Hochschule Neubrandenburg

31.01.2018

© Bernd Krull

Zum Abschied wünschte Rektor Prof. Dr. Gerd Teschke (vorn r.) Prof. Große Hokamp (vorn l.) alles Gute.

Herr Professor Große Hokamp, Sie waren 25 Jahre an der Hochschule Neubrandenburg tätig. Was haben Sie vorher gemacht, und erinnern Sie sich noch, wie es hier begann?


Ich stamme ursprünglich aus Westfalen und bin Bauernsohn. Mein Bruder hat damals den elterlichen Betrieb übernommen, den heute mein Neffe führt. Nach dem Abitur habe ich an der Fachhochschule in Soest studiert. Nach weiteren zwei Jahren an der Universität in Kiel habe ich dann in Bonn promoviert und bin in die Praxis gegangen. Ich habe zehn Jahre für die Firma Ciba-Geigy GmbH gearbeitet im Bereich Produktmarketing und Beratung. Dadurch hatte ich einen recht guten Überblick, was in Deutschland im Bereich Pflanzenschutz zu dieser Zeit geschah. Als dann die östlichen Bundesländer dazukamen, hat mich die groß strukturierte Landwirtschaft fasziniert, solche Größenordnungen kannte ich aus meiner Heimat nicht.


Die Verbindung von Wissenschaft und Praxis hat mich angezogen, und so wurde ich am 1. September 1993 als Professor an der neuen Hochschule Neubrandenburg von Thomas de Maizière vereidigt. Er war damals Staatssekretär im Kultusministerium. Wir hatten ganze zwölf Studenten, und es mussten erst einmal Strukturen geschaffen werden. Nach ein paar Monaten bekamen wir Computer.


Was war Ihnen in Ihrer Zeit als Professor besonders wichtig?


Durch mein Studium an der Fachhochschule in Soest bin ich deutlich geprägt. Der Praxisbezug hat mir schon dort gut gefallen, und ich habe immer besonderen Wert auf den Draht in die landwirtschaftliche Praxis gelegt. Zu vielen Betrieben im Umkreis von Neubrandenburg halte ich engen Kontakt und bin mit den Studenten, so oft es ging, dort hingefahren. An Betriebserfahrung kann man jungen Leuten gar nicht genug mit auf den Weg geben. Wichtige Voraussetzung für den engen Kontakt zur Praxis ist ein vertrauensvoller Umgang zwischen der Hochschule und den Landwirtschaftsbetrieben.



Was raten Sie Ihrem Nachfolger bzw. Ihrer Nachfolgerin?


Da kann ich nur noch einmal den Draht zur Praxis betonen. Das halte ich wirklich für wichtig. Auch ist die Verankerung in der Region von großem Vorteil. Meine Familie ist 1996 nach Neubrandenburg nachgekommen. Wir haben uns hier immer sehr wohl gefühlt.



Sie hatten den Lehrstuhl für  Phytomedizin und Pflanzenschutz inne. Gerade Pflanzenschutz ist ja gesellschaftlich umstritten. Begegnete Ihnen häufig Skepsis und Kritik?


Ehrlich gesagt, nein. Natürlich spielte die öffentliche Diskussion immer eine Rolle, aber direkte Anfeindungen oder negative Bemerkungen habe ich sehr selten erlebt. Was die aktuelle Debatte um Glyphosat angeht, kann ich nur sagen: Auf wen sollen wir uns denn noch verlassen, wenn nicht auf unsere Wissenschaftler? Da bin ich ganz klar auf der Seite der Fakten!



Welche Pläne haben Sie für Ihren Ruhestand?


Ich gehe mit gemischten Gefühlen in den Ruhestand. Die Arbeit mit jungen Menschen wird mir sehr fehlen. Das war schon mein Traumberuf, hier an der Hochschule. Nichtsdestotrotz freue ich mich auf mehr Freizeit und Reisen. Als Erstes geht es mit meiner Frau nach Costa Rica. Ich möchte aber den Draht zur Landwirtschaft behalten und auch weiterhin als  Gutachter tätig sein.

 

Das Gespräch führte Katharina Skau

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