Landwirtschaft zum Anfassen

13.07.2015

© Claudia Schalla

Marco Gemballa erklärt den Kindern, welche Leistung moderne Landtechnik vollbringt.

Milch, Joghurt, Butter, Käse, Quark, Cornflakes? Nein, Cornflakes nicht. Da kommt Milch nur obendrauf.“ Eine Gruppe Jungen und Mädchen zählt am Rand einer Weide auf, welche Lebensmittel aus Kuhmilch hergestellt werden. Vor ihnen eine bunt gemischte Herde. Neu ist der Anblick für sie nicht. Alle leben in Dörfern. Und doch haben sie Fragen: „Muss bei der Geburt eines Kälbchens jemand helfen?“ Und: „Wie viele Liter Wasser trinkt eine Kuh pro Tag?“

18 Drittklässler der Grundschule Spantekow haben ihren Unterricht ins wenige Kilometer entfernte Zinzow verlegt. Marco Gemballa, Landwirt und Vizepräsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern, hat sie in die Agrargenossenschaft eingeladen. Hier gibt es viel zu sehen und zu lernen. Auch Imker Norbert Müller ist mit einer Station dabei, bereits zum dritten Mal. Anhand eines Schaukastens erklärt er das Leben der Bienen. „Ich finde diese Aktion gut. Die Kinder hören zu und sind interessiert“, sagt er. Nur eines wundert ihn. Als er erzählen will, wie viele Eier eine Bienenkönigin pro Tag legt, möchte er zuvor wissen, warum ein Huhn so etwas macht. Nur ein Kind kann antworten. „Obwohl die alle auf dem Land leben“, schüttelt Müller den Kopf. Genau dafür sei so ein Tag da, meint Landwirt Gemballa. Immer weniger Menschen hätten Kontakt zur Landwirtschaft – auch wenn sie auf dem Dorf wohnen. Jürgen Adomeit, der auf dem Feld erklärt, was aus Gerste, Zuckerrüben, Weizen und Mais hergestellt wird, sagt: „Wir wollen Allgemeinwissen vermitteln und zeigen, dass unsere Lebensmittel auf dem Feld, auf der Weide und im Stall ihren Ursprung haben und nicht im Supermarkt.“ Pure Begeisterung kommt bei Jungen und Mädchen auf, als sie den imposanten Mähdrescher erklimmen. Zu hören, dass der größte Traktor in Zinzow so stark wie 500 Pferde ist, bringt sie zum Staunen. Die Kinder erfahren, wie wichtig es ist, Getreide mit Pflanzenschutz zu behandeln, um gesunde Körner zu ernten und dass moderne Technik eine große Arbeitserleichterung ist. 500 Menschen müssten in Zinzow Unkraut hacken, wenn es die Pflanzenschutzspritze nicht gäbe.

Klassenlehrerin Anke Winkelmann findet den Unterricht zum Anfassen „große Klasse“. „Die Kinder verstehen die Landwirtschaft viel besser, wenn sie dabei sind. Es ist wirklich toll. Wir haben ganz viel gelernt“, bedankt sie sich bei Marco Gemballa.

Der ist auch zufrieden. „War anstrengend, aber schön.“ Unterstützt hat ihn der Bauernverband Ostvorpommern. Gemballa wünscht sich, dass noch mehr Betriebe in der Region Möglichkeiten für Schüler bieten, Landwirtschaft zu erleben. Er hofft natürlich auch, dass er bei einigen Kindern das Interesse an der Landwirtschaft wecken konnte.

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