MeLa 2014: Strukturwandel nicht aufzuhalten?

10.09.2014

© Sabine Rübensaat

Gesellschaft und Landwirtschaft müssen sich wieder einander annähern.

Die Diskrepanz zwischen gesellschaftlichen Ansprüchen und wirtschaftlicher Realität sowie der Wahrnehmung des Bemühens der Landwirte um Nachhaltigkeit klafft immer stärker auseinander“, sagt Martin Piehl, Hauptgeschäftsführer des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Deshalb soll das Thema „Landwirtschaft zwischen Politik, Umwelt, Gesellschaft und Markt“ die Bauern und Gäste auf dem öffentlichen MeLa-Bauerntag in Mühlengeez beschäftigen.

In den vergangenen Jahren hat sich die Gesellschaft von der Landwirtschaft entfremdet. Auch die Werte in der Gesellschaft verändern sich. Nicht jede Entwicklung in der Landwirtschaft möchte die Gesellschaft mittragen. Im politischen Alltag sind die Debatten längst angekommen. Sie schlagen sich in der Gesetzgebung nieder, wie zum Beispiel der Änderung des Tierschutzgesetzes und im neuen Arzneimittelgesetz. Problematisch für die Landwirte sei, dass sich gesellschaftliche Werte schneller änderten als landwirtschaftliche Betriebskonzepte, meint Martin Piehl. „Seit fünf bis zehn Jahren spielen ethische Aspekte in der Tierhaltung eine zunehmende Rolle. Investitionen der Tierhalter sind aber mindestens auf 30 Jahre angelegt.“

Doch mehr Tierwohl, wie von der Gesellschaft gefordert, sei eben nicht zum Nulltarif zu haben, stellt Dr. Albert Hortmann-Scholten klar. Der Wissenschaftler von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wird auf dem MeLa-Bauerntag über die Zukunft der Tierhaltung in Deutschland sprechen. Die aktuellen Diskussionen sind laut Hortmann-Scholten ein Luxusproblem der Deutschen. „Wir gehen im weltweiten Vergleich kostenträchtige Sonderwege.“

Der Leiter des Fachbereichs Betriebswirtschaft beobachtet seit Langem die landwirtschaftlichen Märkte. Die Globalisierung habe in Deutschland einen Strukturwandel in Gang gesetzt. „Damit ein Familienunternehmen künftig überhaupt bestehen kann, muss es immer weiter wachsen“, prognostiziert der Experte. „Wir werden diese Entwicklung nicht aufhalten können.“ Die fortschreitende Globalisierung – auch das transatlantische Freihandelsabkommen wird kommen, ist der Fachmann überzeugt – wird den Strukturwandel beschleunigen. Nach Ansicht des Wissenschaftlers tragen sogar die grünen Landwirtschaftsminister dazu bei, dass kleinere Betrieb aufgeben müssen – mit ihren Auflagenfluten.

Die Entwicklung hin zu immer größeren Betrieben ist genau das, was die deutsche Gesellschaft anscheinend nicht möchte: Ein Widerspruch, für den es derzeit keine Lösung gibt.

Ein Ansatz könnte die Initiative Tierwohl sein – in den Augen von Hortmann-Scholten ein richtiger Schritt angesichts der gesellschaftlichen Kritik an der intensiven Tierhaltung. Nur müsse das Mehr an Haltungskomfort, das über gesetzliche Bestimmungen hinausgeht, auch dem Landwirt bezahlt werden. Ansonsten sieht er für gesellschaftliche Wünsche kaum Spielraum. Die Rentabilität vieler tierhaltender Betriebe sei aufgrund sinkender Margen und hoher Futterkosten gefährdet. Welche Auswirkungen die gesellschaftliche Debatte um mehr Tierwohl haben kann, erläutert er am Beispiel Schweden. Mittlerweile sei die Eigenversorgung des Landes mit Schweinefleisch auf 70 Prozent gesunken.

Für Rainer Tietböhl, Präsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern, ist es daher wichtig, mit den Bürgerinitiativen gegen Stallneubauten und den Umweltverbänden im Gespräch zu bleiben. Ein erstes Treffen hat es auf Initiative des Präsidenten im Frühjahr gegeben.

Die Gesprächspartner sind nun eingeladen, am MeLa-Bauerntag teilzunehmen. Mecklenburg-Vorpommern brauche die Möglichkeit, in neue, moderne Ställe zu investieren. Dies seien auch Investitionen in mehr Tierwohl, betont Rainer Tietböhl.

Am Vortag des Bauerntages wird es in Regie der „BauernZeitung“ auf der MeLa zudem ein Forum geben. Bauernverband, Schweinehalter und Tierschutzbund werden dort über die Tierhaltung diskutieren. „Wir müssen immer wieder betonen, dass wir Nutz- und keine Kuscheltiere halten und damit auch unser Einkommen verdienen“, sagt Rainer Tietböhl.

Der Bauernpräsident möchte auf dem Bauerntag auch die Gelegenheit nutzen, um andere Themen anzusprechen, die ihm am Herzen liegen wie die Gemeinsame Agrarpolitik in der EU mit dem Greening und die Düngemittelverordnung. Er hofft in Mühlengeez auf gute Streitgespräche mit Politik und Verwaltung und auf großes öffentliches Interesse am MeLa-Bauerntag am Freitag, 12. September, um 10 Uhr im Festzelt.

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