Brandstifter am Werk?

22.04.2015

© Gerd Rinas

Von dem einstigen Kulturhaus in Herzberg, das nach der Wende leer stand und zuletzt vom örtlichen Landwirtschaftsbetrieb als Strohbergeraum genutzt wurde, blieb nach dem Brand nur ein Trümmerhaufen.

Als am 9. April gegen 1.30 Uhr bei Landwirt Marcus Schwarzer das Mobiltelefon klingelt, hat der Landwirt ein ungutes Gefühl. Mit aufgeregter Stimme teilt Melkerin Kathrin Güßmann mit, dass eines von drei Strohlagern auf dem Mietenplatz am Rand des Dorfes brennt. Fütterer Siegfried Weltzin hatte das Feuer kurz zuvor entdeckt, als er die Milchkühe aus dem Melkstand in den Tiefstall trieb. Als Marcus Schwarzer, Vorstandsvorsitzender der Dobbertiner Agrargenossenschaft, wenige Minuten später am Mietenplatz ankommt, ist Thomas Weltzin schon dabei, mit dem Radlader glimmende Strohballen auseinanderzufahren. 26 Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren aus Goldberg und Dobbertin sind im Einsatz, um die Flammen zu bekämpfen. Am Morgen um zehn Uhr sind die letzten brennenden Strohballen aus der Gefahrenzone. Ballen auf einer Mietenlänge von 25 m, mehr als 150 Stück, sind ein Opfer der Flammen geworden. „Wir hatten noch Glück im Unglück“, sagt Marcus Schwarzer. In der Nacht wehte nur ein leichter Wind in südöstliche Richtung. „Hätte es wie sonst meist in Richtung Nordwest geblasen, hätten wohl auch die beiden anderen Mieten Feuer gefangen, und wer weiß, ob nicht sogar das Dorf noch betroffen worden wär“, mutmaßt Schwarzer. Bleibt die Frage: Wie ist es zu dem Brand gekommen?


Um so mehr, als dass es wenige Tage zuvor in der Region schon zwei Strohlager erwischt hatte. Am 6. April brannte im knapp 20 km entfernten Herzberg das einstige Kulturhaus, das nach der Wende leer stand und zuletzt vom örtlichen Landwirtschaftsbetrieb als Strohbergeraum genutzt wurde, vollständig aus. Landwirtin Gesa Kruse von der betroffenen Gut Herzberg KG schätzt, dass etwa 4 000 Ballen Futterstroh Opfer der Flammen wurden.


Als wäre das nicht schlimm genug: Einen Tag später, am 7. April, ging ein weiteres Strohlager des Betriebes im nahegelegenen Woeten in Feuer auf. Hier rechnen die Landwirte mit einem Verlust von 500 Ballen Stroh. In beiden betroffenen Betrieben, in Dobbertin und Herzberg, besteht kein akuter Mangel an Stroh. „Dennoch hat es gut getan, dass Landwirte aus der Nachbarschaft anriefen und uns welches anboten“, sagt Gesa Kruse. Sowohl die Dobbertiner als auch die Herzberger Landwirte interessiert verständlicherweise vor allem eine Frage: Wie ist es zu den Bränden gekommen? Die Kriminalpolizei Parchim ermittle „in alle Richtungen“, hieß es.

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