Ernte – Abgerechnet wird am Schluss!

31.07.2013

Ein Bild, wie man es nur noch selten sieht: Vier Mähdrescher ernten „im Komplex“. © Gerd Rinas

 

Es ist ein Tag, wie Landwirte ihn sich im Juli wünschen: Die Sonne strahlt, kein Wölkchen am tiefblauen Himmel. Es ist heiß, und die Mähdrescher auf dem Gerstenschlag bei Lützow brummen gleichmäßig vor sich hin. „Bestes Druschwetter“, freut sicht Harry Kellner, als den Fahrer plötzlich ein dumpfes Geräusch aufschreckt. Im gleichen Moment hebt sich das Schneidwerk seines Claas kurz an. Was ist geschehen?

 

 

Wenig später bringt Kellner die Maschine zum Stehen und sieht die Bescherung: Das Schneidwerk ist beim Dreschen auf einen Stein geschlagen und hat mehrere Finger eingebüßt. Die Schiene ist verbogen. „Das Schneidwerk hat den Stein aus der Erde gedreht. Das ist ärgerlich, aber nicht mehr zu ändern“, so der Fahrer. Er verständigt sofort Torsten Kähler. Wenige Minuten später rollt der Schlosser mit dem Werkstattwagen auf den Acker. Die Schneidwerkfinger werden ersetzt, die Schiene gerichtet.




Als Landesbauernpräsident Rainer Tietböhl, der Nordwestmecklenburger Kreisbauernvorsitzende Jörg Haase und Gerd Winkler, Vorstandschef der Marktfrucht eG Lützow, von ihrem Pressegespräch am Erntefeld (siehe S. 12., die Red.) kurz vorbeischauen, ist der Schaden schon behoben. Keine 30 Minuten nach dem Steinschlag rollt der Drescher wieder in die Gerste. „Mit solchen Schäden muss man immer rechnen“, sagt Gerd Winkler. „Ansonsten sind wir aber bisher von Ausfällen verschont geblieben.“


Die Lützower hatten am vorvergangenen Sonntag mit der Gerstenmahd begonnen. „Wir haben zunächst 300 Tonnen Gerste gedroschen. Mit 17 % war die Feuchte relativ hoch, so dass wir die ersten Partien getrocknet haben. Wir wollten aber auf Nummer sicher gehen und keine Hektik aufkommen lassen. Dafür nehmen wir den zusätzlichen Aufwand in Kauf“, erläutert Gerd Winkler.


Am Mittwoch voriger Woche, als der Steinschlag Harry Kellners Mähdrescher kurzzeitig aus der Bahn warf, waren von den 700 ha Wintergerste in Lützow schon 420 ha abgeerntet. Gerd Winkler rechnet mit einem Ertragsplus von 15 % gegenüber 2012. „Auch die Qualität ist bisher in Ordnung“, so der Vorstandsvorsitzende.


Während die vier Mähdrescher ihre Schlagkraft entfalten und den Gerstenbestand rasch schrumpfen lassen, bringt ein Unternehmen aus Goldenbow über dem Erntefeld in Lützow ein mit einer Kamera ausgerüstetes Fluggerät zum Einsatz. „Unser Multikopter kann die  Landwirte wirkungsvoll bei der Bestandesführung unterstützen“, erläuterte Diego Ludwig. Das Gerät, das per Hand oder Voreinstellung gesteuert werden und bis zu 60 m in 30 Sekunden zurücklegen kann, liefert Fotos und Videos in hoher Auflösung aus einer Höhe von bis zu 100 Metern.


Unterdessen sorgen auf dem Feld Traktorengespanne für den raschen Abtransport des Korns. „Wir haben 40 % der Gerstenernte über Vorkontrakte  im vergangenen Jahr zu guten Preisen vermarktet. Weitere 40 % in diesem Jahr zu nicht ganz so guten Konditionen, den Rest lagern wir erst einmal ein“, erläutert Gerd Winkler. Die Genossenschaft verfügt über 12.000 t Lagerkapazität.


Der Vorsitzende rechnet auch bei Winterweizen (1.050 ha) und Winterraps (700 ha) mit 10­–15 Prozent höheren Erträgen,  aber geringeren Preisen für Getreide und Raps als 2012. „Wenn das Wetter hält, kann es in diesem Jahr eine gute Ernte werden. Abgerechnet wird aber erst, wenn der Sack zu ist“, so Winkler vorsichtig. Der erfahrene Landwirt weiß, dass noch viel passieren kann, so lange Getreide auf dem Halm steht.

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