„Kuh-TV“ online

08.02.2016

© Gerd Rinas

Gastgeber von „Kuh-TV“: Philipp und Bernard Kowolik von der Peeneland Agrar GmbH.

Schwarzbunte und rotbunte Kühe beim Fressen, beim Wiederkäuen, auf dem Weg zum Melken und zurück –  all das können Interessenten jetzt rund um die Uhr im Internet-„Kuh-TV“ unter www.bauernverband-mv.de verfolgen. Wer es spannender will, bitteschön, auch der kann hoffen, auf seine Kosten zu kommen.

 

Jeder kann zuschauen


„Als wir die Webcam im Stall ­installierten, haben wir überlegt, welche Kuhgruppe wir in den ­Fokus rücken“, sagt Philipp Kowolik. „Wir haben uns für eine Gruppe entschieden, in der ein Bulle mitläuft. Dennoch wird die Sendung nicht erst für Zuschauer ab 16 Jahren freigegeben und nicht erst ab 22 Uhr übertragen“, lacht der 32-Jährige, der zusammen mit seinem Vater Bernard die Geschäfte der Peeneland Agrar GmbH Hohendorf bei Wolgast führt.


Aus einem der modernen Milchviehställe des Unternehmens in Zarnitz sendet seit Dienstag voriger Woche „Kuh-TV“ rund um die Uhr. Die Webcam, die die Bilder überträgt, hat der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung gestellt. „Es geht uns um Transparenz. Jeder kann hier zuschauen, wie es im Kuhstall zugeht“, sagte Landesbauernpräsident Rainer Tietböhl in Zarnitz. Über die Tierhaltung wird in der Öffentlichkeit diskutiert. „Kontrovers und oft sehr emotional. Wir wollen zu mehr Sachlichkeit kommen und liefern Fakten“, so Tietböhl.


Die Kamera kommt nicht zum ersten Mal zum Einsatz: Fast zwölf Monate lang, von Januar bis zum 15. Dezember 2015, sendete sie für „Schweine-TV“ Bilder aus einem Schweinemaststall der Kühling GbR in Zemmin, ebenfalls im Landkreis Vorpommern-Greifswald. „Wir wollen die Tierhaltung für die Verbraucher anschaulich machen. Mit den Bildern aus dem Schweinestall ist das gelungen.  Obwohl die Bilder nicht gerade spektakulär waren, ist Schweine-TV pro Tag im Schnitt 70 Mal angeklickt worden, insgesamt 25 000 Mal“, so Tietböhl. Bernard und Philipp Kowolik sind zuversichtlich, dass auch „Kuh-TV“ auf reges Interesse stoßen wird und nicht (nur) wegen des Bullen, der in der Kuhgruppe mitläuft, so der Juniorchef.


„Vor fünf Jahren standen wir vor der Frage, ob wir unsere 230 Milchkühe aufgeben oder richtig in die Milchviehhaltung investieren sollten. Wir haben uns für die Tiere entschieden, den Bestand auf 1 000 melkende Kühe aufgestockt, einen 50er Außenmelker-Melkstand angeschafft und vier neue Ställe gebaut“, berichtet Bernard Kowolik. Bei der Bestandsaufstockung habe nicht die in Aussicht stehende Milchproduktion den Ausschlag gegeben, sondern die Mitarbeiter. „Es ging darum, Arbeitsplätze zu schaffen, die ein auskömmliches Einkommen sicherten, so der Geschäftsführer.


Nach Recherche in mehreren Ländern entschieden sich die Landwirte für eine hierzulande bisher einmalige Bauweise: Mit ihren  halbrunden Dächer aus Kunststoff ähneln die Ställe großen Zelten. Sie lassen viel frische Luft ins Innere, die Tiere haben viel Platz. „Ein hochmoderner Stall“, sagte Bauernverbands-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Piehl. In vielen anderen Milchviehställen im Land seien die Haltungsbedingungen mittlerweile indes ähnlich: „Anbindehaltung gibt es nicht mehr, die Tiere können sich frei bewegen.“


Trotz sehr guter Haltungsbedingungen, hoher Milchleistung und -qualität bringen die Erlöse aus der Milchproduktion auch in Zarnitz keinen Gewinn mehr. „Wir liefern an DMK, zurzeit erhalten wir 25 Cent pro Kilogramm Milch“, sagte Bernard Kowolik.

 

Klare Forderungen


„Keiner weiß, wie lange es so weiter geht. Noch ist kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen“, schätzte Rainer Tietböhl in Zarnitz ein.  „Wir brauchen klare vertragliche Regelungen zu Milchmenge und -preis.  Verträge sollten maximal ein Jahr Laufzeit haben“, so Tietböhl. Er bekräftigte seine Forderung, das Genossenschaftsgesetz zu überarbeiten und die Satzung der Molkereigenossenschaft zu ändern. „Eine Abnahmeverpflichtung für die Milch nutzt uns Milchbauern bei einem Preis von 26 Cent nichts. Deshalb muss die Verpflichtung in der jetzigen Fassung aus der Satzung gestrichen werden“, so Tietböhl. Der Grundsatz der Andienungspflicht in der Molkereigenossenschaft müsse Bestand haben, die Kündigungsfrist aber auf maximal sechs Monate reduziert werden.

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