Plan zur Reduzierung der Schwarzwildpopulation

14.11.2017

© Sabine Rübensaat

Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus stellte einen Plan zur Reduzierung der Schwarzwildpopulation vor. Dies sei „eine ganz entscheidende Maßnahme“ zur Verringerung der Gefahr, die von einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) ausgehe, sagte er. Bei Ausbruch der von Wild- auf Hausschweine übertragbaren Seuche drohen Hausschweinehaltungen, Schlacht- und fleischverarbeitenden Betrieben im Land existenzielle wirtschaftliche Einbrüche. Der Minister appellierte erneut an die Jägerschaft, Landwirte und Naturschützer, sich ihrer Verantwortung bei der ASP zu stellen.

 

20 Prozent mehr Strecke


CDU und SPD hatten im Oktober im Landtag Landesmittel zur Bekämpfung der ASP-Gefahr und zur Reduzierung der Schwarzwildbestände gefordert. Der Antrag war auch von der Opposition unterstützt worden. Backhaus  hatte eine „Taskforce“ beauftragt, entsprechende Maßnahmen zu erarbeiten. Die Landesregierung stellt nun zwei Millionen Euro für ein auf zwei Jahre angelegtes Sofortprogramm bereit.


Eingesetzt werden die Mittel maßgeblich für den vermehrten Abschuss von Wildschweinen. „Ich erwarte, dass sich die Strecke im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre um 20 Prozent auf 80 000 Stück Wildbret erhöht“, erklärte der Minister. „Dafür schaffen wir Anreize.“ So erhalten Jäger für das Erlegen von Frischlingen mit einem Gewicht bis 25 kg und für den Abschuss von älteren Bachen, deren Frischlinge keiner Führung mehr bedürfen, 25 € Aufwandsentschädigung je Tier. Damit soll ein deutlich höherer Anteil an „Zuwachsträgern“ erreicht werden, als in der Wildbewirtschaftungsrichtlinie vorgesehen ist.


Mit 25 € je Jagdtag honoriert wird auch der Einsatz von Hundeführern mit Jagdhunden bei revier­übergreifenden Jagden. Das vom 11. Januar bis 31. Juli geltende Drückjagdverbot wird für die wirksame Bestandsreduzierung für die kommenden drei Jahre ausgesetzt. Für Einladungen durch die Forst- und Nationalparkämter an private Jäger zur Beteiligung an Drückjagden nach dem 11. Januar 2018 entfallen Standgebühren und Jagdbetriebskostenbeiträge. Aus Seuchenpräven­tionsgründen soll die Schwarzwildjagd auch in den Nationalparken und Renaturierungsgebieten intensiviert werden.


„Als Dank an die Jagdbeteiligten“ sollen in Forst- und Nationalparkämtern Frischlinge mit einem Gewicht von bis zu 25 kg aufgebrochen kostenfrei an die Erleger oder Jagdhelfer abgegeben werden. Aufgrund ihrer geringen Vitalität gelten Frischlinge als die anfälligste Altersklasse gegenüber Krankheiten. Zudem tragen Frischlingsbachen ab dem Alter von acht Monaten bereits zum Anwachsen der Population bei.


Backhaus verwies auf das von Behörden, Jägern, Land-  und Forstwirten unterzeichnete Schwarzwildpositionspapier, das bereits 2009 Maßnahmen zur Schwarzwildreduzierung zusammenfasste. Landwirte seien in der Pflicht, etwa Bejagungsschneisen anzulegen, Mais oder Raps kleinflächiger anzubauen oder Erntemaßnahmen mit der Jägerschaft abzustimmen, um Schwarzwild besser bejagen zu können.

 

„Kröte schlucken“


Beate Schlupp, artenpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, bekräftigte, dass ihre Partei alle Initiativen unterstütze, die geeignet sind, die ASP abzuwehren. Dazu zähle die von der CDU geforderte Abschussprämie und die Jagd in Schutzgebieten. Man sei sich bewusst, dass Naturschutzverbände wie NABU und BUND sich mit einigen der vorgeschlagenen Maßnahmen schwertun. „Aber ich erwarte, dass sie diese Kröte schlucken werden und nicht versuchen, sie zu retten“, so Schlupp.


Sie sei froh, dass mit dem landwirtschaftlichen Sondervermögen die Möglichkeit bestehe, Mittel für die Wildschweinbejagung in dieser angespannten Situation zur Verfügung zu stellen, sagte Elisabeth Aßmann, agrarpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion. Wichtig sei, Schwarzwild ganzjährig intensiver zu bejagen. Dabei müssten aber selbstverständlich die waidmännischen Regeln beachtet werden. „Dazu zählen Hege und Pflege, wie auch der Grundsatz, führende Leitbachen von der Bejagung auszunehmen“, so die Vorsitzende des Landtags-Agrarausschusses.

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