Biber in Mecklenburg-Strelitz

17.10.2016

© Frederick Hirzel

Ortstermin: Vertreter des Bauernverbandes Mecklenburg-Strelitz und von Behörden machen sich ein Bild von Biberschäden.

Der Bauernverband Mecklenburg-Strelitz und der Wasser- und Bodenverband Friedland (WBV) hatten kürzlich zu Information und Austausch über den Umgang mit dem Biber geladen. Gastgebender Landwirtschaftsbetrieb war die Agrar GmbH & Co. KG Sandhagen. An der Veranstaltung nahmen betroffene Landwirte und u. a. Heike Ameskamp, Leiterin des Umweltamtes Mecklenburgische Seenplatte, und Marie-Luise Rose, Projektförderung, Staatliches Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburgische Seenplatte, teil.

 

Verstopfte Düker, untergrabene Deiche


Irene Kalinin, Geschäftsführerin des Wasser- und Bodenverbandes Friedland, zählte 2006 nur einen Standort und 2016 schon 212 Standorte mit Biberaktivität. Der Biber baut Dämme, verstopft Düker und untergräbt Deiche. Um diese Schäden zu beheben, wendete der Wasser- und Bodenverband zwischen 2005/06 und 2015 an Gewässern 136 412,42 € und an Deichen 42 038,56 € auf. Die Aufwendungen lagen z. B. 2005/06 bei 1 019,41 und 2015 bei 71 507,10 €. Der Wasser- und Bodenverband ist für die Unterhaltung der Gewässer zweiter Ordnung zuständig, also aller Gewässer, die weder Bundeswasserstraßen noch in der Anlage zum Landeswassergesetz MV stehen und nicht durch den Eigentümer selbst unterhalten werden müssen.
Zur Unterhaltung gehört auch der Betrieb von Anlagen, die der Abführung des Wassers dienen. Dabei bedarf die Beseitigung eines Biberdamms stets einer Genehmigung vom Umweltamt, weil der Biber durch das Bundesnaturschutzgesetz und die EU-Richtlinie 1992/43 geschützt ist.

 

Person vor Ortwäre wichtig


Die teilnehmenden Landwirte wiesen auf die eingeschränkte und schwierige Bewirtschaftung hin, weil z. B. Dränagen wegen aufgestauten Wassers in den Gräben nicht wirksam werden. Dies verursacht höhere Bewirtschaftungskosten und Einbußen bei der Ernte. Die Anwesenden suchten im Gespräch nach Lösungen, um zukünftig Schäden durch den Biber zu verhindern. Vor Ort wäre eine Person wichtig, die unabhängig von den Landwirtschaftsbetrieben und dem Wasser- und Bodenverband die Bibergebiete kontrolliert und Aufstauungen umgehend beseitigt. Dies kann aus finanziellen Gründen wohl nur über das Landwirtschaftsministerium oder entsprechende Förderprogramme erfolgen. Außerdem wären Obergrenzen für die Population sowie Zonen mit und ohne Biberschutz festzulegen, um die Population zu kontrollieren.


Der Bauernverband Mecklenburg-Strelitz beabsichtigt, so Vorsitzende Kerstin Brandt-Goralski, sich an das Landwirtschaftsministerium zu wenden. Anhand der Darstellung eines betroffenen Landwirtschaftsbetriebs und der biberbedingten Kosten des WBV soll die Situation verdeutlicht und auf den staatlichen Handlungsbedarf hingewiesen werden.


Das Umweltamt Mecklenburgische Seenplatte beteuerte seinerseits, gegenüber dem Landwirtschaftsministerium auf die Situation im Mecklenburg-Strelitz hinzuweisen. Das gleichnamige Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt deutete an, dass es bald ein neues Förderprogramm zum Schutz vor Hochwasser gäbe, worüber die Teilfinanzierung einer Person für die Biberüberwachung und Beseitigung z. B. verstopfter Rohrleitungen zwischen Gräben laufen könne.

 

Handlungsbedarf vor Augen geführt


Die Veranstaltung führte der öffentlichen Verwaltung die Biberproblematik vor Augen. Umweltamt und Staatliches Amt werden dies bei Entscheidungen, z. B. bei Genehmigungen aus dem zukünftigen Förderprogramm, in Erinnerung haben. Parallel zu dieser Veranstaltung des Bauernverbandes Mecklenburg-Strelitz äußert sich der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern gegenüber der Landespolitik dahingehend, dass die Umsiedlung und letale Entnahme u. a. von Biber und Kormoran ab einer bestimmten Populationsgröße im neuen Koalitionsvertrag stehen.

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