Schafhaltung

23.10.2012

 

Foto: Jürgen Lückhoff (62) ist seit 2011 Vorsitzender des Landesschaf- und Ziegenzuchtverbandes. Der Referatsleiter im Sozialministerium züchtet mit seiner Frau Sigrid erfolgreich Jacobschafe. 

  

 

Herr Lückhoff, der Landesschaf- und Ziegenzuchtverband hat sich  mit einem Brief an direkt gewählte Abgeordneten Mecklenburg-Vorpommerns im Deutschen Bundestag gewandt. Aus welchem Grund?

Konkret geht es um die Berücksichtigung der Schäfereien bei der Agrardieselsteuer-Rückerstattung durch eine Änderung des Energiesteuergesetzes. Eine solche Änderung wurde bereits vor einigen Jahren für die Imkereien eingeführt, die unter ähnlichen Problemen litten, wie sie die Schafhalter belasten.

 

Was ist der Anlass für Ihr Schreiben?

 

Trotz derzeit stabiler Lammfleischpreise ist die Wettbewerbsfähigkeit vieler Betriebe in der Schafhaltung durch den hohen Kostendruck gefährdet. Dies hat bereits zur Aufgabe von Betrieben und zu einem deutlichen Rückgang des Schafbestandes geführt. Zu derzeit besonders hohen Futterkosten kommen kaum leistbare Pachtpreise,  auch als Auswirkung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes.

 

Welche Rolle spielen die Dieselkosten in den schafhaltenden Betrieben?


Sie tragen wesentlich zu der angespannten Situation bei. Schafhaltung wird sehr oft auf hofstellenfernen Weide-, Küsten- und Naturschutzflächen extensiv betrieben. Aufgrund der zum Teil beträchtlichen Entfernungen vom Hof zu den Weideflächen ist es unwirtschaftlich und meist auch nicht möglich, die Strecken mit einem Traktor zurückzulegen. Viele Schäfer und Schafhalter besitzen gar keinen Schlepper. Die Transporte für Wasser, Futter und Tiere werden in der Regel mit dem Geländewagen beziehungsweise einem Pick-up durchgeführt. Je nach örtlicher Gegebenheit und Jahreszeit fallen entsprechende Fahrten zur Versorgung der Tiere auch mehrmals täglich an. Eine  Änderung der Agrardieselsteuer-Rückerstattung, die die tatsächlich genutzte Fahrzeugart berücksichtigt, wie sie für Imker möglich war, wäre ein spürbarer Beitrag zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit in der Schafhaltung.

 

Der Bundesrat ist in dieser Frage bereits aktiv geworden.


Der Bundesrat hat sich am 21. September in seiner Stellungnahme zum „Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des Energiesteuer- und des Stromsteuergesetzes“ dafür ausgesprochen, im weiteren Gesetzgebungsverfahren durch eine  Änderung des Energiesteu­ergesetzes für Schäfer im Rahmen der Agrardieselsteuer-Rückerstattung eine analoge Ausnahmeregelung wie für die Imker zu schaffen. Den entsprechenden Antrag hatte im Bundesrat Mecklenburg-Vorpommern eingebracht.

 

Wie beurteilen Sie die Erfolgsaussichten?


Das Gesetz wird zurzeit in den Ausschüssen des Deutschen Bundestages beraten, federführend im Finanzausschuss. Neben  den Abgeordneten aus Mecklenburg-Vorpommern haben wir weitere Volksvertreter für unser Anliegen sensibilisiert. Nun hoffen wir im Interesse der Schäfer des Landes auf positive Signale.

 

Das Gespräch führte Gerd Rinas, BZ

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