Endlich Landwirt!

14.10.2014

© Gerd Rinas

Sie waren die Besten des Jahrgangs: Landwirt André Paarmann, Agrar GmbH Diestelow, Landwirtschaftshelfer Marcel Arlt, Milcherzeugergenossenschaft eG Greven, Tierwirtin Nadine Kabeck, Gut Wamckow, Lars Engelhardt, Fachkraft Agrarservice, Mecklenburgische Güterverwaltungs- und Dienstleistungsgesellschaft, und Pferdewirtin Lisa Struck, Landgestüt Redefin (v. l.).

In diesem Moment hätte Chris-Kevin Verch die ganze Welt umarmen können: Endlich das Facharbeiterzeugnis in den Händen! Endlich Landwirt! „Es ist ein schönes Gefühl. Die Arbeit hat sich gelohnt“, freute sich der 19-Jährige bei der Freisprechung in Güstrow-Bockhorst.

Allein mit 360 Kühen

Ein Jahr Ausbildung in der Löbl KG, Mustin, und zwei Jahre im landwirtschaftlichen Unternehmen Sarmstorf eG liegen hinter dem jungen Mann. An kitzlige Momente in dieser Zeit erinnert er sich, als sei es gestern gewesen: Weil ein Kollege kurzfristig erkrankte, musste er im zweiten Ausbildungsjahr zwei Wochen lang allein 360 Milchkühe versorgen. „Ich war vorher zehn Tage im Stall mitgelaufen. Plötzlich verantwortlich zu sein, das war eine Umstellung. Aber es hat gut geklappt. Die Milchleistung hielt und es machte Spaß, die Tiere zu versorgen“, erinnert sich der junge Mann.

Er war einer von 283 Auszubildenden in den Fachrichtungen Land- und Tierwirt, Landwirtschaftshelfer, Pferdewirt und Fachkraft Agrarservice, die im Sommer ihre Ausbildung erfolgreich abschlossen. „Gut ausgebildete Fachkräfte sind der Garant für erfolgreiche Unternehmen. Herzlich willkommen im Berufsstand“, begrüßte Festredner Detlef Kurreck, Vizepräsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern, die  zur Freisprechung erschienenen Jungfacharbeiter. In der landwirtschaftlichen Praxis würden die jungen Leute dringend erwartet. Moderne Maschinen hätten zwar die körperlich schwere Arbeit in der Landwirtschaft übernommen. Deren Bedienung bleibe aber eine Herausforderung für die Mitarbeiter in den Betrieben. „Beweisen Sie Rückgrat und zeigen Sie, was Sie gelernt haben“, forderte Kurreck die jungen Kollegen auf. „Welcher Berufszweig bietet einen solch abwechslungsreichen Alltag wie die Landwirtschaft?“

Karsten Peters, stellvertretender Leiter des Referats Bildung und Beratung im Agrarministerium, wies darauf hin, dass mit dem Ende der Ausbildung zwar ein wichtiger Meilenstein erreicht, das Lernen aber keineswegs abgeschlossen sei. „Genießen ohne zu lernen führt zur Verblödung“, betonte Peters.

Ideelle Werte im Blick

Am Beispiel der Geschichte von „Hans im Glück“ forderte er die jungen Facharbeiter auf, nicht den Umfang materieller Güter zum Maßstab für ein erfülltes Leben zu machen, sondern dabei auch ideelle Werte im Blick zu behalten. „Sie haben dafür das Handwerkszeug erhalten. Es liegt an Ihnen, was Sie damit machen“, so Peters.

Glückwünsche überbrachte ebenfalls Jürgen Cummerow, Vorsitzender der Fachgruppe Lohnunternehmer im Agroservice & Lohnunternehmerverband Nordost. Seit 2008 haben über 100 junge Leute den Abschluss als Fachkraft Agrarservice erworben. „Sie können stolz auf Ihre Leistungen sein“, betonte Cummerow.

Das gilt auch für Landwirt Chris-Kevin Verch. Er verstärkt nun die Pflanzenbauabteilung in Sarmstorf. „Der Junge hat gezeigt, was er kann. Er hat unser Vertrauen“, sagte Vorstandsvorsitzender Ulrich Behnke am Rande der Freisprechung. Im Unternehmen setzen drei junge Leute ihre Ausbildung fort.

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