Jahresauftaktpressekonferenz des BV MV

17.01.2018

© Gerd Rinas

Pressekonferenz mit Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Piehl, Pressesprecherin Ann-Kristin Hanell und Präsident Detlef Kurreck (v. l.).

Die extremen Niederschläge sorgen bei den Landwirten zunehmend für Unruhe. „Bis zu 15 Prozent der Winterkulturen konnten wegen nicht befahrbarer Flächen im Herbst nicht bestellt, Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben zum Teil nicht geerntet werden. Auf einem Teil der Flächen sind Strukturschäden nicht mehr auszuschließen. Unter diesen Voraussetzungen ist 2018 eher mit einer unterdurchschnittlichen Ernte zu rechnen“, sagte Landesbauernpräsident Detlef Kurreck auf der Jahresauftaktpressekonferenz des Bauernverbandes in Schwerin.


Sorge bereite vor allem die Güllelagerung. Aufgrund der Niederschläge konnten im vorigen Jahr zahlreiche Lager nicht wie vorgesehen geräumt werden. Zwar seien bis Anfang voriger Woche landesweit bei den zuständigen Ämtern erst fünf Anträge für Notfalllager eingegangen. „Das heißt im Umkehrschluss, dass sich offenbar viele langfristig auf die Ausnahmesituation vorbereitet haben. Landwirte verdienen mit freien Lagerkapazitäten zur Zeit gutes Geld“, betonte Kurreck. Allerdings verursache das Lagermanagement für Gülle, Gärrest und Festmist hohen Aufwand und zusätzliche Kosten.

 

Belastbare Vorgaben


Kurreck kritisierte, dass sich der Gesetzgeber bei der Verschärfung der Ausbringeregelungen zu sehr an starren Terminen orientiert habe. „Dabei ist der Witterungsverlauf in keinem Jahr gleich. Die Vorgaben müssen auch unter ex­tremen Bedingungen belastbar sein“. Ein zusätzliches Handicap seien lange Genehmigungswege. „Wer ein neues Güllelager will, muss bis zu zwei Jahren auf eine Baugenehmigung warten“, machte Kurreck aufmerksam.


Mit Blick auf den Milchmarkt konstatierte der Bauernpräsident, dass das Jahr 2017 den Milchbauern nach dem Preisverfall eine Atempause verschafft habe. Aktuell würden die Auszahlungspreise aber schon wieder sinken. Für 2018 müsse man davon ausgehen, dass die Preise weiter nachgeben würden. Krisen beschleunigten den Strukturwandel. „Vor allem Familienbetriebe tun sich die Milchproduktion unter diesen Vorzeichen oft nicht mehr an“, so Kurreck.


In der Schweinehaltung sorgten die ungeklärten Fragen um die Einführung der schmerzfreien Kastration ab 2019 und die Debatte um die Kastenstände für Verunsicherung. „Wir befinden uns in einem Findungsprozess“, sagte Kurreck. Klar sei bisher nur, dass die Ebermast „keine Lösung für alle“ sei. Der Bauernverband unterstütze den sogenannten vierten Weg, bei dem der Landwirt selbst Betäubung und Kastration des Ferkels durchführt.

 

Bauernverbands-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Piehl zeigte sich zuversichtlich, dass noch rechtzeitig eine Lösung gefunden wird. „Dafür brauchen wir aber den Gesetzgeber und die Tierarzneihersteller.“


Präsident Kurreck warnte davor, die Gefahren der sich in den Nachbarländern ausbreitenden Afrikanischen Schweinepest nicht zu beachten. „Wir wissen, dass sie kommt und es wäre fahrlässig, sich nicht vorzubereiten. Aus diesem Grund hatte der Bauernverband zu Wochenbeginn zu einer Informationsveranstaltung nach Linstow eingeladen (Bauernzeitung, nächste Ausgabe 3, S. 12).


Kurreck bestätigte, dass der Verband mit dem Agrarministe­rium im Gespräch über ein Agrarstruktursicherungsgesetz sei. Die Meinungsbildung im Verband dazu sei schwierig, nicht zuletzt wegen der unterschiedlichen und mitunter wechselnden Interessenlage der Mitglieder.


In der Debatte um die Gemeinsame Agrarpolitik in der EU nach 2020 machte Kurreck deutlich, dass die Direktzahlungen aus der Ersten Säule für die Landwirte einkommensrelevant seien. „Niemand wird diese Linie verteidigen, wenn wir es nicht selbst tun.“

 

„Sturmreif“


Als berufsständische Interessenvertretung sei man darauf bedacht, die Besitzstandswahrung der Landwirte an die erste Stelle zu setzen. Vor diesem Hintergrund äußerte sich Kurreck zurückhaltend zu den Vorschlägen von Agrarminister Backhaus (Bauernzeitung 3/2018, S. 10, MV). Danach würden Zahlungen „in Größenordnungen“ in die Zweite Säule, die bisher nicht einkommensrelevant sei, umgeschichtet. Kurreck äußerte die Befürchtung, dass wegen vergleichsweise geringer Tierbestände und großer Betriebe in MV Geld in andere Bundesländer abfließen könnte.


Positiv sei, dass die Bauern mit Agrarumweltleistungen künftig Geld verdienen könnten. „Wenn uns Leistungen abgekauft werden, hat das Charme“, räumte Kurreck ein. Allerdings stecke der Teufel im Detail. Kurreck und Piehl lehnten die Kappung und Degression von Direktzahlungen für größere Betriebe strikt ab. Damit würde diesen Unternehmen nicht nur Liquidität entzogen. Sie würden so auch „sturmreif“ für die Übernahme durch außerlandwirtschaftliche Investoren.

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