Klärschlamm : Auf der Suche nach Alternativen

03.02.2014

© Sabine Rübensaat

Düngung

Wenn das im Koalitionsvertrag vorgesehene Ausbringeverbot von Klärschlamm zu Düngezwecken in Mecklenburg-Vorpommern Realität werden würde, müsste mindestens  eine Anlage zur thermischen Klärschlammverwertung und Produktion von Düngemitteln errichtet werden. Darauf weist die Landesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Prof. Dr. Fritz Tack (Die Linke) hin.

Ziel: Kreislaufwirtschaft

Nach Angaben der Landesregierung fallen in zirka 200 direktentsorgenden Kläranlagen des Landes im Jahresdurchschnitt zirka 41 000 t Trockenmasse (TM) Klärschlamm an. Von dem gesamten Klärschlammaufkommen wurden 2012 etwa 83 % landwirtschaftlich verwertet.

Darüber hinaus wurden im gleichen Jahr 6 849 t TM Klärschlamm aus Kläranlagen anderer Bundesländer in der hiesigen Landwirtschaft eingesetzt. Nach Angaben aus dem Agrarministerium wiesen die „importierten“ Klärschlämme einen um über zehn Prozent geringeren Anteil an organischer Substanz gegenüber Klärschlämmen aus MV aus. Mit 4,18 % N in der TM lag der Stickstoffgehalt der Klärschlämme aus anderen Bundesländern zugleich deutlich unter dem N-Gehalt hiesiger Klärschlämme (5,49 % N in der TM).

Letztere wiesen im Mittel mit 0,55 % Kaliumoxid in der TM einen mehr als doppelt so hohen K2O-Gehalt auf wie Klärschlämme aus anderen Bundesländern. Die enthielten fast so viel Quecksilber und Zink wie heimische Klärschlämme, mehr Blei, Chrom und Nickel sowie weniger Cadmium und Kupfer als Klärschlämme aus MV. In der Antwort auf die Kleine Anfrage wies Agrarstaatssekretär Dr. Karl Otto Kreer darauf hin, dass die Landesregierung das Ziel einer konsequenten Kreislaufwirtschaft verfolge, die die Abfallwirtschaft zur Rohstoffwirtschaft entwickele. „Die überwiegend praktizierte stoffliche Verwertung von Klärschlamm in der Landwirtschaft entspricht im Grundsatz dieser Zielsetzung“,  heißt es in der Antwort.

Durch das Aufbringen von Klärschlamm auf landwirtschaftlichen Flächen konnten 2012 große Nährstoffmengen genutzt werden, darunter 2 041 t Stickstoff, 2 891 t Phosphor, 198 t Kalium sowie 343 t Magnesium.  Der Phosphor-Düngerbedarf konnte auf den Einsatzflächen weitgehend abgedeckt werden.

Die Verwertung von Klärschlamm ist streng reglementiert und kontrolliert. Etwaige Grenzwertüberschreitungen könnten so festgestellt und eine unzulässige Verwertung auf Agrarflächen vermieden werden. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass in den Klärschlämmen je nach Herkunft neben Schwermetallen und persistenten (schwer abbaubaren) organischen Schadstoffen zunehmend endokrin wirksame Schadstoffe (aus ausgeschiedenen Körpersekreten) enthalten sind.

Risiken unbekannt

Akute Gefährdungen für Böden und die in und auf ihm lebenden Organismen sowie die menschliche Gesundheit seien derzeit nicht bekannt. „Die Langzeitwirkung endokrin wirksamer Schadstoffe ist jedoch weitgehend ungeklärt. Sobald eine wirtschaftlich akzeptable Rückgewinnung von Phosphor möglich ist, sollte aufgrund der unbekannten Risiken auf eine landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm verzichtet werden“, heißt es in der Antwort auf die Kleine Anfrage. Um nach der thermischen Verwertung des Klärschlamms Phosphor als vermarktungsfähiges Düngemittel zurückzugewinnen, käme nur die sogenannte Monoverbrennung infrage.  Nach Angaben der Landesregierung wird in Deutschland seit Jahren intensiv an der Phosphorrückgewinnung aus Abwasser und Klärschlammaschen geforscht. Breit anwendbare praxistaugliche Möglichkeiten zur Rückgewinnung von Phosphor gäbe es aber noch nicht.

„Phosphorcampus“

Auch aus diesem Grund unterstützt die Landesregierung den Aufbau eines Wissenschaftscampus zur Phosphorforschung 2014 und 2015 mit jährlich
85 000 € (siehe auch BauernZeitung Ausgabe 3/2014). Diese Förderung soll bis 2020 fortgesetzt werden. An dem Projekt sind Leibniz-Institute sowie die Universität Rostock beteiligt. Der „Phosphorcampus“ soll Strategien zur besseren Nutzung von Phosphor sowie Möglichkeiten der Rückgewinnung des Rohstoffes entwickeln. Phosphor kann in Düngemitteln durch keinen anderen Stoff ersetzt werden.

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