Kohlhernie auf dem Vormarsch

31.07.2017

© Jana Peters

Rapswurzel mit Wucherungen.

In den letzten zehn Jahren hat sich in Mecklenburg-Vorpommern die Anzahl der kohlhernieverseuchten Flächen mehr als verfünffacht. Hochrechnungen stufen den Anteil kohlhernieresistenter Sorten auf ca. 45 % des gesamten Anbauumfangs ein. Dies bestätigt die Beobachtung, dass sich das Auftreten von Kohlhernie seit einigen Jahren häuft.

 

Langes Überlebenohne Wirtspflanze


Ausgelöst wird die Krankheit durch Plasmodiophora brassicae, einen parasitisch lebenden einzelligen Organismus. Erste Symptome sind Wuchsdepressionen, Verfärbungen und in gravierenden Fällen das Absterben der Pflanze in kürzester Zeit. Tumore an den Wurzeln sind typisch und behindern die Wasser- und Nährstoffaufnahme. In den Wucherungen hat der Erreger zwischenzeitlich eine Vielzahl neuer Dauersporen gebildet, die beim Zerfall der Wurzeltumore in den Boden gelangen und neu infizieren. Pro Neuinfektion vermehren sich die Dauersporen um das 100 000-fache. Diese überleben im Boden bis zu 20 Jahre auch ohne Wirtspflanzen und sind sehr widerstandsfähig.


Bei Wurzelbonituren gefundene Gallen (kugelförmige Geschwülste) sollten stichprobenweise aufgeschnitten werden, um Verwechslungen zu vermeiden. Befinden sich Fraßgänge mit Larven in den Gallen, so handelt es sich um den Kohlgallenrüssler. Bonitiert werden sollte sowohl im Herbst als auch im Frühjahr.
Bestehen Unsicherheiten bezüglich der Kohlhernieverseuchung eines Schlages, ist vor der Aussaat ein Biotest hilfreich. Dazu werden bereits ab Mai auf der vorgesehenen Rapsfläche Bodenproben aus der oberen Schicht (5–10 cm) genommen. Es sollten dazu jene Teile des Schlages beprobt werden, die in erster Linie befallen sein können, z. B. nasse Senken oder Vorgewende. Auf die in Töpfe gefüllte Bodenproben wird eine Wirtspflanze, wie Raps oder Senf, gesät und nach ca. 6–8 Wochen auf Wurzelwucherungen kontrolliert. Da dieses Verfahren nicht flächendeckend ist, kann es trotz negativem Befund zum Kohlherniebefall kommen.

 

Chemische Mittel helfen nicht


Die Krankheit kann nicht durch chemische Bekämpfung eingedämmt oder vernichtet werden. Einzig vorbeugende ackerbauliche Maßnahmen können helfen, die Ausbreitung zu verringern. Direkt nach dem Rapsdrusch sollte keine oder nur eine sehr flache Stoppelbearbeitung erfolgen, um den Ausfallraps nicht zu vergraben. Hier ist der Striegel mit seiner flachen Arbeitstiefe von Nutzen. Nach spätestens zwei Wochen muss der Raps­aufwuchs umgebrochen werden. Dies ist bei Bedarf zu wiederholen. So kann der Erreger seinen Zyklus nicht abschließen. Vor der Rapsaussaat ist der Auflaufraps mit Scheinbestellungen zu bekämpfen. Circa drei bis vier Wochen vor der Rapsbestellung ist ein fertiges Saatbett herzurichten. Das regt den Bodensamenvorrat an Auflaufraps zum Keimen an. Kurz vor der Aussaat erfolgt dann die Beseitigung des Aufwuchses.
Der Raps sollte anschließend mit möglichst wenig Bodenbewegung gedrillt werden, um eine erneute Keimung der noch im Boden befindlichen Samen zu verhindern. Kruzifere Zwischenfruchtmischungen sind grundsätzlich tabu, ebenfalls ist beim Anbau von Zwischenfruchtmischungen auf Durchwuchsraps zu achten. Die konsequente Bekämpfung von kruziferen Unkräutern in der Fruchtfolge ist ebenso wichtig wie die Vernichtung schwer bekämpfbarer Kreuzblütler wie Hirtentäschel, Barbarakraut oder Rauke im Raps selbst.


Da die Kohlhernie bei der Ausbreitung an Bodenpartikel gebunden ist, spielt die Verschleppung durch Maschinen eine wesentliche Rolle. Daher sollten Betriebsschläge mit bereits bekanntem Befall nach Möglichkeit als letztes bearbeitet und die Maschinen im Anschluss noch vor Ort gereinigt werden.


Auch der Bodenzustand spielt eine wichtige Rolle. Nur durch Bodenwasser kann der Erreger zu den Wurzeln gelangen. Deshalb sollten Ackerflächen immer in einem guten Zustand ohne Staunässe und Drainagen funktionstüchtig sein. Schadverdichtungen sind zu vermeiden. Im Hinblick auf den Boden pH-Wert fördern saure Bedingungen um 5,5 pH den Befall. Kurzfristig kann hier der Verzicht auf stark versauernde Dünger sinnvoll sein. Gekalkt werden sollten diese Flächen regelmäßig. Dies reduziert zwar nicht das Erregerpotenzial, verringert aber die Keimung der Dauersporen.

 

Auf Befallsflächen maximal alle fünf Jahre


Saattermin und Fruchtfolge nehmen ebenfalls Einfluss auf den Befall. Wärmere Bodentemperaturen (20–25°C) sind für Kohlhernie wachstumsfördernd. Daher sollte auf Befallsflächen eher später ­gedrillt werden. Hierbei ist aber auf das erhöhte Auswinterungsrisiko hinzuweisen. Eine wesentliche Rolle zur Ausbreitung der Krankheit spielt die Anbauintensität. Der Erreger verbreitet sich um so schneller, je öfter Infektionen durch eine Wirtspflanze ausgelöst werden. Daher sollte Raps maximal jedes vierte, auf Befallsflächen sogar erst jedes fünfte Jahr in der Fruchtfolge stehen.


Die effektivste Maßnahme gegen Kohlhernie ist der Anbau von Sorten mit Kohlhernieresistenz. Diese ist bei der großen Rassenvielfalt des Erregers lediglich auf bestimmte Rassen (Pathotypen) eingeschränkt. Ein Manko ist, dass alle vorhandenen Sorten nur gegen die gleichen Pathotypen resistent sind. Leider zeigen Einzelfälle aber bereits Feldisolate des Erregers, die diese Resistenz überwinden. Ein Anbau der Spezialsorten auf Verdacht führt also über kurz oder lang zur Selektion aggressiver Erregerrassen. Dann wäre der Rapsanbau auf betroffenen Flächen mit den resistenten Sorten auf Jahre unmöglich. Auch von Mischungen resistenter und nichtresistenter Sorten ist deshalb abzuraten. Bei Befall ist der Umbruch der Flächen nicht zwangsläufig notwendig. Ab einer Ertragserwartung des Bestandes > 75 % gibt es keine rentable Anbaualternative. Zur Umbruchentscheidung stellt die LFA eine Kalkulationshilfe im Internet unter www.lfa.mvnet.de zur Verfügung.


Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr