Boden: Kostbares Gut

25.03.2015

© Gerd Rinas

Landwirtschaft mit guten Kontakten zur Unterwelt steht auf dem Plakat, mit dem Rainer Tietböhl und Wolf-Dietmar Vetter auf die besondere Beziehung der Bauern zum Boden aufmerksam machen wollen.

Der Verbrauch landwirtschaftlicher Flächen durch Siedlungsbau, Verkehr, neue Stromtrassen und Photovoltaikanlagen hält an. Täglich gehen bundesweit 75 Hektar aus der landwirtschaftlichen Nutzung. Seit 1992 hat Deutschland 900 000 ha LF eingebüßt. Das entspricht etwa 80 Prozent der Landesfläche Mecklenburg-Vorpommerns. Darauf machte Bauernpräsident Rainer Tietböhl während eines Pressegesprächs zum „UN-Jahr des Bodens“ in der Wariner Pflanzenbau eG in Trams, Nordwestmecklenburg, aufmerksam.

Tietböhl wies darauf hin, dass durch Ausgleichsflächen, z. B. beim Bau von Windkraftanlagen, weiterer wertvoller Boden verlorengehe. „Über Ökokonten bzw. den Ausgleich mit Flächen außerhalb der landwirtschaftlichen Nutzung könnte dieser Verbrauch eingeschränkt werden“, so der Bauernpräsident. Auch Landwirte sollten bei Neubauten prüfen, ob statt der „grünen Wiese“ nicht Standorte außerhalb der landwirtschaftlichen Nutzung infrage kommen. „Um den Flächenfraß einzudämmen, brauchen wir ein Bodenschutzgesetz“, forderte Tietböhl.

Untersuchungsergebnisse des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und Geologie belegten, dass der Humusgehalt der Böden gut sei. Gefahren gingen allerdings von Erosion und Hitzestress aus. 60 % der Flächen im Land würden mit bodenschonenden Verfahren oder pfluglos bewirtschaftet.

In der Wariner Pflanzenbau eG werden Angaben zum Boden seit 14 Jahren lückenlos dokumentiert, berichtete Vorsitzender Wolf-Dietmar Vetter. Der Betrieb am nordwestlichen Zipfel der Sternberger Seenplatte wirtschaftet auf zirka 3 000 ha stark verschießender Böden mit Bonitäten von 9 bis 48. Angebaut werden neun Fruchtarten,  Getreide relativ konstant auf 50 % der Fläche. Winterzwischenfrüchte kommen auf 150 bis 200 ha in den Boden. Seit sechs Jahren wird eine Biogasanlage  mit Schweinegülle und Mais aus dem Betriebsverbund betrieben. Das Gärsubstrat aus der Biogasanlage gelangt im Frühjahr per Schleppschlauchverteilung auf die Pflanzenbestände. Nach der Ernte wird die Gülle von einem Lohnunternehmer ausgebracht und sofort eingearbeitet. 2014 wurden durchschnittlich über 80 dt Winterweizen pro Hektar geerntet, in den Jahren zuvor über 70 sowie mehr als 50 dt Roggen pro Hektar. Auf den Sandstandorten schwanken die Erträge zwischen 30 und 60 dt/ha. Auf den besseren Flächen wachsen Raps, Winterweizen und Zuckerrüben, auf den 20er Böden folgt Mais auf Mais, danach Roggen und Zwischenfrüchte. „Mit dieser Fruchtfolge ist eine ausgeglichene Humusbilanz auf den Sandböden möglich“, erläuterte der stellvertretende Vorsitzende Daniel Bohl, im Unternehmen für den Pflanzenbau, einschließlich der Bodendokumentation, verantwortlich.

Teurer Düngerstreuer rechnet sich

Alle fünf Jahre werden in einem Dreihektarraster Bodenproben gezogen und zur Untersuchung der Phosphor-, Kali- und Magnesiumgehalte sowie des pH-Wertes an die LUFA nach Rostock geschickt. Die ermittelten Nährstoffkonzentrationen werden ebenso wie vorgesehene Fruchtfolgen in GPS-gestützte Streukarten für die Düngung einbezogen. Der Betrieb setzt einen Düngerstreuer der modernsten Generation ein, auch wenn die Kosten für die Ausbringetechnik sich in den vergangenen 25 Jahren auf etwa 65 000 € mehr als verdreifachten. „Die Möglichkeiten, die diese Technik bietet, sind traumhaft.  Die Anschaffungskosten rechnen sich“, zeigte sich Wolf-Dietmar Vetter überzeugt. Stickstoff wird seit zehn Jahren mit dem N-Sensor teilschlagspezifisch ausgebracht. Die Planung des Stickstoffeinsatzes erfolgt schlagspezifisch, nach Ertrag und unter Berücksichtigung der aktuellen Nmin-Werte.

Nicht immer ausgebeutet

Im Verwaltungsgebäude geben vier Glaszylinder Auskunft über Erträge und Humusbilanzen der vergangenen 50 Jahre. „1963 wurden in unserem Vorgängerbetrieb 20 Getreideeinheiten (GE) pro Hektar geerntet, die Humusbilanz wies ein Saldo von minus 20 Kilogramm auf“, so Daniel Bohl. 2014 lag der Ertrag bei 71 GE/ha und die Humusbilanz schlug mit plus 150 kg/ha zu Buche. „Die Ansicht, dass die Böden immer ausgebeutet werden, stimmt nicht. Es geht auch anders“, sagt Landwirt Vetter.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr