Ferkeltöten auf dem Prüfstand

31.07.2014

© Sabine Rübensaat

Um das Töten nicht überlebensfähiger Ferkel ist eine öffentliche Diskussion entbrannt.

Über das Töten von Ferkeln mit Missbildungen oder starkem Untergewicht soll in Mecklenburg-Vorpommern künftig erst nach mehrfachem Begutachten der Tiere entschieden werden. Dabei sollen in einem ersten Schritt der gesamte Wurf beurteilt und auffällige Ferkel gekennzeichnet werden. In einem zweiten Schritt werden diese Ferkel ein weiteres Mal auf ihre Lebensfähigkeit ­geprüft. Erst wenn sich bei der zweiten Kontrolle zeigt, dass das Tier nicht überlebensfähig ist, erfolgt eine Selektion.

Auf dieses mehrstufige Verfahren orientierte Landestierärztin Dr. Maria Dayen auf einer Beratung im Agrarministerium. Bei dem Treffen ging es darum, die tierrechtskonforme Auslegung des Betäubens und Tötens von nicht überlebensfähigen Ferkeln zu konkretisieren. An dem von Landestierärztin Dayen geleiteten Treffen nahmen nach Angaben aus dem Landwirtschaftsministerium unter anderem Vertreter der Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämter der Landkreise und kreisfreien Städte, der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei, des Schweinekontroll- und Beratungsringes, vom Hybridschweinezuchtverband Nord-Ost, vom Landesbauernverband sowie Sauenhalter teil.

Auf der Beratung wurde klargestellt, dass Ferkel nicht getötet werden dürfen, indem sie mit dem Kopf an Buchtenwände oder auf den Fußboden geschlagen werden. Der sogenannte Kopfschlag ist nur zum Betäuben zulässig. Allerdings soll dies in einem gesonderten Bereich des Stalls erfolgen. Unmittelbar nach dem Betäuben sollen nicht überlebensfähige Ferkel durch Kohlendioxid, Kehlschnitt oder Herzstich getötet werden. Danach müsse der Tod eindeutig festgestellt werden, hieß es. All diese Schritte seien von ein und derselben Person mit entsprechender Sachkunde auszuführen. Dabei sei sicherzustellen, dass die Tiere vor unnötigem Leid und Schmerzen bewahrt werden. „Überzähligkeit“ sei kein Grund, ein Ferkel zu töten.  Die Tierhalter sind gefordert, ihre Arbeitsabläufe für eine rechtskonforme Tötung weiter anzupassen. Im Ministerium werde an einem Merkblatt und einem Erlass für das mehrstufige Verfahren beim Betäuben und Töten von nicht lebensfähigen Ferkeln gearbeitet, verlautete nach der Beratung aus Schwerin.  

Anlass des kurzfristig einberufenen Treffens waren nach Angaben aus dem Ministerium Medienberichte über möglicherweise rechtswidrige Ferkeltötungen. Illegal aufgenommene Filmaufnahmen zeigten unter anderem im Tierzucht-Gut Losten, wie nicht lebensfähige Ferkel an der Buchtenwand erschlagen werden.

Mittlerweile werden in Losten nach Angaben von Geschäftsführer Alwin Neteler Ferkel unter Aufsicht eines Tierarztes tierschutzgerecht eingeschläfert. „Tötung per Kopfschlag wird es bei uns nicht mehr geben“, versicherte Neteler.
Bei der Diskussion, welches Tötungsverfahren sowohl für die Ferkel als auch die Mitarbeiter am wenigsten belastend sei, schälte sich für die Zukunft der Einsatz von Kohlendioxid als möglicherweise geeignetste Variante heraus.

„Tierschutzgesetzkonform wären ebenfalls Kehlschnitt oder Herzstich nach dem Betäuben durch Kopfschlag. Für die Mitarbeiter aber sind diese Verfahren belastend. Außerdem würden die blutigen Bilder in der Öffentlichkeit vermutlich wieder Kritik hervorrufen. Deshalb ist der Einsatz von Kohlendioxid bedenkenswert“, sagte Rainer Tschirner, Geschäftsführer der GGAB Agrarbetrieb Groß Grenz GmbH, nach der Beratung. „Ich habe den Eindruck gewonnen, dass Agrar- und Veterinärverwaltung, Agrarforschung und Fachberatung gemeinsam mit den Schweinezüchtern ernsthaft nach ak­zeptablen und praktikablen ­Lösungen suchen wollen“, sagte der Landwirt nach dem Treffen. Für den Einsatz von Kohlen­dioxid sei nun zu prüfen, ob es bereits praxisreife, wirtschaftliche und sichere Verfahren gebe. „Sie müssen ebenfalls garantieren, dass Mitarbeiter nicht gefährdet werden“, betonte Tschirner.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr