbau entstehen. „Der drohende Futtermangel wird erhebliche negative Auswirkungen auf die Tierproduktion des Landes haben“, erklärte Backhaus. Er befürchtet, dass durch Verkauf oder Schlachtung von Tieren aufgrund des Futtermangels die Tierbestände im Land weiter abnehmen. Im Futterbau war der erste Schnitt auf dem Grünland wegen der anhaltenden Trockenheit unterdurchschnittlich, der zweite gänzlich ausgefallen. Weiterer Grünfutterwuchs sei derzeit nicht absehbar.

 

Bei den Mähdruschfrüchten liegen die Verluste je nach Bodenbeschaffenheit und Standort zwischen 25 und 30 %. „Die Ernteergebnisse im Land stellen sich sehr differenziert dar. Auf leichten Böden sind zum Teil Totalschäden entstanden“, so der Minister. Er bezifferte die Mindererträge im Vergleich zu drei der fünf zurückliegenden Jahre bei  Wintergerste auf rund 30 % bei einem Ertrag von durchschnittlich 53,3 dt/ha. Bei Winterweizen lag das durchschnittliche Ergebnis bei 61,6 dt/ha, das entspricht einem Minderertrag von 22 %. Die Rapsernte brachte im Schnitt 26,8 dt/ha und damit Ertragsverluste von 28 %.  Mais- und Hackfrüchte hatten sich zunächst gut entwickelt. Seit Juni leiden auch diese Kulturen unter akutem Wassermangel. Damit haben die Landwirte im Land nach den enttäuschenden Jahren 2016 und 2017 das dritte schlechte Erntejahr in Folge zu verkraften. Nach vorläufiger Einschätzung könnten 10 bis 20 % der Betriebe Einnahmeverluste in Höhe von über 30 % zu verkraften haben. „Ich werde weiter beim Bund auf Unterstützung für diese Betriebe drängen“, versicherte der Minister. In Abstimmung mit weiteren dürrebetroffenen Bundesländern fordert Mecklenburg-Vorpommern die Auflage einer Schadensbeihilfe für dürregeschädigte Landwirtschaftsbetriebe, vor allem für Tierhalter.

 

Von den Ergebnissen der Amtschef-Konferenz zu Dürrehilfen am Montag im Bundeslandwirtschaftsministerium hatte sich Backhaus enttäuscht gezeigt. „Dass in dieser Situation kein klares Signal aus Berlin kommt, ist ernüchternd. Ich hatte gehofft, eine Entscheidung sei bereits in greifbare Nähe gerückt.“ 

 

Zwischenfinanzierung?

 

Bundesagrarministerin Julia Klöckner beharre auf ihrer Linie, erst in der nächsten Woche nach Vorliegen des abschließenden Berichtes zu den bundesweiten Ernteergebnissen über Hilfen des Bundes entscheiden zu wollen. „Für existenzgefährdete Betriebe kann dieser Aufschub zur Zerreißprobe werden“, warnte Backhaus.

 

CDU-Agrarexpertin Beate Schlupp hat die vorzeitige Auszahlung der EU-Direktzahlungen gefordert. „Nur so kann sichergestellt werden, dass in betroffenen Unternehmen Futterkäufe und Aussaat gewährleistet werden.“ Sollte eine vorzeitige Auszahlung aufgrund europäischer Vorgaben nicht möglich sein, müsse eine Zwischenfinanzierung durch das Land erfolgen. „Es ist notwendig, dass die Landesregierung zügig Maßnahmen zur Teilauszahlung ergreift, um den dürregeschädigten Landwirten jetzt unter die Arme zu greifen“, betonte Schlupp.

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