Landesgewässerschau: Für mehr Verständnis geworben

11.07.2014

© Toralf Tiedke

Im Gespräch: Udo Heinzelmann (Wasser- und Bodenverband Landgraben, 2. v. l.), Landesverbandsvorsteher Michael Constien (3. v. l.) sowie Agrar- und Umweltminister Dr. Till Backhaus.

Wie Adern durchziehen viele Gewässer das Land. Sie ermöglichen für jedes Grundstück eine ausreichende Entwässerungsfunktion, die für das Leben und Arbeiten in unserer Kulturlandschaft notwendig ist. Dass dies so bleibt, mögliche Schwachstellen entdeckt und im Rahmen der Gewässerunterhaltung behoben werden, dafür gibt es die Gewässerschauen, die regelmäßig von den regionalen Verbänden an den Verbandsgewässern veranstaltet werden.

Auswirkungen des Krautaufwuchses

Die erste Landesgewässerschau, zu der kürzlich der Wasser- und Bodenverband Landgraben und der Landesverband der Wasser- und Bodenverbände eingeladen hatten, verfolgte noch andere Ziele. Die Schau diente vor allem dazu, Verständnis für die Aufgaben und Zwänge aller mit der Wasserwirtschaft befassten Institutionen zu wecken und Probleme in der täglichen Praxis einmal außerhalb des Protokolls offen anzusprechen. Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus hatte eine solche Schau vorgeschlagen. Mit seiner Teilnahme zeigte er, dass ihm die verbandlich organisierte Wasserwirtschaft unseres Landes am Herzen liegt.

In der Datzeniederung westlich von Friedland waren die Auswirkungen des jährlichen Krautaufwuchses in einem Fließgewässer durch den verursachten Rückstau gut zu erkennen. Eine Einschränkung der regelmäßigen vorflutsichernden Gewässerunterhaltung oder eine den Wasserstand anhebende Gewässerentwicklung würde die Nutzung des anliegenden Grünlands negativ beeinflussen.

Biber schon an über 700 Standorten

Ebenso wie in der Datzeniederung war an der nächsten Station der Gewässerschau, dem Schöpfwerk Sandhagen mit dem Faulen Graben und dem Landgraben sowie dem Polder Grenztal mit seinem landwirtschaftlichen Schutzdeich, die stetig wachsende Biberpopulation Diskussionsschwerpunkt. Dem Deich, der den Polder Grenztal schützt, hatten Biber einen solchen Schaden zugefügt, dass er mit einem Aufwand von zirka 40 000 € repariert werden musste. Diese Summe muss letztendlich der Beitragszahler aufbringen.

Während der Diskussion in den Räumen der Agrar GmbH & Co. KG Sandhagen sprach Michael Constien, Vorsteher des Landesverbandes der Wasser- und Bodenverbände Mecklenburg-Vorpommern, das Biberproblem an. Er verdeutlichte die zunehmende Aktivität der Tiere an den Bachläufen anhand von Zahlen. Im Jahre 2010 wurden Biber an 379 Standorten festgestellt. Für die betroffenen fünf Wasser- und Bodenverbände führten die Bauaktivitäten der Tiere zu einem zusätzlichen Unterhaltungsaufwand in Höhe von etwa 55 000 €. Im vorigen Jahr wurden Biber schon an 713 Standorten registriert. 16 Verbänden entstanden Zusatzkosten in Höhe von über 210 000 €. Nicht nur über den Umgang mit dem Biber, sondern insgesamt über die Kosten, die der Umgang mit geschützten Arten verursache, müsse es eine Diskussion mit vertretbaren Ergebnissen für alle Beteiligten geben.

Management nötig – Finanzierung offen

Minister Backhaus lobte die Arbeit der Verbände und warb um gegenseitiges Verständnis. Die Mitgliedsländer der Europäischen Gemeinschaft hätten sich verpflichtet, die EU-Richtlinien umzusetzen. Dazu gehörten die Wasserrahmenrichtlinie ebenso wie die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Danach sei der Biber neben vielen anderen Pflanzen und Tieren besonders geschützt. Mecklenburg-Vorpommern würde seine Pflicht erfüllen, um finanzielle Anlastungen durch die EU-Kommission zu vermeiden. Auch Backhaus erachtet ein Bibermanagement für notwendig, die Finanzierung ist aber noch vollkommen offen.

Zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie gebe es einen großen Flächenbedarf, sagte der Minister. Ein Teil davon soll mit BVVG-Flächen gedeckt werden. Gleichzeitig sieht Backhaus die Kommunen in der Pflicht: Zum einen nehmen die Wasser- und Bodenverbände mit der Gewässerentwicklung eine Aufgabe der Daseinsvorsorge wahr, die ansonsten den Kommunen obliegen würde. Zum anderen sind die Kommunen verantwortlich für den Gewässerausbau, den das Land und die EU finanziell erheblich unterstützen. Nicht jedes Gewässer könne die Anforderungen der Wasserrahmenrichtlinie erfüllen. „So wie nicht jede Stauanlage ausgebaut werden kann, kann nicht jeder verrohrte Gewässerabschnitt geöffnet werden. Es ist unsere Aufgabe der nachfolgenden Generation ein funktionierendes Be- und Entwässerungssystem zu hinterlassen, das den Wasserabfluss genauso absichern kann wie die Rückhaltung“, unterstrich Minister Backhaus vor den über 60 Teilnehmern der Gewässerschau.

Die neuen Förderrichtlinien zur Verwendung der EU-Gelder sollen zusammen mit Praktikern erarbeitet werden. Angesprochen auf die vielen verrohrten Gewässerabschnitte, kündigte Backhaus an, dass er dieses Problem mit Innenminister Lorenz Caffier besprechen werde. Letztendlich müsse die betroffene Kommune aber selbst ihren vordringlichen Finanzbedarf anmelden.

Letztes Schauobjekt waren mehrere umgestaltete Abschnitte des Golmer Mühlbachs. Mit bislang 1,7 Mio. € waren hier Entrohrungen und Laufverlängerungen, Fischaufstiege und Bepflanzungen vorgenommen worden. Erst 2020 sollen die Maßnahmen gänzlich abgeschlossen sein.

Minister Backhaus begrüßte die Bereitschaft der Verbände, sich auch dem Gewässerausbau zu stellen. Mit Landesverbandsvorsteher Constien bedankte er sich bei allen, die bei der Vorbereitung der ersten Landesgewässerschau geholfen hatten, vor allem bei dem ehrenamtlichen Verbandsvorsteher Udo Heinzelmann und seiner Geschäftsführerin Irene Kalinin vom Wasser- und Bodenverband Landgraben für die hervorragende Organisation.

„Es war eine gelungene Schau. Die Probleme wurden offen angesprochen, dass gleich eine Lösung parat liegt, war nicht zu erwarten. Wir haben gezeigt, dass unsere Verbände landesweit Gutes tun. Jetzt reden wir auch darüber und zeigen, wie wichtig unsere Arbeit ist“, zog Michael Constien ein Fazit. Im nächsten Jahr soll die zweite Landesgewässerschau folgen.

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