Rübentag in Rosenow

08.06.2018

© Katharina Skau

An die Vortragstagung schlossen sich der Feldrundgang und Maschinenvorführungen an. Vorgestellt wurden verschiedene Hackgeräte zur mechanischen Unkrautbekämpfung im Zuckerrübenanbau.

Zum 19. Rübentag trafen sich die Zuckerrübenanbauer  in Rosenow, Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Die Zuckerfabrik Anklam, der Anklamer Anbauerverband und die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei luden bei heißen Sommertemperaturen zum Austausch mit Feldbegehung und Maschinenvorführung ein. Die aktuelle Trockenheit und damit schon jetzt absehbare Ernteeinbußen waren nicht nur bei der Demonstration der Feldversuche sichtbar, sondern auch unter den Landwirten das zentrale Gesprächsthema.


Der Bericht über die aktuelle Lage im Rübenanbau von Matthias Sauer, Geschäftsführer der Zuckerrübenfabrik Anklam, konnte die Laune nicht heben. Er sprach von einer „dramatischen“ Situation. Der temporäre Überschuss sorgt für einen drastischen Preisverfall bei Zucker und Sauer hält den Rückgang des Zuckerrübenanbaus für „sehr realistisch“. Hinzu kommt, dass der Wegfall der Neonikotinoide den Landwirten bereits zu schaffen macht, das drohende Verbot der Herbizide Phenmedipham und Desmedipham würde den Anbau von Zuckerrüben extrem erschweren.


Thies Holtmeier, Vorsitzender des Anklamer Anbauerverbandes, forderte besonders aus diesem Grund die Züchtung auf, neue Wege zu gehen. Natürlich sei auch er als Landwirt an kostengünstigem Saatgut interessiert, allerdings gehe Qualität vor Preis. Beispielsweise für Resistenzzüchtungen sei die Zahlungsbereitschaft der Landwirte groß. Er sprach auch die Möglichkeit von Genome-Editing-Verfahren an wie CRISPR/Cas und forderte, dass die Züchter in dieser Richtung deutlich unterstützt werden müssten. Trotz aller Widrigkeiten rief Holtmeier dazu auf, „durchzuhalten“ und die Rübe in Mecklenburg-Vorpommern nicht aufzugeben.


Auch aufgrund der Diskussionen im Bereich Pflanzenschutzmittel hat die Agrar GmbH Groß Kiesow angefangen, sich mit mechanischer Unkrautregulierung in den Zuckerrüben auseinanderzusetzen. Doreen Riske berichtete von ihren Erfahrungen. Der Landwirtschaftsbetrieb baut auf rund 160 ha Zuckerrüben an und setzt nun im dritten Jahr auf Teilen der Anbauflächen weniger Pflanzenschutzmittel ein als im konventionellen Anbau üblich. Als Alternative dient ein 2016 angeschafftes Hackgerät mit einer Arbeitsbreite von 8,10 m im 45-cm-Reihenabstand mit 18 Reihen.


Der Betrieb fährt drei verschiedene Strate­gien: in der ersten werden Zuckerrüben mit dem üblichen Pflanzenschutzmittelaufwand angebaut, in der zweiten wird eine Spritzenüberfahrt durch die Hacke ersetzt, die dritte Strategie sieht zwei Arbeitsgänge mit der Hacke vor. Im Ergebnis wird deutlich, dass bei der Anzahl an Unkräutern pro Quadratmeter mit der ersten Strategie am meisten Pflanzen gefunden wurden. Die Varianten zwei und drei weisen im Hinblick auf die Unkrautbekämpfung somit bessere Ergebnisse auf und sind zudem kostengünstiger, so Riske. Hinzu kommt, dass das Hackgerät zu flexiblen Zeiten einsetzbar ist und somit die Arbeitsspitzen im Frühjahr entzerrt werden können. Allerdings ist durch den geringeren Pflanzenschutzmitteleinsatz eine weitere Fruchtfolge als bisher mit intensiverer Bodenbearbeitung notwendig. Doreen Riske ist selbst positiv überrascht von den guten Ergebnissen und wird in jedem Fall die mechanische Unkrautbekämpfung weiter verfolgen.


Ihre positiven Erfahrungen brachten die Diskussion auf den Anbau von Bio-Zuckerrüben. Laut Matthias Sauer ist die Nachfrage nach Bio-Rohrzucker in der Europäischen Union enorm und ein deutlich zunehmender Trend. Die Suiker Unie GmbH & Co. KG, Eigentümerin der Anklamer Zuckerfabrik, hat in diesem Jahr erstmals Versuche auf drei Betrieben mit ökologisch produzierten Zuckerrüben aufgenommen. Allerdings sind sich Sauer und Raik Wrobel, Leiter der Abteilung Landwirtschaft der Zuckerfabrik Anklam, einig, dass sich im Bereich mechanischer Unkrautbekämpfung noch viel tun muss, um die Rübe großflächig vollständig ohne Pflanzenschutz anbauen zu können.

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