Lage „ernst, aber nicht hoffnungslos“

25.07.2018

© Gerd Rinas

Nahe Bützow war am Donnerstag voriger Woche der Rapsdrusch in vollem Gange. Nach ersten Schätzungen liegen die Erträge bei der Ölfrucht landesweit wegen der Trockenheit nur zwischen 15 und 35 dt/ha.

Das aktuelle Dürregeschehen hat zum Teil existenzbedrohende Auswirkungen. „Die Betroffenheit ist nach den regionalen Witterungs- und Standortbedingungen unterschiedlich groß.  Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos!“, schätzte Agrarminister Till Backhaus in der vorigen Woche die Situation der Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern ein. 

 

„Die Ernte der Wintergerste ist abgeschlossen, wir haben erhebliche Mindererträge von bis zu 50 %. Damit sind Mindererlöse von rund 47 Mio. Euro verbunden“, so der Minister. Die ersten Ergebnisse bei weiteren Mähdruschfrüchten deuteten darauf hin, „dass die Verluste noch höher ausfallen werden als befürchtet“. Die Erträge bei Raps liegen demnach nur zwischen 15 und 35 und bei Winterweizen zwischen 35 und 60 dt/ha. Außerdem sei abzusehen, dass der 2. und. 3. Schnitt auf dem Grünland ausfällt. Das gefährde die Futterversorgung in den viehhaltenden Betrieben.

 

Das gesamte Schadensausmaß könne erst nach Abschluss der Ernte bewertet werden. „Deshalb sind uns bei finanziellen Hilfen zum  Schadensausgleich auch noch die Hände gebunden“, so Backhaus. Sollte sich im Ernteverlauf abzeichnen, dass aufgrund widriger Witterungsverhältnisse bei einer erheblichen Anzahl von Betrieben das gesamtbetriebliche Einkommen um mehr als 30 % im Vergleich zum Drei-Jahresdurchschnitt der vergangenen fünf Jahre sinkt, seien Hilfsmaßnahmen zum Schadensausgleich möglich. Die benötigten finanziellen Mittel müssten aus dem Landeshaushalt bereitgestellt werden. 

 

Backhaus wies darauf hin, dass er bereits frühzeitig die Arbeitsgruppe „Dürre“ einberufen habe, die sich ständig mit dem Erntegeschehen und den -ergebnissen beschäftigt. Darin eingebunden seien Vertreter aus dem Agrarministerium, der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei, der LMS Agrarberatung GmbH und des Bauernverbandes.„Wir nehmen die Situation sehr ernst und setzen alles daran, den betroffenen Landwirten zu helfen“, sagte Backhaus und verwies darauf, dass das Agrarministe­rium bereits eine Reihe unterstützender Maßnahmen eingeleitet habe. 

 

So würden für die landwirtschaftlichen Flächen in Landesbesitz auf Antrag Pachten gestundet. Gleiches gelte für fällige Steuerzahlungen. „Außerdem bieten wir den Landwirten den zeitweisen Flächenankauf durch die Landgesellschaft an. Damit wollen wir den Betrieben zu Liquidität verhelfen“, so Backhaus. Sie hätten dann die Möglichkeit, die Flächen innerhalb von sechs Jahren zu gleichen Konditionen von der Landgesellschaft zurückzukaufen.

 

Auch seien die ökologischen Vorrangflächen für Mahd und Beweidung freigegeben worden, um die viehhaltenden Betriebe zu unterstützen. „Wir haben außerdem bereits die Banken zu uns an den Tisch geholt und um ihre Unterstützung für die betroffenen Betriebe geworben“, ergänzte der Minister und appellierte auch an den Bauernverband und die Landwirte im Land, sich mit den betroffenen Betrieben solidarisch zu zeigen und diese zum Beispiel bei der Futterversorgung zu unterstützen.  

 

„Ich sehe aber auch weiterhin den Bund in der Pflicht“, betonte der Minister und verwies auf die beim Treffen der Agrarminister von Bund und Ländern am 10. Juli in Brüssel erteilte Zusage aus dem Bundesagrarministerium, noch bis Ende Juli die zuständigen Abteilungsleiter aus den Agrarministerien der Länder zu einer Beratung einzuladen. Dort sollen sowohl die Auswirkungen der Dürre im Norden als auch des Starkregens im Süden ausgewertet und Maßnahmen erörtert werden. „Mecklenburg-Vorpommern wird vor allem dafür eintreten, dass sich der Bund auch finanziell an der Bewältigung der dritten schlechten Ernte in Folge beteiligt“, so Backhaus.

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