Ein Leuchtturmprojekt: Biomasse-Heizwerk

07.07.2014

© Edgar Offel

Landwirt Hans Voigt informiert Minister Backhaus anlässlich der Inbetriebnahme sehr umfassend.

Der Landwirtschaftsbetrieb ist gerettet“, das sei für Hans Voigt das wichtigste Ergebnis. Doch diese Wertung fand die zum offiziellen Betriebsstart angereiste Prominenz aus Politik und Forschung reichlich tiefgestapelt. „Das ist ein Leuchtturmprojekt“, sagte Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus. Es sei ein Konzept entwickelt worden, das eine existenzsichernde Nutzung vernässter Polderflächen mit Naturschutz und klimaschonender Wärmegewinnung verbindet. Das sei angesichts von 30 000 ha renaturierter Moore zukunftsweisend für Mecklenburg-Vorpommern. Moorexperte Hans Joosten von der Universität Greifswald versicherte sogar weltweites Interesse.

Dabei begann alles mit einem Tiefschlag. Der Landwirtschaftsbetrieb Hans Voigt hält auf rund 300 ha Grünland am Kummerower See Mutterkühe. Vor über zehn Jahren begann jedoch der Zweckverband Peenetal-Landschaft im Rahmen des Moorschutzprogrammes die Polder der Flusslandschaft zu fluten. Das stellte den Betrieb infrage. Voigt dachte schon ans Aufgeben. Da kamen Moorexperten der Uni Greifswald auf ihn zu. Die Wissenschaftler  suchten nach einer ökonomisch und ökologisch sinnvollen Verwendung der Biomasse von renaturierten Mooren. Um einer Verbuschung entgegenzuwirken, müssen die wiedervernässten Polder regelmäßig gemäht werden. Die Biomasse ist jedoch als Futter ungeeignet. Eine Alternative könnte das Verbrennen in einem Heizwerk sein. Die breit gefächerten und mehrjährigen Untersuchungen in Zusammenarbeit mit Voigt ergaben: Ein Verbrennen rechnet sich. Die Energicos Malchin GmbH, die zwei Wohnbezirke der Stadt mit Fernwärme beliefert, erklärte sich bereit, die anfallende Wärme abzunehmen. Der Familienrat entschied nun, das Projekt anzugehen.

Die Ausführung übernahm Schwiegersohn Ludwig Bork. Der heute 33-Jährige qualifizierte sich zum Agrarfachwirt für erneuerbare Energien. Als Betreiberin wurde die Agrotherm GmbH gegründet. Zwei Jahre dauerte die Bauplanung, ehe im Oktober 2013 die BImSch-Genehmigung vorlag. Das mit 800 kW Feuerleistung projektierte Heizwerk ist im Prinzip eine Strohheizung. Es musste jedoch die Inhomogenität der Heuballen bedacht werden. Insgesamt investierte Agrotherm 640 000 €. 182 000 € davon steuerte das Agrarministerium aus dem EFRE bei. Bei der Erntetechnik für den Sumpfeinsatz mussten die Reifen verbreitert werden. Und die Festkammerpresse erhielt eine Tandemachse. Etwas Sand ist aber noch im Getriebe. So ist Asche ein mineralstoffreicher Dünger. Dennoch muss ihn Agrotherm derzeit als Sondermüll entsorgen. Auch muss sich erst zeigen, welche Kinderkrankheiten die Anlage hat. „Auch wenn wir heute feiern – jetzt geht es erst richtig los“, sagte dann auch Hans Voigt.

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