Pressegespräch auf dem Rapsfeld

26.07.2018

Fotos: Ann-Kristin Hanell, Norbert Fellechner

Mähdrescher-Dreiklang: Für Bilder war bestens gesorgt beim Pressegespräch in Neubukow. Landwirtschaftsmeister Mathias Bardehle (kleines Foto rechts oben) bestimmt mit einem Mess- und Prüfgerät die Feuchtigkeit von Raps.

Das Wetter wollte so gar nicht zu dem passen, was der Präsident des Bauernverbandes aussprach. Die Sonne strahlte an einem ungetrübt, blauen Himmel. Die Agrargenossenschaft Hellbach Neubukow hatte sich große Mühe gegeben, ein wohliges Ernte-Ambiente zu schaffen: Ein Pavillon stand für die Pressevertreter direkt am Raps-Erntefeld bereit, vor einem mit Strohballen beladenen Anhänger samt Trecker, von wo aus ein Dreiklang an Mähdreschern nach der Konferenz für die Print- und Fernsehbilder sorgte. Alles war perfekt. Nur die Ernte nicht.

 

Die Nässe bei der Herbstbestellung und die Dürre im Frühjahr und Sommer forderten ihren Tribut: Zum dritten Mal in Folge fiel die Getreide- und Rapsernte schlecht aus. Der Chef der gastgebenden Agrargenossenschaft, Thorsten Harder, rechnet in diesem Jahr mit finanziellen Einbußen von 30 %. Bei der Wintergerste erntete er 40 % weniger als im Vorjahr,  bei Erbsen 50 % weniger, beim Roggen habe er 30 % Verluste, sagte er. Im Jahr 2017 habe das Unternehmen mit 2.600 ha Land und 160 Mutterkühen eine schwarze Null geschrieben, im Jahr zuvor lag das Minus bei 30 %. 

 

„Wir wissen noch nicht, wie wir übers Jahr kommen sollen. Meine 30 Beschäftigen müssen bezahlt werden“, sagte er und fügte an, dass Investitionen und begonnene Projekte wie die Renaturierung von Söllen erst mal zurückgestellt würden. 

 

Viele Betriebe brauchen jetzt Geld, um überhaupt bis zur nächsten Ernte kommen zu können, verdeutlichte Präsident Detlef Kurreck den Ernst der Lage. „Dieses Jahr reicht eine pünktliche Auszahlung der Direkthilfen nicht aus. Wir brauchen schneller Hilfe!“ Doch nicht nur Landwirtschaftsbetriebe, sondern größere Teile des ländlichen Raumes wie der Landtechniksektor und die Bauwirtschaft werden als vor- und nachgelagerte Branchen von der dritten schlechten Ernte in Folge betroffen sein. 

 

Und als wäre das noch nicht genug, räumte Kurreck schließlich ein, dass Geld am Ende nicht alles ist: Die Trockenheit schlägt sich mittlerweile erkennbar auch auf Viehbestände aus. „Ein Freund sagte mir, dass man Geld nicht essen kann. Er hat kein Futter für sein Vieh und es ist auch keins am Markt, das er kaufen könne“. Sprich: Einige Milchbauern verkleinern bereits ihre Bestände, weil das Futter fehlt. „Wenn der Tierhalter sieht, dass nicht genug Futter da ist, um die Tiere im Winter satt zu kriegen, dann muss er reagieren und wir sehen, dass mehr Schlachtvieh abgefahren wird“, sagte der Präsident Detlef Kurreck. Ältere Tiere und Jungvieh werden öfter geschlachtet, die Preise fallen bereits. So heißt es an dieser Stelle zum dritten Mal in Folge: Wir hoffen auf eine bessere Ernte im nächsten Jahr!

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