MeLa 2018: Bauerntag

11.09.2018

© Gerd Rinas

Auf dem MeLa-Bauerntag 2017: Besucher verfolgen die Diskussion auf dem Podium über nicht erfüllte Umweltanforderungen und die Zukunft der EU-Direktzahlungen.

Am Freitag, dem 14. September, um 10 Uhr lädt der traditionell für alle MeLa-Besucher offene Bauerntag im Festzelt zum agrarpolitischen Diskurs ein. Thema ist in diesem Jahr „Landwirtschaft im Spannungsfeld zwischen Umweltverantwortung und Wirtschaftlichkeit“. Als Gastgeber hat der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern spannende Gäste aus der Bundes- und Landespolitik zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, die vielleicht gegensätzlicher nicht sein könnten. 

 

Grüne und liberale Positionen

 

Für Mecklenburger und Vorpommern dürfte Claudia Müller kein unbekanntes Gesicht sein. Die geborene Rostockerin ist im vergangenen Jahr als Spitzenkandidatin aus dem Land für Bündnis 90/Die Grünen in den Bundestag eingezogen, zuvor war sie viele Jahre Landeschefin ihrer Partei. Jetzt ist sie Mittelstandsbeauftragte und Sprecherin für maritime Wirtschaft der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Hier in Mecklenburg-Vorpommern kämpfen die Grünen für Forderungen wie die Halbierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes innerhalb der nächsten fünf Jahre und stehen für ein „grundsätzliches Umdenken“ in der Landwirtschaft.Ganz im Gegensatz dazu hat sich Dr. Gero Hocker, der mit der Bundestagswahl 2017 in die FDP-Fraktion eingezogen ist, einen Namen unter Landnutzern gemacht, denn es gibt nur wenige Bundespolitiker, die sich so offensiv für Fischer und Angler, Jäger und Landwirte einsetzen. Der „lodengrüne“ Liberale fiel politisch auf, als er im Bundestag forderte, dass Vereinen die Gemeinnützigkeit aberkannt werden solle, wenn sie straffällig werden. Für die Organisation PETA und andere Vereine, die sich offen zu Stalleinbrüchen bekennen, brachte er diese Forderung  immer wieder ins Spiel. Des Weiteren will er für Landwirte eine steuerfreie Risikorücklage, ein offensives Wolfsmanagement und die Anerkennung der Naturschutzleistungen, die auch von Naturnutzern erbracht werden. Zum Thema „Genschere“ (Genome Editing) hat er eine klare Meinung: „Ich glaube, dass der Fehler ist, dass am Ende nicht das Produkt, sondern der Prozess bewertet werden soll. Das Produkt ist identisch, und es ist auch in aufwendigen Verfahren kaum möglich nachzuweisen, wie diese, ich nenne es jetzt mal Mutation zustande gekommen ist, ob das durch konventionelle Züchtung erfolgt ist oder durch CRISPR und durch Genome Editing“, so Hocker.

 

Wie weiter in der EU-Agrarpolitik?

 

Neben diesen beiden Bundespolitik-Newcomern wird es natürlich auch Altbewährtes geben: Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus wird die Diskussion mit dem Bauernpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern, Detlef Kurreck, flankieren. Man darf erwarten, dass die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) in der EU nach 2020 ein Kernthema der Debatte wird, immerhin nutzte Backhaus die Extremwetterbedingungen des Sommers, um für seine Vorschläge zur Neuausrichtung der GAP (siehe auch Bauernzeitung 2/2018, S. 10/11, Nord) zu werben. Er fordert ebenfalls ein Umdenken: „Nach dieser dritten klimatisch bedingten Missernte muss zwingend der Weg in eine dem Klimawandel angepasste Landbewirtschaftung eingeschlagen werden. Dazu gehört die Züchtung neuer Sorten ebenso wie eine andere Art der Bewirtschaftung. Stichworte dafür sind Vielfalt im Anbau und Honorierung ökologischer Leistungen.“

 

Umwelt- statt Marktorientierung?

 

Die derzeit kritische Situation vieler Landwirtschaftsbetriebe zeige, dass die bislang lediglich auf die Einkommenswirkung ausgerichteten EU-Direktzahlungen umweltpolitisch in eine Sackgasse führten. „Der Marktorientierung muss zwingend eine Umweltorientierung entgegengesetzt werden“, erklärte Backhaus. Angesichts andauernder Witterungsextreme erfordere das Umdenken in der landwirtschaftlichen Produktion auch ein Umdenken bei der Agrarförderung aus der GAP.Detlef Kurreck vertritt hingegen die Meinung, dass nur ökonomisch gesunde Betriebe die Ressourcen haben, um sich über Naturschutz und Artenvielfalt tiefgründig Gedanken machen zu können. „Der Schutz unseres Lebens- und Wirtschaftsraums steht für uns an erster Stelle, aber wir brauchen auch sichere Einkommensmöglichkeiten.“

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