FBN Dummerstorf feiert 75 Jahre Nutztierforschung

02.04.2014

© FBN

In der Experimentalanlage Rind: Hier werden über einen Trittschall Erkrankungen von Kühen untersucht.

Gemeinsam mit der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei MV (LFA) und der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät (AUF) der Universität Rostock begeht das Leibniz-Institut für Nutzierbiologie Dummerstorf (FBN) in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum: Seit 75 Jahren wird in Dummerstorf Nutztierforschung betrieben. Der Wissenschaftsstandort ist somit einer der ältesten und inzwischen die größte Forschungseinrichtung dieser Art in Deutschland. Anlässlich des Jubiläums findet vom 16. bis 19. September eine Festwoche in Dummerstorf statt (das Programm veröffentlicht die BauernZeitung in einer ihrer nächsten Ausgaben). In deren Rahmen werden hier auch die Mitgliederversammlung der Gesellschaft für Tierzuchtwissenschaft (GfT) sowie die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde e. V. (DGfZ) abgehalten. Zur Festwoche werden 250 Experten aus dem In- und Ausland sowie zahlreiche Ehrengäste erwartet.

Vom Kaiser Wilhelm-  zum Leibniz-Institut

„Dummerstorf ist seit 75 Jahren eine weltweit beachtete Adresse der Nutztierforschung“, sagte Institutsvorstand Prof. Manfred Schwerin. „Angesichts der globalen Ernährungs-, Ressourcen- und Klimaprobleme hat die Nutztierforschung in Mecklenburg-Vorpommern in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen.“ Aufgrund der immer härter und sehr emotional geführten öffentlichen Debatte zur Zukunft einer nachhaltigen Landwirtschaft und Tierhaltung sind nach Auffassung Schwerins gerade die Wissenschaftler gefordert, sich in diese gesellschaftliche Diskussion stärker einzubringen und zu realistischen Lösungsansätzen beizutragen.

Am 1. September 1939 wurde auf der rund 800 ha umfassenden Feldmark des Gutes Dummerstorf das Kaiser-Wilhelm-Institut für Tierzuchtforschung gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Dummerstorf Versorgungsbetrieb der Roten Armee. Zum 1. Oktober 1946 wurde das Institut der Deutschen Wirtschaftskommission als Zentralforschungsanstalt für Tierzucht übergeben. Ab 1. Januar 1952 übernahm die neu gegründete Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR die Einrichtung als Institut für Tierzuchtforschung. Zum 30. März 1962 wurde das Institut mit der Funktion eines Leitinstituts auf dem Gebiet der Rinder- und Schweinezucht in der DDR betraut. Zum 1. Januar 1970 wurde daraus das Forschungszentrum für Tierproduktion (FZT) Dummerstorf-Rostock. Es koordinierte auch die Forschungsarbeiten zu den biologischen Grundlagen der Tierproduktion für Osteuropa.

Globale Probleme – vernetzt forschen

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden in Dummertorf am 2. Januar 1992 das Institut für Tierproduktion der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei und am 29. Januar 1993 das heutige Leibniz-Institut (FBN) für Nutztierbiologie gegründet. Darüber hinaus entstanden mehrere An-Institute an der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock. Das sind die historischen Eckdaten des Forschungsstandortes. Aus Anlass des Jubiläums erfolgt eine geschichtliche Neubewertung, die in einer Festschrift veröffentlicht wird.

Das FBN Dummerstorf erforscht die Systemfunktionalität von Nutztieren für eine tiergerechte, ressourcen-, klima- und umweltschonende Tierhaltung als Grundlage der balancierten Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte tierischer Herkunft. In sechs Instituten arbeiten 60 Wissenschaftler aus zwölf Nationen und verschiedener Fachdisziplinen daran, die Grundlagen von Genetik, Fortpflanzung, Ernährung, Verhalten, Wachstum und Entwicklung landwirtschaftlicher Nutztiere zu verstehen und für eine innovative und nachhaltige Tierzucht zu nutzen. Aktuelle Forschungsprojekte befassen sich unter anderem mit dem „ökologischen Fußabdruck“ bei Geflügel und Schweinen, also der Ressourceneffizienz in der Tierhaltung, der Entwicklung der regionalen Aquakultur heimischer Fische, der Verhaltensforschung im Interesse des Tierwohls, der Entschlüsselung genetischer Erbinformationen auch zur Verbesserung der Tiergesundheit sowie der Reduzierung des Methanausstoßes bei Rindern.

Das Budget des FBN betrug im vergangenen Jahr 20,5 Mio. €, davon waren 2,1 Mio. € eingeworbene Drittmittel. Das FBN ist an rund 140 Forschungsprojekten in Kooperation mit mehr als 320 Institutionen in 43 Ländern beteiligt. 25 Wissenschaftler aus dem FBN engagieren sich über Lehrverpflichtungen an fünf Universitäten. Allein 45 Mio. € für Neubauten und Modernisierungen wurden in den vergangenen 20 Jahren in den Dummerstorfer Forschungscampus investiert. Seit 2011 gehören ein Modelltierlaboratorium und seit 2012 eine neue Experimentalanlage Rind zum Institut.     

www.fbn-dummerstorf.de


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