Milchbauerntag des BDM in Karow

06.03.2015

© Sabine Rübensaat

Die Milcherzeuger müssen sich auf einen weitgehend unregulierten Markt auf größere Preisschwankungen einstellen.

Vertreter des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter e. V. (BDM) bekräftigten auf dem BDM-Milchbauerntag in Karow ihre Forderung nach einem effizienten Krisenmanagement für den Milchmarkt. „Marktverwerfungen müssen rechtzeitig erkannt und die Erzeuger frühzeitig gewarnt werden“, betonte BDM-Landesteamleiter Christian Karp. Nach seiner Einschätzung befinden sich die Milcherzeuger bereits „mitten in einer Milchmarktkrise: Milchpreise unter 30 Cent pro Kilogramm sind existenzbedrohend. Das ist bei vielen Berufskollegen noch nicht angekommen“, warnte Karp. Er appellierte an das Ehrenamt der berufsständischen Verbände, gemeinsam an effizienten Instrumenten zur Krisenbewältigung zu arbeiten.

 

Maßnahmen bündeln

 

Karp spielte damit auf das BDM-Konzeptpapier „Milchmarkt-Krisenmanagement“ an, das BDM-Beiratsvorsitzender Johannes Pfaller in Karow vorstellte. Darin wird vorgeschlagen, in einem „Frühwarnzeitraum“ bei einer sich abzeichnenden Milchmarktkrise Maßnahmen zur Bekämpfung zu kombinieren, so die private Lagerhaltung mit Anreizprogrammen zur Reduzierung der Anlieferungsmenge.

Einer sich verschärfenden Marktkrise soll in einer zweiten Stufe mit einem „Marktverantwortungsprogramm“ und einer allgemeinverbindlichen, zeitlich befristeten Rücknahme der Milchproduktion aller Milchviehhalter (ein bis drei Prozent für einen definierten Zeitraum) und im äußersten Fall durch staatliche Intervention begegnet werden. Finanziert werden sollen die Maßnahmen durch eine „Marktverantwortungs“-Abgabe von Milcherzeugern, die in der Krise ihre Produktion weiter erhöhen, einen EU-Krisenfonds (gespeist aus der Superabgabe und 1,3 % des Direktzahlungsvolumens) sowie einer Erzeuger-umlage, die im Nachgang bei genauer Kenntnis des Finanzbedarfs erhoben werden soll.

 

Pfaller wies darauf hin, dass das Konzept die unternehmerische Entscheidungsfreiheit der Milchproduzenten gewährleiste, keine zentrale Steuerung darstelle und der Verwaltungsaufwand überschaubar bleibe. Auch von einer Benachteiligung der Molkereien könne keine Rede sein. Bei den Marktanpassungen in Krisenzeiten handele es sich um nicht nachgefragte bzw. nur zu niedrigen Preisen vermarktbare Milchmengen. Die Kapazitätsauslastung der Molkereien sei nicht gefährdet. Das Programm führe zu „mehr Verantwortung der Milchviehhalter und einem stärker am Markt orientierten Handeln“.

 

Eine Schlüsselrolle bei dem Konzept kommt der in Brüssel eingerichteten Monitoringstelle zu, die die Märkte beobachten und analysieren, Markttrends prognostizieren und gegebenenfalls eine Frühwarnung der Erzeuger bzw. eine Marktkrise anzeigen soll.

 

Risikovorsorge stärken

 

In Karow löste das BDM-Papier unterschiedliche Reaktionen aus. Während Mitglieder und Anhänger des BDM es begrüßten, zeigten sich andere skeptisch. Es gäbe ein Überangebot an Milch, die Nachfrage schwächele, räumte Agrarminister Dr. Till Backhaus ein. Den Milcherzeugern drohe bundesweit Superabgabe in dreistelliger Millionenhöhe. Im Unterschied zu anderen Wirtschaftsbranchen habe die Landwirtschaft zur Krisenbewältigung aber bereits einkommensstabilisierende Instrumente und Direktzahlungen. Die Erzeuger müssten sich auf einen weitgehend unregulierten Markt auf größere Preisschwankungen einstellen und die eigene Risikovorsorge verstärken. Von fünf Erzeugerorganisationen im Land haben sich vier zusammengeschlossen.  „Das ist der richtige Weg, mehr Marktmacht zu gewinnen“, bekräftigte Backhaus.

 

Dr. Thomas Schmidt aus dem Bundesagrarministerium informierte über das „Dairy Margin Protection Programm“, ein staatlich gestütztes Margenversicherungsprogramm in den USA. Damit können Milcherzeuger einen variablen Teil des Milchpreises bei Zahlung eines Beitrages absichern. Andreas Gorn, Marktexperte Milchwirtschaft bei AMI, analysierte das globale Milchaufkommen 2014 und den Preisverfall als Folge des Überangebots. Derzeitige „Bremsmanöver“ würden nicht ausreichen, die „höchste Überlieferung in der Geschichte der Milchquote“ zu verhindern. Für das erste Quartal rechnet der Experte mit einem „gedämpften Milchaufkommen“, danach mit einem „dynamischen Anstieg“. Bei den Auszahlungspreisen seien für Februar noch leichte Abschläge zu erwarten, bis April durchschnittlich unter 30 ct/kg Milch  wahrscheinlich, weitere Vorhersagen schwierig.

 

Dr. Rüdiger Fuhrmann, Leiter Agrar-Banking bei der Nord/LB, wies darauf hin, dass Milcherzeuger seit Einführung des Börsenmodells 1,8 Mrd. € für Milchquotenrechte ausgegeben hätten. Rechne man die Kosten für die Superabgabe hinzu, gingen dafür 0,5 ct/kg produzierte Milch drauf. Fuhrmann erläuterte, wie die Bank die Finanzierung der Milchproduktion nach dem Auslaufen der Quote gestalten will. Er wies auf die Gefahr steigender Zinslasten bei sich ändernden Rahmenbedingungen an den Finanzmärkten hin. Auch bei längerfristig steigenden Erlösen sei mit höheren Kosten zu rechnen. „Das Liquiditäts- und Preisrisikomanagement gwinnt an Bedeutung“, betonte Fuhrmann.

 

Einig waren sich die Landwirte in Karow darin, „Preistransparenz“ zu schaffen.  „Ich will wissen, was ich nächstes Jahr für meine Milch kriege. Unser Bestreben muss es sein, die Preise abzusichern“, brachte Dirk Huhne, Geschäftsführer des Gutes Parchim, die Forderungen auf den Punkt.

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