Grüne Woche in der Länderhalle MV

22.01.2015

© Gerd Rinas

Mutmacher für Frank Kremer (re.): Ministerpräsident Sellering (3. v. li.), Agrarminister Backhaus, Bauernpräsident Tietböhl und AMV-Chef Neumann (li.) besuchen den Landpute-Stand.

Die Salami, die Sonja Martens herüberreicht, hat es in sich. Einen Meter lang, fast zwei Kilo schwer und 25 Euro teuer, ist sie nicht gerade ein Schnäppchen am Stand der LWF Ludwigsluster Fleisch- und Wurstspezialitäten. „Die Wurst hat eine feine Pfeffernote schmeckt unglaublich herzhaft, eine tolle Qualität. Und sie ist ganz schnell aufgegessen“, behauptet Verkäuferin Sonja Martens mit ernster Miene. Der Kunde vor mir ist beeindruckt. Wer hat schon einmal so eine Wurst gesehen?

Über mangelnden Zuspruch können sich die Ludwigsluster am ersten Grüne-Woche-Samstag an ihrem Stand in der MV-Halle 5.2b nicht beklagen. Zwiebelmettbrötchen,  Currywurst, Schinkenspeck, Schmalz und Leberwurst gehen weg wie warme Semmeln. „Wir suchen hier den Kontakt zu den Kunden. Wir wollen wissen, was kommt an, was geht besonders gut“, sagt Geschäftsführer Ulrich Müller. Zusatznutzen: „Hier sehen uns Neukunden. Ein Auftritt auf der Grünen Woche ist ­gute Werbung, für uns und das Land.“

 Während sich am Stand die Kaufinteressenten drängen, ist Müller mit Geschäftspartnern von „All you need“ verabredet. Dabei handelt es sich um den bundesweit größten Online-Supermarkt für Lebensmittel. „Wir arbeiten seit zwei Jahren zusammen. Immer mehr Verbraucher kaufen Lebensmittel online. Hier tun sich neue Chancen auf“, ist sich der Geschäftsführer sicher.

Um fünf bis zehn Prozent sind die Ludwigsluster Fleisch- und Wurstspezialitäten bisher jedes Jahr gewachsen. Die Auftragsbücher sind nach Müllers Angaben gut gefüllt. Die Produktion wird in diesem Jahr erweitert, für ein Blockheizkraftwerk ist Baubeginn. Knapp 70 % des Fleisches, das verarbeitet wird, stammt aus Mecklenburg-Vorpommern. Jährlich werden bis zu zehn Produkte neu entwickelt. Für die kommende Grillsaison ist eine Sanddornbratwurst in Arbeit. „Das Produkt passt zu MV“, findet der Geschäftsführer.

Erfolg beruhe zunehmend auf regionaler Verwurzelung. „Regionalität ist aktuell ein Mega-trend, der sich weiter verstärkt“, betont Ministerpräsident Erwin Sellering, als er an diesem Samstagvormittag den Ländertag MV eröffnet. Frische Produkte aus einheimischen Rohstoffen seien die Stärken regionaler Produzenten. „Das sichert  Arbeitsplätze und hält die Wertschöpfung in der Region“, so Sellering.

In der Molkerei- und Naturprodukt GmbH in Poseritz auf Rügen sind 13 Mitarbeiter tätig. Sie veredeln jährlich 400 000 kg Milch aus der Agrarprodukt Poseritz GmbH. Unter dem Markennamen „Rügener Inselfrische“ wird frische Milch schonend verarbeitet, Inhaltsstoffe werden erhalten. „Reifeprodukte wie Joghurt, Quark und Buttermilch sind naturbelassen und nicht wärmebehandelt, die Milch wird nicht homogenisiert und rahmt wieder auf“, erläutert Geschäftsführerin Dr. Sylva Rahm-Präger, die das Unternehmen 1998 gegründet hatte. Zur Molkerei sind ein Café und der Hofladen hinzugekommen, hier werden tagfrisch 28 Milchprodukte angeboten.

Die Molkerei stellt ihre Erzeugnisse auf dem Gemeinschaftsstand des Rügen-Produktevereins vor. Besucher können wunderbar frische Naturjoghurts mit Früchten für Shakes,  Desserts mit Vanille, Schokolade, Früchte, Käsebällchen und vieles andere mehr probieren und kaufen. „Die Resonanz ist bisher sehr gut“, sagt Dr. Rahm-Präger. Produkte ihrer Molkerei sind in Supermärkten erhältlich, auch Hotels und Restaurants zählen zu den Kunden. „Verläßlichkeit und Qualität waren für die Entwicklung des Unternehmens die entscheidenden Voraussetzungen“, so die Geschäftsführerin. Mindestens ebenso wichtig sei die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Poseritzer Landwirtschaftsbetrieb.

Auf enge Beziehungen zu den Landwirten in der Region legt auch die Mecklenburger Kartoffelveredlung GmbH Hagenow großen Wert. In dem Werk, das seit Juli 2013 zur Emsland-Gruppe gehört, werden jährlich140 000 t Rohware zu Kartoffelflocken und weiter zu Pürree, Klößen, Bratkartoffeln und anderen Produkten verarbeitet. 30 bis 40 % der Kartoffeln kommen von Landwirten aus der Region, die übrige Menge von Anbauern aus Niedersachsen. Drei Produktneuheiten haben die Hagenower mit nach Berlin gebracht: Kartoffelpüree mit Zitronenpfeffer, mit Petersilie und Rosmarin sowie mit Bärlauch.

Koch Sebastian Glaß stellt Besuchern das neue Konzept „Natürliches Kochen aus Mecklenburg-Vorpommern“ vor. Neben den Kartoffelprodukten aus Hagenow wird frisches Wintergemüse aus der Region wie Steckrüben, Pastinaken, Möhren und Rote Beete verwendet. „Für uns ist der Kontakt zum Endverbraucher wichtig. Wir sehen hier, wie unsere Produkte angenommen werden und erfahren direkt, welche Wünsche die Konsumenten haben“, erläutert Jörg Jakob, verantwortlich für die Betreuung solcher Kunden wie Lidl, Kaufland und Edeka. Für die Hagenower Marke „Mecklenburger Küche“ sieht Jakob Wachstumsmöglichkeiten. „Bisher werden etwa zehn Prozent der Produktion exportiert. Größter Markt ist Frankreich. Nimmt man die Industrieproduktion hinzu, sind es etwa 30 Prozent.“ Auch in den alten Bundesländern sei der Absatz ausbaufähig.

Am Nachbarstand bei der Mecklenburger Landpute, Severin, hat Geschäftsführer Frank Kremer ganz andere Sorgen. „Alles Gute von der Pute“ findet an den ersten zwei Messetagen spürbar weniger das Interesse der Besucher als sonst. Kremer glaubt, die Ursache zu kennen: Kurz vor Beginn der Grünen Woche hatte ein Fernsehmagazin über hohe Keimbelastungen von Putenfleisch bei Discountern berichtet. „Solche Belastungen sind nicht zu akzeptieren“, stellt Kremer klar. „Wir liefern aber kein Frischfleisch an Discounter. Wir sind garantiert nicht gemeint. Viele Verbraucher machen aber keinen Unterschied, sondern scheren alle Produzenten über einen Kamm“, klagt der Geschäftsführer.

Dagegen helfe nur Transparenz. „Wer will, kann sich in unseren Farmen informieren. Wir haben mit gläserner Produktion keine Berührungsängste“, versichert Kremer. Die Mecklenburger Landpute vermarktet ihr Frischfleisch in eigenen Läden und auf Wochenmärkten, nur verarbeitete Produkte, Wurst, Salate und Konserven werden auch in Supermärkten  verkauft. „Mit diesem Konzept haben wir gute Erfahrungen gemacht, diesen Weg werden wir weitergehen“, so Kremer. Bei ihrem Eröffnungsrundgang stellen sich Ministerpräsident Sellering, Agrarminister Backhaus, Bauernpräsident Tietböhl und weitere Gäste am Landpute-Stand mit Kremer den Fotografen. „In dem Betrieb wird vorbildliche Arbeit geleistet“, betont Günther Neumann, Chef des Agrarmarketingvereins MV, gegenüber Journalisten und probiert von den Häppchen mit   Putenlachs, -salami und anderen Spezialitäten. „Das ist köstlich und nur zu empfehlen“, lobt Neumann. Kremers Miene hellt sich auf.  Noch aus einem anderen Grund: Gerade wurde er aus der Firmenzentrale angerufen: Einem großen Supermarkt sind Landputeprodukte ausgegangen. Jetzt hat man Ware nachgeordert. „Das sind immer noch die besten Nachrichten in diesen Zeiten“, freut sich Kremer.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr