Importverbot: Wer kauft nun unseren Käse?

18.08.2014

© Sabine Rübensaat

Rohmilchkäse

Russland hat ein Importverbot für Agrarprodukte aus Ländern erlassen, die sich an den Sanktionen der EU im Ukraine-Konflikt gegen Rußland beteiligen (siehe auch S. 18, die Red.). „Die Sanktionen betreffen Mecklenburg-Vorpommern ganz besonders. Dies ist für unsere Land- und Ernährungswirtschaft bitter“, kommentierte Agrarminister Dr. Till Backhaus die Entwicklung.

DMK: Wir warten erst einmal ab

Mecklenburg-Vorpommern hatte vor der Erteilung der Sanktionen vergleichsweise gute Handelsverbindungen mit Russland. 2013 wurden für rund 91 Mio. € Waren aus der Land- und Ernährungswirtschaft nach Russland ausgeführt. Das waren 36 % sämtlicher Exporte aus MV nach Russland. Nach Angaben aus dem Agrarministerium wurden Kartoffeln und Kartoffelerzeugnisse (5 072 t), Fleisch- und Fleischwaren (9 314 t) und vor allem Käse (9 314 t) exportiert. Dessen Warenwert betrug allein 33,99 Mio. € und machte 13,4 % der gesamten Exporte der Branche nach Russland aus.

In den vergangenen Monaten kam sogar fast der gesamte Käse, der aus Deutschland nach Russland exportiert wurde, aus Molkereien im Nordosten. Nur noch wenige Bundesländer konnten Agrarprodukte nach Russland verkaufen, weil immer mehr Produkte aus der EU von Russland wegen angeblicher Mängel bei Hygienestandards, Zertifizierung und Verpackung mit einem Einfuhrverbot belegt wurden.

Bis zum Sanktionserlass des russischen Präsidenten in der vorigen Woche konnten nach Angaben aus dem Schweriner Agrarministerium noch fünf Unternehmen Agrarprodukte nach Russland exportieren, darunter als einziger DMK-Standort in MV die Molkerei in Altentreptow.

Auf Fragen der BauernZeitung, ob der Importstopp bereits in Kraft sei und welche Vermarktungsalternativen nun angestrebt würden, wollte sich DMK zu Wochenbeginn nicht äußern. Derzeit sei nicht absehbar, inwieweit die Milchwirtschaft von den neuerlichen Exportsperren betroffen sein würde. Daher wolle man vorerst die weitere Entwicklung abwarten, hieß es aus Bremen.

Die Ostsee-Molkerei in Wismar exportierte bis vorige Woche ebenfalls Käseprodukte nach Russland. Dies sei auch der hervorragenden Arbeit der Veterinäre in Mecklenburg-Vorpommern zu verdanken, die den hohen russischen Qualitätsanforderungen für Molkereiprodukte entsprach, hieß es dazu aus Wismar. „Der russische Markt war schon immer ein sensibler Markt, dessen Anteil im Vergleich zu unseren anderen Exportländern, wie Italien oder Skandinavien, seit jeher verhältnismäßig gering ausgefallen ist. Wir haben uns im Exportgeschäft schon seit vielen Jahren sehr breit aufgestellt, um mögliche Liefersperren schnell und gut kompensieren zu können“, relativierte Inhaber Klaus Rücker die Auswirkungen auf sein Unternehmen.

Andere betroffene Firmen wollten sich zu Wochenbeginn zum Exportverbot nicht äußern. Wie groß die Verunsicherung ist, wird darin deutlich, dass sich auch Firmen zurückhielten, deren Produkte von dem Einfuhrstopp bisher gar nicht betroffen sind, wie ein Hersteller von Kartoffelflocken.

Frischfleisch vom Schwein darf aufgrund des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest Anfang dieses Jahres in Litauen, Lettland und Polen schon längere Zeit nicht aus der EU nach Russland ausgeführt werden. Im Gegensatz zum EU-Recht ist „gefrorenes Fleisch“ im russischen Recht aber nicht „frisch“ und konnte deshalb weiter exportiert werden. Offenbar sind auch Fisch-, Geflügel- und Fleischverarbeitungsunternehmen sowie Kartoffelvermehrungsbetriebe von dem Exportstopp betroffen. Allerdings war die Lage zu Wochenbeginn noch sehr unübersichtlich. Auf der offiziellen Internetseite der Veterinärbehörde der Russischen Föderation waren noch eine Reihe von Unternehmen aus MV als Importeure zugelassen. Im Schweriner Agrarministerium soll die Übersetzung einer Liste von sanktionierten Unternehmen und Produkten näheren Aufschluss bringen. Im Durchschnitt liegt der Umsatz dieser Unternehmen mit Russland bei rund 15 %.

Überangebot: Wächst der Preisdruck?

„Das Importverbot wird die Produzenten hart treffen, auch wenn das genaue Ausmaß vorerst noch unklar bleibt“, befürchtet Jarste Weuffen, Geschäftsführerin des Agrarmarketingvereins MV. Es müsse befürchtet werden, dass die Preise auf dem deutschen Markt und auf Exportmärkten außerhalb Russlands durch ein Überangebot gedrückt werden. „Damit wären auch die Produzenten aus unserem Bundesland betroffen, die nicht nach Russland exportiert haben.“

„Sanktionen sind ein zweischneidiges Schwert“, machte Dr. Martin Piehl, Hauptgeschäftsführer des Bauernverbandes MV, deutlich. In Mecklenburg-Vorpommern sei die Betroffenheit durchaus größer als in anderen Bundesländern. Betroffen sind aber Unternehmen in allen EU-Ländern. „Nun kommt es darauf an, dass die Vermarktungspartner der Bauern neue Absatzkanäle finden.“

Agrarminister Backhaus sprach sich für eine Sonderagrarministerkonferenz aus. „Die Sanktionen betreffen ganz Deutschland. Daher müssen Länder und Bund nun schnell prüfen, welche Ausmaße die Sanktionen haben und wie der veränderten Marktlage begegnet werden kann“, argumentierte Backhaus.

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