LMS-Agrarberatung

08.03.2017

© Heike Mildner

Etwa 200 Landwirte und Gäste hörten in Linstow die Vorträge der zentralen Veranstaltung. Am Nachmittag teilten sich „Tier und Pflanze“ auf.

Vielleicht wollte es mancher im Saal gar nicht so genau wissen: Zwischen der Entwicklung der Börsenmärkte und Kriegs- und Friedenszeiten gibt es einen eindeutigen Zusammenhang. Neu ist das nicht. Aber die zu Kriegszeiten nahezu parallel aufsteigenden Kurven der Rohstoff- und Agrarmärkte in der Gesamtschau der vergangenen 200 Jahre (CRB-Index von 1803 bis 2005) zu verfolgen, ist doch noch etwas anderes. Sind wir doch nach den Kurvenbergen des Ersten und Zweiten Weltkriegs und denen des Kalten Krieges an dem gerade sich erhebenden mit der Überschrift „War on Terror“ irgendwie ja doch direkt oder indirekt beteiligt. Der „Börsenbauer“ – ein Begriff, den sich Johann Schmalhofer aus dem bayerischen Taimering nach Auftritten in den Mainstream-Medien markenrechtlich schützen ließ –, referierte zum Thema „Marktorientierung einmal anders – technische Analyse der Agrarmärkte (USA, Europa, BRD)“. Die technische Analyse der Börsenkurse versucht, anhand der Charts, also der Börsendiagramme, langfristige Trends auszumachen und Prognosen abzugeben. Schmalhofers Motivation: „Wie denkt jemand, der das große Geld hat und die Märkte beeinflusst.“ Sein Resümee nach vielen Hochs und Tiefs bei Weizen, Mais, Rind und Schwein, nach Erläuterungen zu Intermarket-Analyse und Stochastik-Indikator: Beim Mais gehe es 2016/17 aufwärts, 2019 wieder abwärts, der Raps habe alle fünf Jahre ein Tief, nach 2014 sei das nächste 2019 zu erwarten etc. Allerdings: „Wenn der Markt logisch wäre, gäbe es keine Gewinner und Verlierer.“ Der Markt sei logisch, wenn er nicht logisch sei. Weiter tragende Erkenntnisse konnte auch Moderator Dr. Jörg Brüggemann dem Börsenbauern nicht entlocken.

 

313 % mehr für Boden


Bevor sich die Vertreter von Marktfrucht- und Rinder haltenden Betrieben in Fachforen aufteilten, bekamen sie spartenübergreifende Hinweise zum Thema „Hohe Pachten – kleine Gewinne! Wie viel ist noch bezahlbar?“ von Dr. Stefan Weber, Fachkoordinator Betriebswirtschaft/Rind der LMS Agrarberatung. Der konnte auf Grundlage der Auswertung von Betriebszweiganalysen (BZA) der Betriebe, die durch die LMS beraten werden, faktenreich argumentieren, wo die Schmerzgrenzen bei Pacht und Kauf liegen, wo sich Landwirte überschätzen und was sie bei ihren Planungen berücksichtigen sollten.


Während in den alten Bundesländern die durchschnittlichen Hektarpreise von 16 394 € (2007) auf 29 911 € (2015),  also um 82,5 % gestiegen sind, explodierten sie in MV um 313,6 % (von 4 862 € in 2007 auf 20 107 € in 2015). Die durchschnittliche Preisentwicklung lag in allen neuen Bundesländern bei durchschnittlich 240,3 %.

 

Mittelmaß reicht nicht


So lag das höchste Pachtpreisgebot für einen Hektar Ackerland (AZ 54) im Landkreis Rostock bei 886 € (Durchschnitt im Landkreis 554 €), das höchste Kaufpreisgebot bei 43.330 € (AZ 43, Durchschnitt im Landkreis 27 908 €). Im Landkreis Nordwest-Mecklenburg lagen die Spitzen mit 907 € und 40 904 € bei durchschnittlich 600 € bzw. 28 976 € sogar noch höher. Können solche Preise wirklich noch erwirtschaftet werden? Wie hoch die Maximalpacht für einen Betrieb ausfallen darf, sagt die sogenannte Grundrente. Sie sollte erwirtschaftet werden können, ohne dass die Flächenprämie einbezogen wird, so Weber.  Im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre liege sie zum Beispiel im Marktfruchtbereich bei 68 € im gesamten Arbeitskreis der LMS und bei 286 € bei den 25 % der wirtschaftlich erfolgreichsten Betriebe;  im Bereich der Milchproduktion bei 58 €, bei den 25 % erfolgreichen Betrieben bei 692 €. Dazwischen liegen Welten, in die Stefan Weber in seinem Vortrag tief eintauchte. Klar wurde: Viele Betriebe kalkulieren bei ihren Pacht- und Kaufpreisangeboten  mit der EU-Flächenprämie. Doch die könne sich nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU durchaus verringern und sei spätestens nach 2020 keine verlässliche Größe mehr, gab Weber zu bedenken.


Berthold Majerus, Geschäftsführer der LMS-Agrarberatung, hatte in seiner Begrüßung moniert: „In einem Land, in dem die Produktion von Lebensmitteln nicht mehr gewürdigt, sondern mit grenzwertigen Reimversuchen bedacht wird, sind elementare Relationen verschoben worden.“ Und am Ende bleibt der Gedanke, dass diese Verschiebungen auch Resultate jener Verschiebungen sind, die an der Börse und auf dem Bodenmarkt vor sich gehen.

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