Der Kolben macht die Musik

21.10.2014

© Jürgen Drewes

Qualitätskontrolle: Geschäftsführer Friedhelm Thiel (r.) und Häckslerfahrer Waldemar Schyka prüfen die Körner.

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Das ist ein erstklassiges Futter für unsere Rinder. Hier steckt ordentlich Energie, richtig Musik drin“, freut sich Friedhelm Thiel, nachdem er einen Maiskolben geteilt und eingehend untersucht hat. Der Geschäftsführer der Landwirtschafts GmbH Petschow hat auf 320 ha Mais in der Region rund um Rostock angebaut.


Zuletzt hatte Waldemar Schyka seinen Häcksler Richtung Groß Lüsewitz gelenkt. Zügig frisst sich das Gebiss der hochmodernen Erntemaschine gut 30 Zentimeter über dem Erdboden durch die schier endlos langen Reihen. Die Schnitthöhe ist entscheidend für die Qualität. Vom Regen aufgespritzte Erde am unteren Stengelende würde die Siloqualität deutlich mindern. In hohem Bogen fliegt der saubere, klein geschnittene Mais auf den Hänger eines mitfahrenden Traktors. Der wird zielsicher von Söhnke Dayn gelenkt.

 

Azubi ist beeindruckt

Als die Ladefläche wieder einmal randvoll ist, wird eine kurze Pause eingelegt. Den Azubi hat es aus Niedersachsen Richtung Petschow verschlagen. „Mich hat einfach interessiert, wie die Arbeit in einem großen Unternehmen hier in Mecklenburg-Vorpommern organisiert und letztlich auch realisiert wird. Das war alles sehr aufschlussreich, hat mich zu neuem Denken angeregt“, zeigt sich Söhnke Dayn beeindruckt über das, was er in den vergangenen Monaten erfahren hat. Nach seinem Abschluss im kommenden Sommer will der Bestschüler seiner Klasse mit vielen neuen Anregungen zurück auf den Familienhof unweit von Soltau. Zudem hat er sich eine weitere Qualifikation an der Fachschule Hildesheim vorgenommen.


Bereits erwartet, gesellt sich zu der kleinen Runde am Feldrand Günter Drawz hinzu. Als engagierter Jäger hält der Mittsiebziger regelmäßigen Kontakt zum Landwirtschaftsunternehmen. „Während der Maisernte entscheidet sich, wie sich die Wildschweinbestände entwickeln. Die Tiere fressen sich deutlich sichtbar durch die Bestände. Da können wir sie aber nicht unbemerkt aufspüren, also müssen wir sie mit einer gewissen Taktik heraustreiben“, gibt der pensionierte Professor für Urologie an der Uni Rostock die Marschrichtung vor.


Nachdem das rund 30 ha große Feld nahezu abgeerntet ist, werden die Schweine im letzten verbliebenen Streifen vermutet. Mit verminderter Geschwindigkeit bewegt sich der Häcksler durch den Maisbestand. Rechts und links geben zwei Traktoren mit Hängern für den Maistransport Flankenschutz, damit die vermuteten Schweine nicht vorzeitig ausbrechen können. In vorschriftsmäßiger Schussposition hat Günter Draws Stellung bezogen.

 

Hoher Wildschaden

Es funktioniert tatsächlich. Als nur noch ein paar Hundert Quadratmeter zu häckseln sind, bricht eine Rotte mit Keilern, Bachen und etlichen größeren Frischlingen aus. Zwei Tiere können erlegt werden. „Zu wenig“, sind sich Jäger Drawz und Landwirt Thiel einig. Die Wildschäden, nicht nur im Petschower Unternehmen, gehen alljährlich in die Tausende. „Wildschweine gehen besonders rigoros vor. Jetzt haben sie schon wieder größere Flächen im Raps durchwühlt, später werden sie auch in die jungen Wintergetreidebestände ziehen“, plant Thiel erneute Verluste ein. Erst im Frühjahr hatten ihm Kraniche ein gerade bestelltes Maisfeld komplett leergefressen.


„Ich war in diesem Jahr bereits an fünf Maisschlägen aktiv, aber ein Jäger allein kann das Problem mit dem Schwarzwild nicht lösen“, zeigt sich auch Drawz leicht resignierend angesichts der zunehmenden Population speziell beim Schwarzwild. Landwirt und Jäger vereinbaren Ende Oktober/Anfang November noch einmal Hand in Hand arbeiten zu wollen, wenn auf einem Schlag bei Hohen Schwarfs zum Finale Körnermais geerntet wird.


Zurück auf seinem Hof kontrolliert Thiel die Qualität im Silo. „Das wird unseren Rindern schmecken“, kommt beim Geschäftsführer wieder richtig Freude auf. Rund 400 dt/ha wurden in diesem Jahr geerntet, die Lager sind randvoll. Im Unternehmen werden 680 Milchkühe, darüber hinaus Färsen und Kälber und 600 Ochsen gehalten. „Der Bedarf an hochwertigem Futter ist enorm, da muss schon alles beim Maisanbau stimmen. Deshalb testen wir auch immer mal wieder neue Sorten, das Angebot ist überaus vielfältig“, misst Thiel dem Maisanbau in seinem Unternehmen einen hohen Stellenwert bei.


Von zunehmender Monokultur will der Geschäftsführer nichts wissen. Im Gegenteil: „Wir setzten auf Vielfalt, auf eine ausgewogene Fruchtfolge. Bei uns kommt noch fast alles in den Boden; Roggen, Weizen, Gerste, Triticale, Kartoffeln, Raps, Zuckerrüben. Die Vielfalt kommt dem Boden zugute und spart uns zudem Kosten beim Pflanzenschutz“, macht der erfahrene Betriebsleiter seine Rechnung auf.

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