Erntestart mit Hindernissen

17.07.2014

© Gerd Rinas

„Kehrt marsch!“ hieß es am vorigen Freitag für die Mähdrescher des Agrarbetriebes Groß Grenz: Die Wintergerste nahe Groß Grenz erwies sich als noch zu feucht.

Thomas Reim, GbR Reim, Sperling, Gühlke, Schwennenz, Vorpommern-Greifswald:

■ Wir erwischten dieses Mal einen Auftakt nach Maß: Am 4. Juli fuhren wir das erste Mal in die Wintergerste, am 6. Juli waren 40 ha beerntet. Ohne Komplikationen und früher als in vergangenen Jahren. Normalerweise geht es bei uns zwischen dem 5. und 10. Juli in der Wintergerste los. Die Qualität der Wintergerste ist gut, der Ertrag außergewöhnlich: Mit 80 bis 90 Doppelzentnern  ernten wir auf unseren 35er Böden voraussichtlich zehn bis zwanzig Dezitonnen mehr als im fünfjährigen Mittel. Das hat vor allem damit zu tun, dass wir in diesem Frühjahr von der Vorsommertrockenheit verschont blieben. Die Niederschläge fielen seit dem vorigen Herbst fast immer dann, wenn wir sie brauchten. Einige Kollegen in der Nachbarschaft sind schon im Raps. Wir haben 150 ha mit der Ölfrucht bestellt. Nach einem Probedrusch haben wir uns entschieden, noch zu warten. Ab dem 25. Juli rechne ich mit dem Beginn der Weizenernte auf 130 ha. Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Dann bleiben noch hundert Hektar Roggen. Ein Teil der Ernte wird als wirtschaftseigenes Futter für unsere Milchkühe verwendet. Die Weizen- und Roggenernte können wir fast vollständig einlagern. Das haben wir auch mit dem Raps vor. Als im vergangenen Herbst die Preise zwischen 34 und 38 Euro pro Dezitonne stehenblieben, beschlossen wir, noch nicht zu verkaufen. Das war aus heutiger Sicht keine so gute Idee: Mit den Preisen ging es weiter bergab.  Nun müssen wir schauen, wie sie sich entwickeln. Wann verkauft wird, entscheiden wir, da verlassen wir uns nicht auf den Händler.

Karl-Friedrich Nietiedt, Agrar GmbH Vipperow, Mecklenburgische Seenplatte:

■ Wir sind seit dem 7. Juli in der Wintergerste. 300 ha stehen zum Drusch an. Allerdings hat uns der Regen in den vergangenen Tagen immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht: Am Montag schafften wir nur knapp zehn Hektar. Weiter ging es erst am Donnerstag und Freitag. Zu Wochenanfang hatten wir die Gerste von einem Drittel der Fläche geborgen. Allerdings war es kein leichter Drusch: Ein Teil der Ernte muss getrocknet werden, weil sich vor allem in den Senken die Feuchte im Getreide hält.

Die Hektolitergewichte sind bisher durchwachsen. Ich hoffe, dass die Wetterfrösche recht behalten und in den nächsten Tagen die Sonne scheint. Sonst wird es langsam kritisch. Regen und Wärme im Wechsel beschleunigen das Pflanzenwachstum. Bei uns sind auf über 1 000 ha Wintergerste, -raps, -weizen und Roggen zu ernten. Davon ist ein Teil als wirtschaftseigenes Futter vorgesehen. Der größere Teil der Ernte wird vermarktet. Über die Hälfte des voraussichtlichen Ertrages ist durch Vorverträge gebunden, die wir im vergangenen Winter und Frühjahr abgeschlossen haben.  

Uwe Müller, Leiter Pflanzenproduktion in der GGAB Agrarbetrieb Groß Grenz GmbH, Landkreis Rostock:

■ Für uns begann die Ernte mit einer unangenehmen Überraschung: Als wir am vorvergangenen Sonntag in der Gerste starten wollten, stellten wir fest, dass an unserem New Holland-Mähdrescher die Zapfwelle fehlte! Am Mittwoch, als die Fahrer die Drescher auf den Einsatz vorbereitet hatten, war noch alles an seinem Platz. Später zeigte sich, dass auch die Zapfwellen von zwei Schwadern und zwei Feldspritzen fehlten. Die Diebe werden immer dreister. Nach drei Stunden Verzögerung konnten wir dann loslegen. Von der Wintergerste waren am Montag von 173 ha 101 ha unter Dach und Fach. Darunter die Sorten Tenor, Lomerit und Meridian vollständig. Die Sorte Souleyka steht auf 35 ha, reift in diesem Jahr aber später ab. Auswinterungsschäden führten zum Teil zu Zwiewuchs. Außerdem fehlen noch 37 ha von der nach Mais bestellten Sorte Zoom.

Insgesamt ist der Ernteauftakt bei uns eher zäh. Niederschläge sorgten in der vorigen Woche für unfreiwillige Pausen. Der Regen hatte auch Folgen für die Bergung des Strohs, das wir als Futter und Einstreu für unsere Rinder verwenden. Es wieder trocken zu bekommen, kostet zusätzlichen Aufwand. Zu Wochenanfang sind noch 72 ha Wintergerste zu dreschen. Danach warten Raps und Winterweizen auf jeweils rund 300 ha, Sommertriticale und Erbsen auf je 35 und Roggen auf 94 ha. Mit bisher rund 80 Dezitonnen pro Hektar  deutet sich bei der Wintergerste ein ähnlich guter Ertrag wie im Vorjahr an, aber abgerechnet wird bekanntlich am Schluss. Der größere Teil der Wintergerste wird als wirtschaftseigenes Futter eingelagert, 150 t wurden an die HaGe Kiel vermarktet, allerdings zu schlechteren Preisen als im vorigen Jahr. Einen Teil der Rapsernte haben wir im Frühjahr per Vorkontrakt vermarktet, ebenso 450 t Weizen. Die übrige Ernte wird eingelagert, in der Hoffnung, dass die Preise steigen.

Jörg Hünemörder, Landwirtschaftsbetrieb Jörg und Ralf Hünemörder, Stofferstorf, Nordwestmecklenburg:

■ Wir haben am 3. Juli die erste Gerste gedroschen, zwölf Tage früher als im vorigen Jahr. Fertig geworden sind wir am 11. Juli. Trotz Regen sind wir gut durchgekommen. Nach drei Druschtagen waren die 60 ha Gerste vom Halm. Es wurde Zeit, der Bestand drohte zusammenzubrechen. Das Hektolitergewicht liegt bei 63, der Ertrag auf 50er Boden voraussichtlich auf Vorjahresniveau bei 85 Dezitonnen pro Hektar. Für die Gerste haben wir keine Vorkontrakte abgeschlossen. Die Ernte wird eingelagert. Voraussichtlich am Wochenende fahren wir in den Raps. Nach den 130 ha Ölfrucht folgen 220 ha Weizen und acht Hektar Hafer, den wir für Pferdehalter anbauen und direktvermarkten.

Michael Pahlow, Landwirtschaftsbetrieb Michael Pahlow, Zülow, Ludwigslust-Parchim:

■ Wir sind vorige Woche Donnerstag in der Gerste gestartet. Heute, am Montag, sind 70 ha geerntet, 20 ha stehen noch. Das ist ein Druschtag. Bei allem Ärger über die Niederschläge – für die Stoppelbearbeitung und die Bodengare hat der Regen auch sein Gutes. Außerdem blieb in den Regenpausen Zeit, die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien zu verfolgen. Das passte! Nach der Wintergerste sind knapp 90 ha Raps oder früher Weizen zu dreschen. Im März fehlten bei uns 120 mm Niederschlag zum langjährigen Mittel. Der Weizen, insgesamt 80 ha, reifte unterschiedlich ab. Außerdem stehen noch 80 ha Roggen und zehn ha Sommergerste im Feld. Wir werden wohl weniger Gerste ernten als 2013. Für ein Drittel der Ernte habe ich im Januar und Februar Vorkontrakte abgeschlossen. Mehr schien mir wegen der Lieferverpflichtung nicht ratsam. Im Nachhinein eine richtige Entscheidung: Zwei Frostnächte Anfang Mai beeinträchtigen den Ertrag. Nicht nur das: In Zülow sind auch alle Walnussbäume mit Blatt und Blüte abgefroren. 

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