Klimaschutz auf Moorböden

20.06.2016

© Sabine Rübensaat

Naturschutz (Feuchtgebiet)

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es mehr als 280 000 ha Moore. Unbewaldete Moore werden zumeist als Grünland, aber auch ackerbaulich bewirtschaftet. Dafür wurden sie systematisch entwässert. Die entwässerungsbasierte Nutzung von Mooren verursacht eine Degradierung der Standorte. Gleichzeitig werden durch die Zersetzung des Torfkörpers riesige Mengen Treibhausgase freigesetzt.

 

„Nasse“ Nutzung


Im Jahresbericht 2015 des Umweltbundesamtes entfallen 5 % der Treibhausgasemissionen in Deutschland auf entwässerte Moorböden. Die Entwässerung von Moorböden führt auch zu Höhenverlust. Dies macht die Entwässerung immer schwieriger und vernichtet auf lange Sicht produktives Land unwiederbringlich. Durch Wiedervernässung können die meisten der durch Entwässerung verursachten Probleme abgemildert, vermieden oder sogar umgekehrt werden. Bisher war die Wiedervernässung der Moore meist mit einer Nutzungsaufgabe verbunden. Es besteht aber auch die Möglichkeit, Moor- und Klimaschutz sowie Bewirtschaftung miteinander zu verbinden: Paludikultur – die „nasse“ Nutzung mit angepasster Technik zur Produktion von Biomasse für die energetische oder stoffliche Verwertung.


Zu klimaschonender Moornutzung besteht Beratungsbedarf, der bisher kaum berücksichtigt wurde. Das zeigte sich bei der Tagung „Moornutzung“ in Güstrow. Etwa 60 Landwirte und Vertreter aus der Verwaltung nahmen an der von der Landeslehrstätte für Naturschutz und nachhaltige Entwicklung (am LUNG MV), der LMS Agrarberatung und dem Greifswald Moor Centrum (GMC) organisierten Tagung teil.


Prof. Jutta Zeitz (Humboldt-Universität zu Berlin) beleuchtete die Ursachen von Staunässe und Moorschwund. Paul Schulze (ebenfalls HU Berlin) stellte das Entscheidungsunterstützungssystem DSS Torbos (www.dss-torbos.de) vor, das Landnutzer über Nutzungsalternativen informiert. Sabine Wichmann (Universität Greifswald) präsentierte erste Erkenntnisse zur Wirtschaftlichkeit unterschiedlicher Paludikulturen. Zum Bedauern mancher Landwirte sind Paludikulturen aufgrund agrarpolitischer Vorgaben meist noch nicht als landwirtschaftliche Nutzung für Niedermoore zulässig und förderfähig. Begrenzte Möglichkeiten der Vermarktung ökologischer Raufutterverwerter erschweren das Beweiden der Standorte mit Extensivrassen wie Heckrindern oder Wasserbüffeln, erläuterte Stefan Horn (Biopark).  

 

Thermisch verwertet


Eine vielversprechende Perspektive ist die thermische Verwertung der Niedermoorbiomasse. Ludwig Bork von der Agrotherm GmbH stellte das Biomasseheizwerk Malchin vor. Dort werden seit Sommer 2014 die Aufwüchse von ca. 200 ha wiedervernässtem Niedermoor verfeuert. Diese Verwertung sichert die Existenz des zuliefernden Agrarbetriebes und schuf einen Arbeitsplatz. Fördermöglichkeiten bei der Bewirtschaftung von Niedermooren zeigte Jannika Mösinger (LMS) auf. Neu und förderfähig ist die Landwirtschaftsberatung zu Nutzungsmöglichkeiten auf Niedermoorstandorten in MV von Dr. Wendelin Wichtmann (Duene e. V./GMC). Sie richtet sich an Landwirte, Lohnunternehmen und Landschaftspflegebetriebe. Die  Erstberatung (netto) wird zu 100 % und die Folgeberatung zu 80 % gefördert. Interessenten können sich an wendelin.wichtmann@duene-greifswald.de wenden.


Außerdem kann im Rahmen des Modellvorhabens Land(auf)-Schwung im Landkreis Vorpommern-Rügen dieses Jahr eine Beratung und Begleitung von Landwirten, Gemeinden und anderen Akteuren angeboten werden, die Interesse an einer Wärmeversorgung durch Paludikultur-Biomasse haben. Die Beratung erfolgt durch die Agrotherm GmbH und Anke Nordt (Duene e. V./GMC, anke.nordt@remove-this.greifswaldmoor.de).


Das Projekt „Deutscher Moorschutzdialog“ organisiert im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums Wissenstransfer zu Paludikultur (Kontakt: Susanne Abel, susanne.abel@remove-this.greifswaldmoor.de).

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