Gefahr ist nicht gebannt

14.12.2016

Tauben © Sabine Rübensaat

Wenn Krisen zu managen sind, läuft Agrarminister Till Backhaus normalerweise zur Hochform auf. Doch die Geflügelpest fordert offenbar ihren Tribut. „Seit dem 8. November schlagen wir uns mit dem Virus rum. Das macht einen schon traurig“, gewährte ein leicht genervter Minister am Mittwoch voriger Woche Einblick in sein Seelenleben. SPD und CDU hatten im Landtag eine Debatte über die Bekämpfung der Geflügelpest auf die Tagesordnung gesetzt. Immerhin ließ Backhaus an einer Erkenntnis keinen Zweifel: „Bislang haben wir Glück gehabt.“

 

Große Dynamik


Nach seinen Angaben sind bis Mitte voriger Woche 753 Tiere wegen der Geflügelpest getötet und 158 Wildvögel positiv auf das Geflügelpestvirus getestet worden. Das hochpathogene H5N8-Virus wurde in 55 Fällen nachgewiesen und zwar in allen Landkreisen.


Nach Backhaus’ Einschätzung breitet sich das Virus in „noch nie dagewesener Dynamik“ aus. Außer Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen seien alle Bundesländer betroffen. Deshalb könne er nicht nachvollziehen, dass bisher kein bundesweites Aufstallungsgebot erlassen wurde.


Für die Bekämpfung der Seuche im Land zog er ein positives Fazit. Veterinäre, Kommunen, die Mitarbeiter im Krisenzentrum, Landwirte, Jäger und Ornithologen sowie das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems zeigten großen Einsatz.  Nach 21 Tagen ohne neuen Virusfund sei festzulegen, welche gesperrten Gebiete freigegeben werden könnten. Die Gefahr sei aber nicht gebannt. „Millionen Wildvögel werden zur Rast erwartet. Es bleibt Vorsicht geboten.“

 

Praxis hinterfragen


„Viele Freilandgeflügelhalter können ihre Tiere nicht 24 Stunden am Tag in Ställen unterbringen“, machte Holger Kliewe, agrarpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, aufmerksam. Es würde sinnvoll sein, im Agrarinvestitionsförderprogramm Möglichkeiten zu schaffen, die Halter zu unterstützen, schlug der Landwirt aus Mursewiek auf Rügen vor.


Nutzgeflügel in Intensivhaltungen in Sperrgebieten würde bisher getötet, auch wenn das Virus im Bestand nicht nachgewiesen wurde. „Vielleicht sollte man dieses Herangehen künftig hinterfragen“, gab der Landwirt zu bedenken. Kliewe selbst war davon als erster Freilandgeflügelhalter bundesweit 2006 betroffen, als sein Bestand mit 2 000 Stück Geflügel in einer spektakulären Aktion vor den Augen der Weltöffentlichkeit vorsorglich getötet wurde. Er begrüßte das Herangehen der Behörden in Schleswig-Holstein, wo unter Beachtung der Unterschiede zwischen hoch- und niederpathogenen Viren ein Bestand mit 4 000 Zuchtgänsen zunächst unter Quarantäne gestellt und beobachtet wurde.


Der Abgeordnete Ralf Borschke von der AfD wies ebenfalls auf das notwendige Augenmaß beim Seuchenschutz hin. „Größtenteils sehen wir die Stallpflicht als angemessen an.“ Er forderte „gezielte Maßnahmen zur Zukunftssicherung der Betriebe“, allerdings ohne seine Vorstellungen näher zu erläutern.

 

Erstmals bei Tauben


Elisabeth Aßmann, agrarpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, wies darauf hin, dass erstmals auch bei Tauben das Virus nachgewiesen wurde. „Deshalb sind nun auch Vierbeiner, also Katzen und Hunde, unter Kontrolle.“ Eine intensive Kommunikation mit Tierhaltern und Verbrauchern sei wichtig, um der Unsicherheit im Umgang mit der Geflügelpest zu begegnen, betonte Aßmann.


Organisations- und Handlungsstrukturen bei der Bekämpfung der Seuche seien effektiv, sagte Dr. Wolfgang Weiß, agrarpolitischer Sprecher der Linksfraktion.  „Es gibt aber keinen Anlass für Leichtfertigkeit. Die Risiken sind noch immer nicht vollständig geklärt. Mutationen gehören ebenso zur Natur von Viren, wie Viren zur Natur.“ Gegen Verunsicherung und diffuses  Unbehagen angesichts unbekannter Gefahren helfe vor allem vertiefte naturwissenschaftliche Bildung, betonte der Abgeordnete.

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