BDM-Milchbauerntag in Karow

07.03.2014

© Gerd Rinas

Aufmerksame Zuhörer: An der Veranstaltung in Karow nahmen auch Landwirte aus angrenzenden Bundesländern teil.

Wissenschaftler und Politiker sehen gute Chancen für die Milchwirtschaft in Deutschland. „Der Trend sinkender Agrarpreise, der mehr als hundert Jahre anhielt, ist zu Ende. Die weltweite Nachfrage nach Milchprodukten steigt schneller als das Angebot.“ Darauf wies Prof. Dr. Harald von Witzke, Humboldt-Universität, Berlin, in Karow hin. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter e. V. (BDM) hatte zu seinem Milchbauerntag eingeladen.

Orientierung auf Export

Als Triebfedern dieser Trend-umkehr nannte von Witzke das Bevölkerungswachstum in Entwicklungs- und Schwellenländern, das sich voraussichtlich bis 2050 fortsetzen wird, und verbesserte Einkommen für einen Teil der Menschen in diesen Ländern. Die Möglichkeiten, die Agrarfläche auszudehnen, seien weltweit begrenzt. Deshalb müssen 90 % des notwendigen Produktionszuwachses durch Produktivitätssteigerung erbracht werden. „Deutschland ist ein Gunststandort und bietet dafür die Voraussetzungen“, so von Witzke.

Auch Agrarminister Till Backhaus machte den Bauern Mut. Der Milchmarkt entwickle sich in einem soliden Umfeld. Allein in Mecklenburg-Vorpommern stieg der Milchpreis von 2012 zu 2013 um 17,1 % auf bis zu 40,83 ct/kg Milch im vierten Quartal. Ursache sei vor allem die steigende Nachfrage aus dem Ausland. Für Mecklenburg-Vorpommern sei die Orientierung auf die Exportmärkte für die Zukunft entscheidend. Schon jetzt würden zwei Drittel des hier hergestellten Käses außerhalb des Landes vermarktet. Backhaus wiederholte seinen Rat, alle Möglichkeiten der Bündelung des Rohstoffs auszuschöpfen.

Angesichts der zunehmend globalen Vermarktung durch deutsche Molkereiunternehmen betonten mehrere Redner die Notwendigkeit, auch auf der Erzeugerseite den Rohstoff Milch international gebündelt anzubieten. „Die Milcherzeuger können sich dem Wettbewerb im Zuge der Internationalisierung des Marktes auf Dauer nicht stellen, wenn sie sich nur national bündeln“, sagte Rainer von Hößlin. Der Geschäftsführer der MEG Milch Board stellte die Internationale Bündelungskommission vor, die im August 2012 als Aktionsbündnis gegründet worden war. Neben der MEG Milch Board w. V. haben sich darin das französische Office du Lait – France Milkboard und die belgische Organisation MIG – Milcherzeuger Interessengemeinschaft zusammengeschlossen.

„Milch soll nicht nur abgeliefert werden, sie soll Gegenstand von Verhandlungen mit den Molkereien sein. Das funktioniert aber nur, wenn die Bündelung der Milch voranschreitet, das heisst die Erzeuger die Verhandlungen zunehmend unter einem gemeinsamen Dach führen“, betonte von Hößlin. Das EU-Milchpaket eröffne die Möglichkeit, Organisationen zu gründen, die auch länderübergreifend für die Erzeuger verhandeln. Dass dies einen langen Atem braucht, machte Paul de Montvalon, Vorsitzender des France Milk Board, deutlich. Er informierte über die Situation der französischen Milchbauern, die trotz der guten Nachfrage drei bis vier Cent weniger pro Kilogramm Milch erlösen als ihre deutschen Berufskollegen.

Um den geringsten Preis

In der Diskussion äußerten sich Landwirte skeptisch zu den rosigen Marktprognosen. „Es wird einen Wettbewerb um den niedrigsten Milchpreis geben, der Tausenden Milchbauern das Aus bringt“, befürchtete Arnold Blum aus der Prignitz. Dagegen setzt Sabine Siedler, Geschäftsführerin der Agrar GmbH Vipperow und Vorsitzende der Milcherzeugergemeinschaft „Südmecklenburg“, große Hoffnungen in die Nord-MEG. Die „Südmecklenburger“ wollen mit anderen norddeutschen Erzeugergemeinschaften in der Nord-MEG die Milch bündeln und ver­markten.

BDM-Landesvorsitzender Christian Karp zeigte sich mit der siebenten Auflage des Milchbauerntages zufrieden. „Wir hatten eine sehr interessante Veranstaltung mit einer kontroversen und anregenden Debatte.“ Karp kündigte an, dass der Verband seine Kontakte zu anderen berufsständischen Interessenvertretern und zur Politik ausbauen und sich weiter intensiv für die Bündelung des Rohstoffs Milch einsetzen werde.

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