Mit einem guten Gefühl

23.01.2015

© Gerd Rinas

Mecklenburger demonstrierten in Berlin: Dr. Kathrin Naumann (li.), Martin Vorbeck und Dr. Heike Müller (vorn), dahinter Jörg Müller-Scheeßel und Tobias Schröder.

 

Gut, dass wir hingefahren sind. Es war höchste Zeit“. Dr. Kathrin Naumann und Martin Vorbeck vom Bützower Bauernverband waren am vorigen Samstag zur Demo „Wir machen Euch satt!“ nach Berlin gefahren. Etwa 1 000 Landwirte aus dem gesamten Bundesgebiet demonstrierten vor dem Berliner Hauptbahnhof für einen fairen Umgang mit der Landwirtschaft. Schon vorher hatte Dr. Naumann, Geschäftsführerin im Agrarbetrieb Groß Grenz, Kontakt zu den Organisatoren aufgenommen. „Ich konnte mich mit dem Anliegen der Veranstalter identifizieren. Mich stört es schon lange, dass jeder, auch ohne Sachverstand, die moderne Landwirtschaft kritisieren darf, auch wenn sich vieles als heiße Luft herausstellt.“

 

Aus diesem Grund hatte Dr. Naumann sich im vergangenen September für eine Aktion eingesetzt, bei der Landwirte auf einer Demonstration des Deutschen Tierschutzbundes am Rande der MeLa das Gespräch mit den Tierschützern suchten. „Wir haben uns gegen den Vorwurf, wir seien Tierquäler, zur Wehr gesetzt. Ich habe mich danach gut gefühlt. Ähnlich war es am Samstag nach der Demo. Ich glaube, dass es vielen Berufskollegen, die dabei waren, so ging“, sagt Dr. Naumann.

 

„Auf der MeLa waren wir hundert Landwirte. Am Samstag reisten schon tausend an. Und sie kamen aus dem ganzen Bundesgebiet“, freut sich Vorbeck. Dem Landwirt aus Jabelitz im Landkreis Rostock liegt viel an einem sachlichen Dialog mit den Kritikern. „Nicht wer am lautesten schreit hat Recht, sondern derjenige, der die überzeugendsten Argumente liefert“, gibt Vorbeck zu bedenken.

 

Ebenfalls in Berlin demonstrierten Inka Müller-Scheeßel und ihr Mann Jörg, die Landfrauenvorsitzende  Dr. Heike Müller, Tobias Schröder und Elisabeth Aßmann, beide Studenten der Agrarwirtschaft an der Hochschule Neubrandenburg. Elisabeth ist im Arbeitskreis Junglandwirte aktiv, Tobias im Vorstand des Landjugendverbandes MV. Als Müller-Scheeßel, eine der Initiatorinnen des Arbeitskreises, Elisabeth ansprach, ob sie auf der Demo zu den Berufskollegen sprechen könnte, ließ sie sich nicht lange bitten. „Ich habe zum Ausdruck gebracht, was mich bewegt. Als Ernährer der Gesellschaft unter Generalverdacht als Tierquäler, Umweltausbeuter und Landbaron zu stehen, ist nicht akzeptabel. Wir müssen sehen, wie es jetzt weitergeht“, sagt Elisabeth Aßmann.

 

„Es war ein erster Schritt. Jetzt müssen weitere folgen. Gut wäre es, wenn sich mehr Landwirte in die öffentliche Debatte einbringen würden“, findet Schröder. Auch Landesbauernpräsident Präsident Rainer Tietböhl war am Samstagmorgen vor dem Berliner Hauptbahnhof. „Die Landwirte, die sich äußerten, haben gezeigt, wer die richtigen Landwirte sind. Forke, Kiepe und Karre sind out. Wir wollen eine Landwirtschaft, die sich der Wissenschaft und modernen Technologien nicht verschließt. Wir sind zum Gespräch bereit. Wer etwas wissen will, kann gern zu uns kommen.“

 

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