Felder in Flammen

11.07.2018

© Danny Gohlke/dpa-Zentralbild/dpa

In Rostock-Riekdal löschten Feuerwehrleute am Dienstag voriger Woche ein brennendes Getreidefeld. Nach Zeugenaussagen ist der Brand durch einen Vogel entstanden, der auf der Oberleitung der Bahn einen Kurzschluss auslöste und brennend zu Boden fiel. Aufgrund der Trockenheit geriet das angrenzende Feld in Brand. Nach ersten Schätzungen ist Getreide auf ca. 7 ha verbrannt.

Angesichts der steigenden Zahl von Feldbränden appellierten Agrarminister Till Backhaus und Landesbauernpräsident Detlef Kurreck in einer gemeinsamen Erklärung an die Landwirte Mecklenburg-Vorpommerns, alles zu unternehmen, um weitere Brände auf Ackerflächen zu verhindern. „Die Lage ist dramatisch. Die ohnehin knappe Ernte ist jetzt durch Feld- und Flächenbrände in höchster Gefahr“, sagte Backhaus. Zuvor hatten die Feuerwehren mehr als 15 Feldbrände im Land gelöscht. Dazu kamen weitere Brände an Maschinen und Strohballen. „Bisher ist rund eine halbe Million Euro Schaden entstanden“, so der Minister.

 

In ihrer Erklärung rufen Backhaus und Kurreck die Landwirte zu Prävention und Eigeninitiative auf, um weitere Feldbrände zu verhindern. So sollen sie vor Druschbeginn Wasserwagen mit ausreichend Löschwasser für den Brandfall und Bodenbearbeitungsgerät mit Zugmaschine auf dem Acker bereitstellen. Ernte­maschinen sollen gewartet und mit Handfeuerlöschern ausgestattet sein, Reparaturen an den Maschinen nur auf brandsicheren Flächen ausgeführt werden. Beim Ernten sollen Brandschutzstreifen zu benachbarten Flächen und Wäldern angelegt und umbrochen werden, damit sie schwer entflammbar sind; die Felder sollen durch das Beernten ausreichend breiter Streifen in Sektoren unterteilt werden. „Ich appelliere an jeden einzelnen Landwirt, bei der Ernte in dieser angespannten Situation umsichtig und verantwortungsvoll vorzugehen, um weitere Schäden durch Feldbrände abzuwenden“, unterstrich der Minister.

 

Unterdessen stieg die Zahl der Feld- und Waldbrände im Wochenverlauf weiter an. Allein am Mittwoch voriger Woche regis­trierte das Innenministerium landesweit rund 50 Brände, wobei sich ein Feuer in einem Waldgebiet bei Groß Laasch im Landkreis Ludwigslust-Parchim durch Explosionen von Munition aus dem Zweiten Weltkrieg als besonders gefährlich erwies. Unter Einsatz von Hubschrauber, Löschpanzer und großer Mengen Wasser konnte der Brand bis Wochenbeginn von Feuerwehren und Bundeswehr gelöscht werden.

 

Landesbauernpräsident Kurreck dankte den Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren und der Berufsfeuerwehren am Freitag voriger Woche für ihren großen Einsatz. „Bei den ohnehin schon schlechten Ernteergebnissen gibt es kaum Rettung, bei den Feuern zum Glück schon. Vielen Dank für jede helfende Hand“, sagte Kurreck auch Landwirten und Dorfbewohnern, die sich und die Wehren unterstützten.

 

Unterdessen zeichnen sich noch schlechtere Ernteergebnisse als in den beiden vorangegangenen Jahren ab. Das Agrarministerium hat eine Arbeitsgruppe „Dürre“ berufen. Darin arbeiten Vertreter von Ministerium, Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei, LMS-Agrarberatung und Bauernverband mit. Nach ersten Schätzungen drohen bei Getreide und Raps Ertragsausfälle zwischen 25 und 50 %. Das Ministerium hat Unterstützungsmaßnahmen angekündigt kommendes(kommende Ausgabe der Bauernzeitung Heft 28/2018, Nordausgabe MV, S. 12).

 

Zusammen mit dem Deutschen Bauernverband fordern die Bauernverbände in MV und Brandenburg, den Notstand auszurufen. Damit könnten die Landwirte einfacher direkte Hilfe erhalten, sagte Bauernpräsident Kurreck zu Wochenbeginn. Die Betriebe bräuchten dringend Liquiditätshilfen. Laut Bauernverband drohen den Unternehmen im Land ein Viertel der Jahreseinnahmen von etwa 1,6 Mrd. € verloren zu gehen.

 

Die Bauernverbände fordern außerdem Unterstützung des Bundes und der Europäischen Union. Am Mittwoch nahm Agrarminister Backhaus mit Bundesagrarministerin Klöckner und seinen Länderkollegen am Bund-Länder-Gespräch zur Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik in Brüssel teil. Dabei kam es auch zu Gesprächen mit den EU-Kommissaren Hogan und Oettinger. Auf dem Treffen wurde nach Angaben aus dem Schweriner Agrarministerium auf Initiative von Mecklenburg-Vorpommern auch die aktuelle Situation der Landwirtschaft thematisiert. Der Bund habe zugesichert, bis Ende Juli die Agrarministerien der Länder zur Beratung einzuladen, um sowohl die Auswirkungen der Dürre im Norden als auch der Starkregenereignisse im Süden zu analysieren und Maßnahmen zu erörtern.

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