Berufswettbewerb der Landjugend

18.04.2013

So richtig zufrieden sind die Bewerter Cornelia Leppelt und Detlef Nickel mit der Kandidatin nicht. „An dieser Station galt es, anhand von 20 Proben Futtermittel zu bestimmen. Sieben von 20 Punkten sind doch etwas mager“, findet Detlef Nickel. „Ich bin Praktikerin.  Wenn ich mir etwas merken soll, muss ich es schon mal in der Hand gehabt haben“, versucht  Dominique Schulz sich zu rechtfertigen. Von den Futtermitteln, die in kleinen Schalen vor ihr auf dem Tisch stehen, hat die angehende Tierwirtin in ihrer Ausbildung bisher aber nur die wenigsten kennengelernt. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als fehlendes Wissen nachzuholen. Bitter für Dominique: Mit dem Punktverlust an dieser Station büßt sie ihre Chancen auf eine vordere Plazierung beim Berufswettbewerb der Landjugend ein. 18 künftige Land- und acht Tierwirte hatten sich bei regionalen Entscheiden an den Berufsschulstandorten Güstrow, Jördenstorf, Torgelow und Zierow für das Landesfinale am Donnerstag voriger Woche in Jördenstorf qualifiziert. Hier mussten die 26 Finalisten zunächst ihr Allgemeinwissen aufblitzen lassen. Dafür wurden sie mit bis zu zehn Punkten belohnt. Für richtige Antworten  in der Berufstheorie gab es 20, für die Präsentation eines vorgegebenen Themas 15 und für den Nachweis praktischer Fertigkeiten beim Radwechsel am Schneidwerkswagen  sowie am Düngerstreuer 55 Punkte. Gerade der Praxistest, in dem die meisten Punkte zu holen waren, erwies sich für eine Reihe von Startern als Klippe.



Leichte Übung:  Tobias Schröder, Agrarprodukt eG Rüting, und Martin Pott, Landwirtschaftsbetrieb Ralf Thormelen, Groß Wokern, beim Radwechsel. Bewerter Thomas Trenn, Lohnunternehmen Blunk, beobachtet das Tun der beiden Auszubildenden.



 

Präsentation: Auszubildender Mario Pfahls, Agrarbetrieb Burkhard Köpnick, legt dar, wie die Akzeptanz der Landwirtschaft zu verbessern ist (linkes Foto). Nachholbedarf bei Futtermitteln: Detlef Nickel im Gespräch mit Dominique Schulz (Foto rechts).




Die Sieger des Landesentscheids 2013 und Gratulanten vom Bauern-

,Land-Frauen- und Landjugendverband sowie aus dem Agrarministerium.


„Ein Teil der Auszubildenden zeigte sich nicht in der Lage, theoretisches Wissen anzuwenden“, schätzte Detlef Nickel, Richter beim Bundes-Berufswettbewerb und Mitglied des bundesweiten Aufgabenausschusses, ein. Ausbildungsbetriebe und -berater müssten gemeinsam überlegen, wie die Lehrlinge möglichst frühzeitig praktische Erfahrungen sammeln könnten. „Es kann nicht angehen, dass sie im

2. Lehrjahr vor einer Milchkuh stehen und den Typ nicht erkennen, weil sie noch keine Tiere beurteilt haben“, machte Nickel an einem Beispiel deutlich.


Auf Tobias Schröder traf diese Einschränkung nicht zu. Der angehende Landwirt im letzten Lehrjahr aus der Agrargenossenschaft Rüting, Nordwestmecklenburg, war als einer der Favoriten nach Jördenstorf gereist: Er hatte den Regionalentscheid in Zierow für sich entschieden. Als Abiturient absolviert er dort die dreijährige Ausbildung in zwei Jahren. „Landwirtschaft macht Spass“, findet Schröder, dessen Vater und Großvater schon in der LPG Rüting Landwirte waren. Das Aufgabenfeld in der Genossenschaft ist breit: „1 000 Hektar Acker, 1 000 Rinder, Milchkühe, Bullen, Nachzucht, jeder Tag bringt Neues“, so der 22-Jährige, der nach seiner Ausbildung ein Studium an der Hochschule Neubrandenburg beginnen will.


Beim Landesfinale fühlte sich Schröder gefordert. Weniger von den landwirtschaftlichen Aufgaben. „Radwechsel am Schneidwerkswagen und  Vorbereitung eines Düngerstreuers auf den Einsatz mit Berechnung des Stickstoffbedarfs für einen Hektar Winterweizen, das hat man im letzten Lehrjahr schon mal gemacht“, so der Azubi. Ins Grübeln brachte ihn eine andere Frage. In der Präsentation sollte er Möglichkeiten aufzeigen, wie die Akzeptanz der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit verbessert werden kann.


Schröder weiß aus eigenem Erleben um die Brisanz. „Fahren Sie mal Gülle durchs Dorf. Oder im Sommer Getreide zum Händler und hinter ihnen bildet sich eine Fahrzeugschlange. Die Leute hupen und schimpfen. Dabei sorgen wir dafür, dass sie was zu essen haben. Das blenden viele aber aus.“ Über seine Lehre sagt Tobias Schröder fast nur Gutes. Eine Woche Schule, zwei Wochen Ausbildung im Betrieb – im Prinzip gehe der Wechsel in Ordnung. Manchmal gebe es aber Ärger. „Als die Schule im vorigen Jahr erst Mitte Juli endete, fand mein Chef das gar nicht toll“, erinnert sich Schröder. „Wenn im April eine Woche Unterricht ist, und in der Zeit gerade Mais gelegt wird, wo ich gern dabei sein würde, finde ich das auch ärgerlich.“ Andererseits sei es keine Lösung, Auszubildende für die Schule nicht freizustellen, wenn  Arbeitsspitzen zu brechen sind. Diese Praxis sei in manchen Betrieben aber üblich. Den Nachteil hätten die Auszubildenden.


Beim Landesentscheid der Landwirte wurde Tobias Schröder am Ende Zweiter. Nur einem musste er den Vortritt lassen: Carl-Ferdinand Fischer aus dem Landwirtschaftsbetrieb Dr. Hill, Reine und Benter GbR in Bömitz. Der großgewachsene Auszubildende erzielte mit 92,6 Punkten ein hervorragendes Ergebnis. Bei den Tierwirten siegte ebenfalls eine Favoritin: Claudia Wiese aus dem Gut Schweinezucht Alt Gaarz/Blücherhof hatte den Regionalentscheid für sich entschieden. Mit 79,05 Punkten gewann sie den Landesentscheid souverän vor Friedemann Engel, Pleetz, und Axel Jalaß, Medow.


Bauernverbandsvizepräsident Gerd Göldnitz dankte den Teilnehmern für ihren Einsatz,  den Sponsoren für die Unterstützung und den Organisatoren vom Landjugendverband und  Helfern vom Bauern- und LandFrauenverband für eine perfekt vorbereitete Veranstaltung.  Die zwei erstplazierten Land- und Tierwirte werden Mecklenburg-Vorpommern beim Bundesfinale des Berufswettbewerbes vom 3. bis 7. Juni im bayerischen Schwarzenau vertreten.


Gerd Rinas, BauernZeitung (Text und Fotos)


Siegerliste – Landesentscheid

Landwirte: 1. Platz: Carl-Ferdinand Fischer, Landwirtschaftsbetrieb

 

 

Dr. Hill, Reine und Benter GbR, Bömitz, 92,6 Punkte; 2. Platz: Tobias Schröder, Agrarprodukt eG. Rüting, 89,20 Punkte, 3. Platz: Dennis Rogge, DLK Toitin-Neetzow oHG, 82,5 Punkte.


Tierwirte: 1. Platz: Claudia Wiese, Gut Schweinezucht Alt Gaarz / Blücherhof, 79,05 Punkte, 2. Platz: Friedemann Engel, Datze Naturrind und Landschaftspflege GbR Pleetz, 74,45 Punkte, 3. PLatz: Axel Jalaß, GbR Wodrich, Goldberg, Ortsteil Medow, 64,75 Punkte.



 

 

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