"Handfester Wirbelsturm"

19.09.2016

© RinderAllianz

Karin Puckhaber bringt seit Jahren erstmals keine Milchrinder zur MeLa. Sie und ihre Züchterkollegen, die ebenfalls keine Tiere ausstellen, wollen auf die Milchkrise aufmerksam machen.

Seit 26 Jahren ist die Mecklenburgische Landwirtschaftsausstellung (MeLa) ein Besuchermagnet. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Die Milcherzeuger des Landes stecken in einer ihrer schwersten Krisen. Aus diesem Grund findet die MeLa erstmals ohne Milchkühe statt.

 

Milchauszahlungspreise auf dem Tiefpunkt

Die RinderAllianz, ein Zusammenschluss von Rinderzüchtern aus Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg, will die Verbraucher deutlich auf die Milchkrise hinweisen. Warum? Weil sie mehr ist als nur ein Wetterleuchten am sonst vermeintlich blauen Himmel des Marktes. „Das ist ein handfester Wirbelsturm“, betont Dr. Sabine Krüger, Geschäftsführerin der RinderAllianz in Woldegk, „und keiner kann sagen, wie viele der hiesigen Milchbauern übrig bleiben, wenn er vorüber ist!“ Die Milchauszahlungspreise befinden sich auf dem absoluten Tiefpunkt, und das nun seit fast zwei Jahren. Eine Besserung ist kurzfristig nicht in Sicht. 58 Betriebe im Land mussten ihre Produktion bereits einstellen, weil sie dem Druck nicht mehr gewachsen waren.

Mit der Aktion „Milch ist mehr Wert“ möchte die RinderAllianz die Besucher auf die dramatische Lage aufmerksam machen und das Bewusstsein für das landwirtschaftliche Leben schärfen. Aus diesem Grund wird es in diesem Jahr erstmals keine Wettbewerbe für Rinder geben. Nach einer Präsentation von Milchkühen ist derzeit keinem zumute. Die Gedanken und Kräfte werden für die aktuellen Geschehnisse auf dem eigenen Betrieb gebraucht. Die Fleischrindzüchter zeigen sich solidarisch mit ihren Berufskollegen und nehmen lediglich an einer Rassedemonstration teil.

Viele Milchbauern unterstützen die Initiative der RinderAllianz, eine MeLa ohne Milchkühe stattfinden zu lassen. Zum Beispiel Betriebsleiterin Karin Puckhaber vom Landwirtschaftsbetrieb Dr. Manfred Markmann in Bandelstorf bei Rostock. „Wir haben bisher in jedem Jahr unsere Kühe auf der MeLa präsentiert, obwohl das Ganze mit hohem zeitlichen und auch finanziellem Aufwand verbunden ist. Die MeLa ist auch für uns ein besonderer Höhepunkt; man zeigt die Zuchterfolge des vergangenen Jahres. Es ist jammerschade, nicht dabei zu sein.

 

Jungzüchter fragen: Haben wir Zukunft?

Greta und Johanna Puckhaber freuen sich auf den Jungzüchterwettbewerb. © RinderAllianzDoch jetzt kämpfen wir um unsere Existenz und müssen ein Zeichen setzen, dass es so nicht weitergehen kann. Das sind wir auch unseren Berufskollegen schuldig, die aufgeben mussten.“

Sie arbeite sehr gern mit den Tieren, auch wenn das heißt, 365 Tage im Jahr sehr früh aufzustehen und spät ins Bett zu kommen. „Aber was wir nicht können, ist für den halben Preis zu arbeiten“, betont Karin Puckhaber, die mit ihrer Familie 220 Kühe melkt.

Ein Lichtblick ist der Jungzüchterwettbewerb. Unter dem Slogan: „Haben wir eine Zukunft?“ werden die Züchter von morgen präsentieren, dass sie auch weiterhin Milch in Mecklenburg-Vorpommern produzieren wollen und den Spaß an Kühen (noch) nicht verloren haben.

 

Aktuelle Informationen im Rinderzelt

Auch die Kinder von Familie Puckhaber nehmen am Wettbewerb teil: „Die Mädchen freuen sich schon das ganze Jahr darauf, und es wäre nicht fair, ihnen den Spaß zu nehmen. Sie können nichts für die miserable Situation.“ Zudem brauche die Landwirtschaft Nachwuchs, und man könne den wenigen, die dazu Lust hätten, nicht noch die letzte Motivation nehmen.

Im Rinderzelt können Besucher sich am Stand der RinderAllianz über die aktuelle Lage in der Milchproduktion informieren. Mit verschiedenen Aktionen wird über das „Leben auf dem Land“ berichtet. Kälber und eine Demonstration verschiedener Fleischrinderrassen können besichtigt werden – ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall!

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