Insektensterben: Mehr Forschung ist notwendig

30.04.2018

© Sabine Rübensaat

Nimmt die Insektenpopulation ab? Bisher gibt es keine wissenschaftlich verlässlichen Daten darüber.

Was tun gegen Insektensterben? Dieser Frage stellte sich Parlamentarische Abend in der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommerns in Berlin. Dabei gibt es bisher keine wissenschaftlich verlässlichen Daten darüber, ob, in welchem Umfang und aus welchen Gründen es einen Insektenrückgang gibt.

 

Studie mangeltees an Methodik


Alle Studien, auf deren Grundlage das vermeintliche Insektensterben 2017 mehrmals Schlagzeilen machte, bezogen sich auf die sogenannte Krefelder Studie von Hobby-Insektenforschern, die aufgrund mangelnder Methodik zweimal zur „Unstatistik des Monats“ gekürt wurde. Abgesehen davon ist es auch bemerkenswert, dass zu dem Zeitpunkt, als 80 % mehr Insektengewicht in Malaise-Fallen gesammelt wurden, im Orbroicher Bruch Kühe weideten und damit noch Landwirtschaft stattfand. Heute ist die Region ein Naturschutzgebiet.


Damit ist die oft vorgenommene Verkürzung möglicher Gründe auf die Landwirtschaft und den Einsatz von Insektenschutzmitteln unzulässig. Der Bauernverband fordert deshalb eine wissenschaftlich ermittelte und repräsentative Datengrundlage über Situation und Entwicklung der Insekten. „Wir sind an Ursachenforschung interessiert, denn wir leisten heute schon Beiträge für den Artenschutz und tun das gerne, aber wenn wir Maßnahmen umsetzen, wollen wir auch wissen, dass sie wirklich helfen!“, sagte Bauernverbandspräsident Detlef Kurreck.

 

Zweifel in Sachen Neonikotinoide


Doch nutzt die beste Studie nichts, wenn letzten Endes nicht auf deren Grundlage entschieden wird. In der Sache „Neonikotinoide“ wurden seitens der Bayer AG und der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e. V. (UFOP) Zweifel am Prozedere der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) geäußert: Der Leitlinienentwurf, das sogenannte Draft Bee Guidance Document, sei  nicht praktikabel, denn es sei „unmöglich“, Freilandstudien durchzuführen, ohne dabei Risiken zu finden, hieß es aus Leverkusen und Berlin.


Nach dem Moratorium für neo­nikotinhaltige Rapsbeize hatte Bayer in der unter dem Namen „MV-Studie“ bekannt gewordenen Feldstudie in zwei 65 km2 großen Landstrichen Bienen beobachtet – ein Gebiet mit und eines ohne den Einsatz neonikotinoidhaltiger Pflanzenschutzmittel. Neben dem Auftragsforschungsinstitut waren Bienenexperten für die verschiedenen Bienenarten, darunter Wildbienen, Hummeln und Honigbienen, unabhängig von dem Auftragsforschungsinstitut und von Bayer an der Studie beteiligt. Ergebnis der noch nie in dieser Größenordnung da gewesenen Studie: Die Rapsbeize sei für Bienenbestäuber unter realistischen Bedingungen unbedenklich. Diese Einschätzung floss aber nicht in das EFSA-Gutachten ein. Der Bauernverband appelliert an die Politik, kontroverse landwirtschaftliche Debatten wieder mit mehr Sachlichkeit zu führen.

 

Leitfaden für Antworten und Argumente


Um den landwirtschaftlichen Berufsstand im Dialog mit Verbrauchern und Politikern zu unterstützen, hat das Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Hauptgeschäftsstelle des Landesbauernverbandes in Neubrandenburg  einen weiteren Argumentationsleitfaden, diesmal zum Thema Bienen- und Insektensterben, herausgegeben. Er ist ab sofort als Fachinformation verfügbar.


Argumentationsleitfäden sollen Antworten und Argumente auf die häufigsten Fragen liefern. Sie können als Quellensammlung dienen, und mit ihrer Hilfe kann altes Wissen, beispielsweise vor einer anstehenden Diskussion, aufgefrischt werden. Die Leitfäden werden fortlaufend weitergeführt, wenn sich neue Fragen aus der öffentlichen Debatte ergeben. Das Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit freut sich daher auch immer über Anregungen, Themenwünsche und Hinweise zu interessanten Quellen.

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