Revierbezogene Jagd

18.11.2014

© Sabine Rübensaat

Schäden durch Wildschweine nehmen in Vorpommern-Rügen laut Unterer Jagdbehörde zu. Marco Gemballa wird bei der Diskussion in der Kreisverwaltung die Sicht der Bauern einbringen.

Sie sind immer noch da“. Marco Gemballa zeigt auf eine Stelle im Schlag mit den zarten Getreidepflanzen. Hier haben offenbar Wildschweine nach Übrigbleibseln der Vorfrucht Mais gewühlt. Die Stelle ist etwa 20 m von einem Wäldchen entfernt, das mitten auf dem Acker steht. Der Viereckbusch, wie er sinnigerweise nach seiner fast quadratischen Form genannt wird, ist möglicherweise der Unterschlupf einer ganzen Rotte. Gemballa prüft die Verwendbarkeit des Hochstandes an der einen Ecke des Waldes, wo er den gefräßigen Schwarzkitteln bei der nächsten Mondphase auflauern will.

 

Der 39-jährige Vorsitzende der Agrargenossenschaft Zinzow bei Anklam ist auch Jäger. „Dieses Jahr bin ich relativ entspannt“, sagt er. „Das Schwarzwildaufkommen ist nicht besonders stark.“ Gewöhnlich schießen er und seine drei Mitstreiter im gemeinsamen 900 ha großen Jagdbezirk pro Saison etwa 20 bis 25 Schweine. Nach einem milden Winter waren es auch schon mal 62. „Aber in diesem Jahr sind es bis jetzt lediglich zehn.“

 

Die Untere Jagdbehörde des Landkreises Vorpommern-Greifswald sieht die Situation nicht so entspannt. Sie registrierte einen Anstieg des regionalen Schwarzkittelbestandes und der Wildschäden. In den Jahren 2008/09 bis 2012/13 waren die größten Schwarzwildstrecken der letzten 15 Jahre zu vermelden. Darum und wegen der bis an die Ostgrenze Polens vorgerückten Afrikanischen Schweinepest sieht sie die Notwendigkeit, die Bejagung zu intensivieren.

 

Jäger müssen umdenken

„In den Köpfen der Jäger muss ein Umdenken erfolgen“, sagt ein Sprecher der Behörde. „Es muss grundsätzlich mehr Strecke gemacht werden.“ Nachdem im Juni der Ist-Zustand analysiert wurde, hat die Landrätin zu einer Beratung am 18. November eingeladen. Sie bittet Jäger und Landeigentümer sowie interessierte Bürger um Lösungsansätze zur effektiveren Bejagung, die diskutiert werden sollen. Der Bauernverband Ostvorpommern hat Gemballa gebeten, den Berufsstand zu vertreten. Während die Jagdbehörde die großen Maisfelder beispielsweise in der Friedländer Wiese als das Problem sieht, weil sie für Schwarzwild Nahrung und Versteck für mehrere Monate bietet, sieht Gemballa das anders. „Wir bewirtschaften in Lohnarbeit insgesamt 2 000 Hektar Mais. Meine Erfahrung ist, dass die Größe nicht entscheidend ist, sondern mehr die Lage.“ Größere Wildschäden seien vor allem in Maisfeldern in der Nähe von Jagdruhezonen feststellbar. Beispielsweise, wenn sie an Eigenjagdbezirken von Waldbesitzern, an Schilfgebieten der Naturschutzgebiete oder an Nationalparks angrenzen. Im Wald seien Wildschweine kein Problem, also würden sie von den Besitzern in Ruhe gelassen. Zumal letztere an Rotwild interessiert seien, was wiederum Ruhe erfordert. Im Schilf könnten die Schweine nur bei Frost gejagt werden. Aber gerade im dafür prädestinierten Januar ist eine Drückjagd verboten. „Die Problemzonen sind also räumlich begrenzt“, meint Gemballa. Aus seiner Sicht gibt es deshalb auch keine pauschalen Lösungen. „Jäger und Landwirt müssen revierbezogen gemeinsam überlegen, was Sinn macht.“

 

Randstreifen mit Wiesenmischung

Dort, wo das Risiko von Wildschäden recht groß ist, lässt er Schneisen in den Mais schneiden. Oder legt sie schon mit der Aussaat an. „Sie sollten mindestens sechs Meter breit sein, aber auch nicht zu groß, dann werden sie rennend und nicht fressend gequert“, rät er. Konsequent lässt er um Wassersölle, die von Wildschweinen im Sommer gerne zum kühlenden Suhlen aufgesucht werden, einen 20 m breiten Randstreifen. Um den Viereckbusch hatte er auf einem sechs Meter breiten Streifen eine Wiesenmischung angesät, der auch bei der Getreidesaat blieb. Dauerhaft sei ein Randstreifen aber problematisch, weil die Gefahr bestehe, dass er zum Fahrweg und damit aus der landwirtschaftlichen Fläche herausgerechnet wird.

 

„Ideal ist es, wenn man als Landwirt auch Jäger ist“, meint Gemballa. Zumindest sollte einem jagdbegeisterten jungen Mitarbeiter der Jagdschein ermöglicht werden. „Dann lassen sich Arbeitszeiten bei der Ernte oder dem Maislegen so organisieren, dass die Bejagung zu diesen Zeiten möglich ist. Ansonsten muss das eben mit dem Jäger abgestimmt werden.“

 

Edgar Offel

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