Klärschlamm: Erhitzen oder verbrennen?

14.02.2014

© Hans-Eberhard Kape

Beim Ausbringen von Klärschlamm werden große Mengen an Nährstoffen genutzt.

Landwirt Marco Gemballa hat lange Jahre Klärschlamm im eigenen Unternehmen als Dünger auf dem Acker verwertet. „Klärschlamm ist ein Nährstofflieferant. Schon wegen der steigenden Kosten für Stickstoff und Phosphor würden Landwirte nur ungern auf Klärschlamm als Dünger verzichten“, sagt Gemballa.

Zugleich lässt er keinen Zweifel an einer entscheidenden Voraussetzung: „Die Verwertung in der Landwirtschaft kommt nur infrage, wenn der Klärschlamm sicher ist und von ihm weder stofflich, chemisch noch biologisch Gefahren ausgehen“, so der Vizepräsident des Landesbauernverbandes kürzlich auf einer Fachtagung des Wirtschaftsrates der CDU e.V. zur Klärschlammverwertung in Schwerin.

Wegen strengerer Schwermetallgrenzwerte in der neuen Düngeverordnung dürfen rund 12 000 t Klärschlamm ab 2015 nicht mehr auf den Acker. Außerdem will die neue Bundesregierung laut Koalitionsvereinbarung die Klärschlammausbringung zu Düngezwecken beenden. Vor diesem Hintergrund stellte Michael Friedrich, Geschäftsführer des gleichnamigen Schweriner Ingenieurbüros, auf der Tagung eine Studie mit Alternativszenarios auf der Grundlage der Verbrennung von Klärschlamm vor. Danach müsste Mecklenburg-Vorpommern nach 2015 mittelfristig wohl zusätzliche Kapazitäten anderer Bundesländer nutzen. Bei einem völligen Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Verwertung seien im Land eine größere und eine kleinere Verbrennungsanlage erforderlich. Vorher müssten die  Klärschlammströme zusammengeführt werden, so Friedrich. Während bei der landwirtschaftlichen Verwertung Kosten von 20–25 €/t anfielen, wären es bei der thermischen Entsorgung 70–80 €/t. Je Einwohner würden die Kosten um 5 € steigen. Experten im Publikum schienen die Kostensteigerungen  beim Umstieg auf die Verbrennung von Klärschlamm zu gering bemessen.

Dieter Uffmann, Geschäftsführer von biotherm Services, Betreiber zweier Biomasseheizkraftwerke im Land, lehnte die Verbrennung von Klärschlamm als Vernichtung von Nährstoffen ab und empfahl statt dessen die Hochtemperaturtrocknung mit anschließender Pyrolyse. „Bei diesem Verfahren wird der Klärschlamm auf 130 Grad Celsius erhitzt und vollständig hygienisiert“, erläuterte Uffmann. Auch die Molekülketten von Arzneimitteln, bisher eine unerforschte potenzielle Gefahrenquelle im Klärschlamm, würden zerstört.Landwirte bekämen nach der Verwertung ein Düngergranulat geliefert. Dadurch würden sich die Ausbringekosten um den Faktor fünf reduzieren. Der Aufbau dieses Verfahrens, das biotherm Services nach den Worten von Uffmann derzeit gerade zur Patentanmeldung vorbereitet, bedingt angeblich keine nachhaltige Änderung der Kostenstruktur gegenüber der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung.

Allerdings gebe es bisher im Klärschlamm keine Grenzwerte für pathogene Keime, die bei der Hochtemperaturerhitzung zerstört würden, gab Martina Ocik, Referatsleiterin im Wirtschaftsministerium, zu bedenken. Zudem ließen sich auf diese Weise überhöhte Schwermetallgehalte in Klärschlämmen nicht reduzieren beziehungsweise unschädlich machen. Deshalb müsse man bei der Festlegung der künftigen Strategie zur Klärschlammverwertung entscheiden, welche Klärschlämme getrocknet und welche verbrannt werden sollen. Bei der thermischen Verwertung bietet nur die sogenannte Monoverbrennung die Gewähr, Phosphor zurückzugewinnen. Praxistaugliche Verfahren stecken aber noch in den Kinderschuhen.

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