Hoffnung für Tellow?

19.02.2018

© Gerd Rinas

Das Thünengut in Tellow mit dem Gutshaus. Die gesamte Anlage (kleines Foto rechts) umfasst neun Gebäude auf 23 ha.

Das Thünengut in Tellow kann nach Ansicht der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft  (AbL) und des BUND-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern mit einem neuen Konzept  die Ideen des ehemaligen Besitzers Johann Heinrich von Thünen wiederbeleben und für die Landwirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns neue  Impulse geben. Mit der Einrichtung eines Kompetenzzentrums für ökologische Landwirtschaft und eines Musterguts für berufliche Bildung im Ökolandbau könnte das Thünengut nachhaltig entwickelt werden, sagte BUND-Agrarexperte Dr. Burkhard Roloff.

 

Ökologisches Mustergut, Ausbildungsstandort


„In den Gebäuden des Thünenguts könnte das Kompetenzzen­trum Ökolandbau Mecklenburg-Vorpommern (KÖM) seinen Sitz finden, in dem alle Aktivitäten zum Ökolandbau im Land gebündelt, koordiniert und vernetzt werden.“ Im KÖM könnten die Bereiche Forschung, Entwicklung und Beratung von der landwirtschaftlichen Erzeugung, über die Verarbeitung bis zum Handel zusammengeführt und damit der Ökolandbau in MV nachhaltig gestärkt werden. „Das Kompetenzzentrum würde sich hervorragend mit dem ökologischen Mustergut in Tellow ergänzen“, so Roloff.


Dieser Einschätzung schließt sich AbL-Landessprecher Helmut Precht an. „Das Thünengut sollte  auf Ökolandbau umgestellt werden. Das Bio-Landesgut Tellow könnte dadurch ein ökologisches Mustergut und zum Standort der beruflichen Ausbildung für den ökologischen Landbau werden“, so Precht, der auch Abgeordneter des Kreistages im Landkreis Rostock ist.


Tellow böte mit Gebäuden, bis hin zur Unterbringung, beste Voraussetzungen für die praktische berufliche Ausbildung zum Landwirt ökologischer Landbau. Hier könnte ein landwirtschaftlicher Betrieb aufgebaut werden mit ökologischem Ackerbau und ökologischer Nutztierhaltung als Selbstversorger-Hof für die Schüler und Lehrer. Sinnvoll wäre auch ein Hofladen für regionale Bio-Produkte. „Gemeinsam mit dem Thünen-Museum käme wieder Leben auf den Gutshof und damit ein attraktives touristisches Angebot in die Mecklenburgische Schweiz“, meinte Precht.


Die Anfänge des Thünen-Museums waren zu DDR-Zeiten vom damaligen Lehrer und späteren Museumsdirektor Rolf-Peter Bartz zusammen mit einer Schülerarbeitsgruppe gelegt worden. Nach der Wende war der Standort mit finanzieller Unterstützung von Bund, Land und Landkreis saniert und modernisiert worden. Tellow wurde ein Zentrum der Forschung zu Johann Heinrich von Thünen (1783 - 1850), der auch 167 Jahre nach seinem Tod international als bedeutender Nationalökonom, Sozialreformer und Musterlandwirt verehrt wird.


Das Thünen-Museum und seine Veranstaltungen zogen in den vergangenen Jahren Tausende Besucher an. Das Thünengut wurde zudem wichtiger Tagungsort landwirtschaftlicher Organisationen. Trotz Hilfen von Land und Landkreis fiel es allerdings immer schwer, den Guts- und Museumsbetrieb aufrecht zu erhalten.


Abhilfe sollte die Thünengut gGmbH schaffen, die Gut und  Museum seit 17 Jahren bewirtschaftet. Um einen Teil der anfallenden Kosten zu decken, verpachteten Land und Landkreis der Gesellschaft rund 300 ha Ackerland, die von einem Lohnunternehmen bearbeitet werden. Nach mehreren schlechten Ernten geriet das Thünengut zuletzt in wirtschaftliche Schieflage, sodass 2017 der Museumsbetrieb eingestellt werden musste.

 

Werden Pachtverträge neu ausgeschrieben?


Neue Hoffnung für die Zukunft des Gutes verbindet sich mit dem Bio-Erzeugerzusammenschluss Fürstenhof. Die Unternehmensgruppe, zu der 19 Betriebe zählen, die wöchentlich nach eigenen Angaben zusammen bis zu zwei Millionen Eier produzieren, wurde kürzlich  Hauptgesellschafter der Thünengut gGmbH. Einem NDR-Bericht zufolge will Fürstenhof auf den 300 ha Ackerland Futter für seine Bio-Legehennen anbauen. Der Landkreis hat sich positiv dazu geäußert. Im ­Agrarministerium hingegen vermisst man bislang aber ein Konzept des neuen Hauptgesellschafters. Nach Angaben von Agrarminister Till Backhaus gehen die Pachtverträge nach Vertragsende 2019 „nicht automatisch“ an den Erzeugerzusammenschluss über. Stattdessen sollen sie neu ausgeschrieben werden.

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