Gewässerzustand kaum verbessert

07.11.2014

© Edgar Offel

Dränteiches Jürgenshagen

Auf einer Länge von 350 Metern zieht der Dränteich bei Jürgenshagen seine Schleife, bevor er in die Beke mündet. Noch ist der Teich spärlich bewachsen. Voll in Aktion soll er große Mengen Nitrat und Phosphor aus der Dränage filtern und 92 Hektar Acker entwässern. Betrieben wird der Teich vom Wasser- und Bodenverband „Warnow-Beke“. Warnow und ihr Zufluss Beke gehören zu den am stärksten belasteten Gewässern Mecklenburg-Vorpommerns. Verbandsvorsteher Michael Constien sah in Brandenburg Versuchsanlagen, die bis zu 41 % Stickstoff aus dem Nitrat vergasen. Das hatte ihn überzeugt. Als Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Jürgenshagen, die die benötigten 2,5 ha Grünland nutzte, ermöglichte er den ersten großen Feldversuch eines Retentionsteiches in Mecklenburg-Vorpommern.

Auf dem 4. Symposium ­„Dialog Wasserrahmenrichtlinie“ in Güstrow erhielten Constiens Hoffnungen aber einen deutlichen Dämpfer. Eigentlich sollte sein Dränteich als Rettungsanker vorgestellt werden, mit dem die Nährstoffausträge aus den Dränagen wirksam reduziert werden könnten. Aber ausgerechnet Dr. Jörg Steidl, der Projektbetreuer vom ZALF Müncheberg, zerstörte die Illusion: Nach einem Jahr konnte er keine verlässlichen Zahlen zur Wirksamkeit vorlegen. Die wenigen Daten, die zur Verfügung standen, waren mehr als enttäuschend. Zudem führte Steidl gravierende Nachteile an. So kostete der Teich 330 000 €. Weil es sich um ein Pilotprojekt handelte, zahlte das Land. Der Aufwand der Unterhaltung ist noch völlig unklar. Ein Dränteich könnte bestenfalls eine Maßnahme unter vielen sein, war Steidls Fazit. Aber keineswegs der Rettungsanker.

Der Dränteich von Jürgenshagen steht somit als Gleichnis für die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie. Mehr als hoffnungsvolle Ansätze kamen bisher nicht zustande. Der entscheidende Satz des Symposiums fiel mehr nebenbei, könnte aber bedeutungsschwer für die Landwirte werden. „Die bisherigen Maßnahmen reichen nicht aus, ergänzende Maßnahmen werden erforderlich sein“, sagte Ute Hennings, die als Abteilungsleiterin Wasser und Boden im Landwirtschaftsministerium politisch für die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) im Land zuständig ist. Vor dem Satz hatte sie ausgeführt, dass sich gegenüber 2009 der Zustand von 75 % der Fließ- und Grundwässer im Lande nicht verbessert hätte. Und wo dies geschehen sei, nicht in dem Maße, wie es von der EU gefordert würde. Deren Kriterien eines „guten Zustandes“ würden nur sieben Prozent der Gewässer erfüllen. Da es offenbar in anderen Ländern nicht anders aussieht, hat die EU-Kommission gegen Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet.

Brüssel übt Druck aus. Die Düngeverordnung solle drastisch verschärft werden, um die diffusen Nährstoffeinträge in die Wasserkörper deutlich zu reduzieren. Dr. Alexander Bachor vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG), untermauerte die Beschreibung des chemischen Zustandes mittels der Ergebnisse der über 500 Messstellen. Beim Dezernenten Bachor laufen alle diese Daten auf, die auf Anfrage auch herausgegeben werden. Als einige Zuhörer versuchten, die Ergebnisse infrage zu stellen und bezweifelten, dass Einträge aus der Landwirtschaft die Hauptursache der schlechten Werte seien, verlor der sonst eher ruhige Wasserwirtschaftler kurzzeitig die Fassung. „Wenn das von einigen immer noch in Zweifel gezogen wird, finde ich das schlicht zum Kotzen“, entfuhr es ihm. „Es kann doch auch nicht in Ihrem Interesse sein, dass nachweislich so viel Stickstoff ungenutzt Ihre Äcker verlässt.“ Nach Angaben von Hennings gelangen jährlich rund 32 000 t Stickstoff in die Gewässer. 23 000 t über die Dränagen. Vorwiegend in den Wintermonaten.

Angesichts der Konsequenzen für die Landwirte mahnte Marco Gemballa, Vizepräsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern, zum Abschluss des Symposiums an, dass nicht nur ökologische Zielstellungen betrachtet werden sollten. Nachhaltigkeit verlange auch die Berücksichtigung sozialer und ökonomischer Faktoren.


Edgar Offel

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