Hilfe kommt, nur wann?

03.09.2018

© Sabine Rübensaat

Agrar- und Umweltminister Till Backhaus hat die Ankündigung eines Hilfsprogramms der Bundesregierung zur Regulierung der Dürreschäden begüßt. „Ich bin erfreut und erleichtert, dass die Bundesregierung die Forderung der Länder nach Unterstützung der betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe ernst genommen hat“, kommentierte Backhaus die Entscheidung. 

 

Hierzulande haben nach bisherigen Erkenntnissen wohl 10 bis 20 % der Landwirtschaftsbetriebe Anspruch auf Unterstützung aus dem Bund-Länder-Programm zur Dürrehilfe. Deren Verluste liegen bei mehr als 30 % in drei der letzten fünf Jahre. „Zur Unterstützung dieser Betriebe benötigen wir circa 50 bis 60 Millionen Euro. Wie viel wir letztendlich zur Verfügung haben, hängt von den Mitteln des Bundes ab“, sagte Backhaus. 

 

Die Landesregierung hatte zuvor beschlossen, bis zu 30 Mio. € Dürre-Nothilfen aus dem Landeshaushalt bereitzustellen, vorausgesetzt, der Bund beteiligt sich in gleicher Höhe. Schwerin hatte weitere 1,5 Mio. € genehmigt, um in der Agrarverwaltung zusätzliches Personal für die Auszahlung der Zuschüsse einzustellen.

 

Bei der Ausgestaltung des Hilfsprogramms erwartet Backhaus, dass vorrangig Futterbaubetrieben, Tierhaltern, Betrieben mit kleinbäuerlichen Strukturen und aufwendig wirtschaftenden Betrieben im Ökolandbau schnell und unbürokratisch geholfen wird. 

 

Bundesagrarministerin Julia Klöckner hatte vorige Woche die trockenheitsbedingten Ernteeinbußen als „Schadensereignis na­tionalen Ausmaßes“ eingestuft und die Auflage eines Hilfs­programmes in dreistelliger Millionenhöhe unter 50-prozentiger Beteiligung der Länder angekündigt.

 

Vincent Kokert, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Schwe­riner Landtag, bezeichnete das 340 Mio. € umfassende Bund-Länder-Programm als „ein starkes Signal“. „Mehr wäre immer wünschenswert, allerdings mussten bei dem Programm schlicht auch Konzessionen gemacht werden: So mancher, insbesondere auf Bundesebene, hat das Aufstellen des Programms mit großem Argwohn begleitet“, ließ Kokert in der vorigen Woche durchblicken. Bei dem vorläufigen Gesamtschaden – bundesweit rund 680 Mio. € – sei es fair, wenn die Gesellschaft diesen zu 50 % trage und davon 50 % der Bund. „Nun muss es darum gehen, dass die Mittel schnellstens ‚nach unten‘ durchgereicht werden“, betonte Kokert. Kritik an dem Hilfsprogramm kommt unterdessen von der Linken: „Die Bundesregierung lässt die Bauern im Stich. Die angekündigten Hilfen in Höhe von 340 Millionen Euro decken nicht einmal die Dürreschäden in Mecklenburg-Vorpommern, die sich auf 531 Millionen Euro belaufen“, bemängelten die Landesvorsitzenden der Partei Wenke Brüdgam und Torsten Koplin. Zudem lasse sich die Bundesregierung die „kläglichen“ finanziellen Hilfen durch die Länder mit bezahlen. „Während der Bankenkrise wurden über Nacht Milliarden aufgebracht. Bei den Landwirten soll dies angeblich nicht möglich sein“, so Brüdgam und Koplin. Sie forderten schnelle und unbürokratische Hilfe. 

 

Dieser Aspekt hat für den Landesbauernverband Priorität. „Für die tierhaltenden Betriebe und den Tierbestand in unserem Land zählt jeder Tag, deswegen appellieren wir an Bund und Land, sich zügig zu einigen und die beschlossene Unterstützung kurzfristig und unbürokratisch auf den Weg zu bringen“, betonte Bauernpräsident Detlef Kurreck. Bei der letzten Dürrehilfe im Jahr 2003 konnten Anträge Mitte Oktober gestellt werden. Die Auszahlung der Trockenschadenshilfen erfolgte noch im gleichen Jahr.

 

 

 

Ernte - Hohe Einbußen belegt: In Mecklenburg-Vorpommern haben die Landwirte in diesem Jahr sowohl in der Menge als auch im Ertrag pro Hektar deutlich weniger Getreide und Ölfrüchte geerntet als im vorigen Jahr und im Zeitraum von 2012 bis 2017 (langjähriges Mittel). Das geht aus den vorläufigen Ergebnissen der Getreide- und Ölfruchternte hervor, die das Statistische Amt MV in der vorigen Woche veröffentlicht hat.Danach wurden in diesem Jahr 2,98 Mio. t Getreide geerntet. Das sind 29 % weniger als 2012–2017 und 26 % weniger als 2017. Bei Winterweizen ergibt sich mit 1,9 Mio. t ein Minus von 30 % im langjährigen Mittel und 29 % im Vergleich zum Vorjahr. Bei Wintergerste (672.300 t Erntemenge) wurde ein Minderertrag von 26 % zum langjährigen Durchschnitt und 29 % zum Vorjahr ermittelt. Die diesjährige Winterrapsernte von 571.900 t bleibt um 34 % gegenüber dem langjährigen Mittel und um 14 % im Vergleich zur Ernte von 2017 zurück. Einen Zuwachs gab es 2018 bei Sommergerste (Gesamtertrag: 69.100 t) mit 78 % im Vergleich zu 2012–2017 und 144 % zum vorigen Jahr.  Bei den Erträgen pro Hektar ist bei Getreide ein Rückgang von 72,4 im vorigen Jahr auf 54,1 dt/ha zu verzeichnen. Das sind 25 % weniger und 28 % weniger als im langjährigen Mittel. 59,4 dt/ha bei Winterweizen 2018 bedeuten ein Minus von 26 % gegenüber 2012–2017 und 21 % weniger als im Vorjahr. Der Durchschnittsertrag von 54,1 dt/ha Wintergerste 2018 bleibt um 29 % gegenüber dem langjährigen Mittel und 32 % gegenüber dem Vorjahr zurück. Bei Winterraps ergibt sich nach dem vorläufigen Ergebnis ein Durchschnittsertrag von 29,1 dt/ha. Der Ertrag bleibt damit noch einmal um zwei Prozent gegenüber der schlechten Rapsernte 2017 und um 22 % im Vergleich zu 2012–2017 zurück. Hohe Einbußen bei den Hektarerträgen gab es auch bei Sommerweizen (- 39 %), Roggen (- 31 %), Hafer (- 25 %) und Erbsen (- 32 %), jeweils zum langjährigen Mittel. Die Hektarerträge basieren auf Schätzungen amtlicher Ernteberichterstatter. Die endgültigen Hektarerträge sollen Ende September vorliegen.

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