Rüben über Rüben

29.10.2014

© Edgar Offel

Für Betriebsleiter Christian Ringenberg und seinen Vater Peter ist die Zuckerrübe eine wichtige Größe in der Fruchtfolge zwischen Weizen. Sie haben deshalb den Anbau durch Quotenzukauf stark erweitert.

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Als Christian Ringenberg bei der Rübenmiete am Ortsrand von Alt Negentin bei Greifswald eintrifft, werden die Laster der Gützkower Speditionsfirma gerade beladen. Hier lagert der Rest der Ernte des 65-Hektar-Rübenschlages des Landwirtschaftsbetriebes Ringenberg. Ende September waren bereits vertragsgemäß 2 400 Tonnen in die Zuckerfabrik gebracht worden. An diesem Oktobertag sind als zweite Liefercharge lediglich 20 Kipperfahrten geplant. Damit bleibt jede Menge liegen.

Alternative: Biogas

„Ich hatte die Anbaufläche mit 70 Tonnen je Hektar und für 105 Prozent der Vertragsmenge berechnet“, sagt der 35-jährige Betriebsleiter. „Aber wenn ich sehe, wie sich die Miete Ende September nach der ersten Charge verringerte, werden es wohl über 80 Tonnen sein.“ Die dritte Charge könnte noch ertragreicher sein. Diese Rüben sind noch nicht gerodet. Selbst wenn die Zuckerfabrik zu ihrem Wort steht, bis zu 120 % der Ernte abzunehmen, bleiben voraussichtlich viele Rüben übrig. Nach dem Abtransport der ersten Liefercharge hat der Anbauer Kontakt zur nahe gelegenen Biogasanlage Dersewitz aufgenommen, die auch Zuckerrüben verwertet. Diese würde ihm 1 500 Tonnen abkaufen, Transport und Reinigung übernehmen. Ringenberg hofft, dass der Betreiber der Biogasanlage die restlichen Rüben in der nächsten Woche abholt. Denn wenn er die Mietenfläche nicht bald grubbern und Weizen säen kann, ist Fäulnisgeruch unvermeidlich. Dabei haben die Anwohner schon den Lärm des Rübenrodens und der Abfuhr der ersten Charge erdulden müssen. „Zum Glück sind die Leute hier verständnisvoll“, so der Landwirt.

Wie Ringenberg geht es den meisten Rübenanbauern. Überrüben werden dieses Jahr in Massen anfallen. Nach Hochrechnung des ersten Drittels der Kampagne erwartet die Zuckerfabrik einen Ertragsrekord von 1,6 Millionen Tonnen, sodass die Kampagne trotz frühen Beginns am 3. September wieder bis Mitte Januar andauern wird. „Wir stehen zu unserem Versprechen, alle verwertbaren Rüben abzunehmen“, sagt der Leiter der Landwirtschaftsabteilung Raik Wrobel. Deshalb hätte die Zuckerfabrik zusätzliche Lagerkapazitäten für den Dicksaft angemietet. Zunächst würde jedoch nur die Vertragsmenge, dann bis zu 120 Prozent abgefahren. Was mit den verbliebenen Rüben ausgerechnet der ertragsstarken Anbauer im Januar geschieht, ist unklar. Es droht eine Situation wie 2013, als die Zuckerfabrik nach Wetterkapriolen Anfang Januar die matschigen Rüben nicht mehr abnahm, weil eine Verarbeitung nicht möglich war.

Damals gelang es, die verbliebenen 60 000 Tonnen auf Biogasanlagen zu verteilen, wobei sich die Zuckerfabrik organisatorisch und finanziell beteiligte. Viele Anbauer nutzen wie Ringenberg die damals hergestellten Verbindungen jetzt vorsorglich. Aber auch die Biogasanlagen können das Erntegut nicht unbegrenzt abnehmen. Nach Auskunft von Geschäftsführer Matthias Sauer plant die Zuckerfabrik, künftig den Anbauern auch nicht verwertbare Rüben abzunehmen und in die eigene Biogasanlage umzuleiten. Für die laufende Kampagne seien die technologischen Voraussetzungen aber noch nicht geschaffen.

Vortrag möglich

In diesem Jahr gibt es eine weitere Möglichkeit für die Überrüben. Die Anbauer können sie auf die nächsten beiden Jahre vortragen lassen und die Anbaufläche zugunsten anderer Marktfrüchte verringern. „Bis zum 31. Oktober können sich Interessenten noch melden, erst danach können wir sagen, wie diese Möglichkeit genutzt wird“, sagt Wrobel. Laut LIZ-Online soll bundesweit über die Hälfte der Anbauer vorhaben, die diesjährige Ernte für die nächsten Quoten anrechnen zu lassen. Das Portal stellt zudem eine Entscheidungshilfe bereit, mit der sich die Wirtschaftlichkeit des Vortrages ermitteln lässt. Der Rechner für die Zuckerfabrik Anklam ist für diese Woche angekündigt. Für Ringenberg ist es keine Option. „Für die nächste Kampagne rechne ich gleich mit einem Hektarertrag von 80 Tonnen. Die entsprechende Fläche für 105 Prozent der Vertragsmenge ist bereits verplant. Und die brauche ich auch in der Fruchtfolge.“

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