Fragen an die Pflanzenzüchter

11.08.2015

Getreidepflanzen © Claudia Schalla

Die Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern haben dieses Jahr fast 70 % zertifiziertes Saatgut eingesetzt. Das ist ein Erfolg der Saatgutbranche
in MV. Maßgeblich trug dazu das vom Landesbauernverband unterstützte Projekt des Saatgutverbandes „pro-Z-Saatgut“ bei. Der Saatgutverband MV, in dem auch Mitglieder unseres Verbandes auf ca. 25 000 ha Saatgut vermehren, und der Landesbauernverband müssen jedoch feststellen, dass die Züchterunternehmen scheinbar kein Interesse an der Fortführung des Projektes haben.

 

Zusage zurückgezogen


Die Züchtungsunternehmen gewähren den Landwirten, die 100 % Z-Saatgut einsetzen, einen Rabatt auf das bezogene zertifizierte Saatgut. Die Rabatte betrugen in den vergangenen Jahren 13 bis 20 €/t Z-Saatgut. Die Rabatte sollten deutlich erhöht werden, was die Züchter jedoch ablehnen. Das halten wir für sehr bedauerlich.


Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Züchterlizenzgebühren seit Beginn des Projektes durchschnittlich um 6 bis 8 % jährlich gestiegen sind. Beispielsweise sind sie bei Weizen von etwa 70 €/t auf über 100 €/t gestiegen, bei Gerste von etwa 70 €/t auf über 110 €/t. Ob der Sortenfortschritt die Kostensteigerung rechtfertigt, stellen die Verbände in Frage.

 

Große Unterschiede


Ab 2016 wird Getreidesaatgut in Einheiten gehandelt. Umgerechnet auf die Tonne werden dann Lizenzgebühren von über 160 €/t fällig. Weitere Fragen ergeben sich beim Vergleich der Lizenzen mit anderen europäischen Ländern. So beträgt in MV die Lizenzgebühr für die anbaustärkste Wintergerstensorte 119,50 €/t, in Dänemark sind es 65,60 €/t. Und das vor dem Hintergrund, dass in MV der Z-Saatguteinsatz relativ konstant ist.


Ich möchte alle Landwirte bitten, in den Gesprächen zur Aussaat in diesem Jahr auch mit den Züchtern das Projekt „pro Z-Saatgut“ kritisch anzusprechen. Unsere Forderung ist, die Rabatte in Richtung 50 €/t bei 100-prozentigem Z-Saatguteinsatz zu erhöhen. Aus meiner Sicht kann nur so ein hoher Z-Saatguteinsatz im Land dauerhaft erreicht werden. Das dient den Landwirten über den Sortenfortschritt, den Vermehrern, den VO-Firmen und letztlich auch den Züchtern. Ein Ende des Projektes wollen wir derzeit noch nicht in Betracht ziehen.

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